In 22 Fällen soll eine 19-jährige Angeklagte Ware im Internet bestellt und nicht gemerkt haben, dass das Geld dafür von einem fremden Konto abgebucht wurde. Erst als sich der Geschädigte bei Amazon beschwerte, bekam die Frau mit, dass etwas nicht stimmt. So sagte sie jetzt vor Gericht aus.

„Die Ware bestellte die Angeklagte im Zeitraum vom 18. Mai 2020 bis 12. Januar 2021. So entstand ein Schaden von fast 600 Euro“, verlas die Staatsanwältin die Anklage im Amtsgericht Überlingen. Unter den Bestellungen sei alles mögliche gewesen – vom Kalender über Kosmetikartikel bis hin zu Campingkocher und Gaskartuschen.

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Die 19-Jährige hätte die Ware bezahlen können. Seit sie 16 Jahre alt sei, arbeite sie regelmäßig auf 450-Euro-Basis, um ihr Taschengeld aufzubessern, sagte sie vor Gericht aus. Unterhaltskosten habe sie keine, da sie noch zu Hause bei ihren Eltern wohne. Mit ihrem Ersparten habe sie so immer mal wieder etwas im Internet bestellen können. Nachdem die junge Frau ihre Angaben zu sich und ihren Lebensumständen gemacht hatte, fragte sie Richter Alexander von Kennel: „Würden Sie sich als eitel bezeichnen?“ Ihre Antwort war ein zögerliches „nö“.

Nichts von fremdem Konto gewusst

Die 19-Jährige räumte ein, dass sie die in der Anklageschrift angegebenen Waren bestellt hatte. Allerdings habe sie nicht bemerkt, dass das Geld dafür von einem fremden Konto abgebucht wurde. „Ich habe die Dinge über mein Smartphone bestellt. Dort sieht man nicht, was für ein Konto bei Amazon hinterlegt ist“, sagte sie. Erst als sich der Geschädigte acht Monate nach der ersten Bestellung beschwerte, am 28. Dezember 2020, habe auch sie gemerkt, dass da etwas nicht stimmt.

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„Eigentlich schaue ich regelmäßig, was von meinem Konto abgebucht wird. Und da waren auch Abbuchungen von Amazon zu sehen.“ Für was oder wie viel, das habe sie sich aber nicht so genau angesehen. Unter anderem, weil sie nach eigenen Angaben öfter und gern Dinge im Internet bestelle. „Ich bin davon ausgegangen, dass das so stimmt.“ Die Frage des Richters, ob sie kaufsüchtig sei, verneinte die 19-Jährige aber.

Angeklagte muss Schaden begleichen

Ungeklärt blieb bis zum Ende der Verhandlung, wie die Angaben zum Konto des Geschädigten überhaupt in das Amazon-Konto der 19-Jährigen gekommen sind. Der Verteidiger wies die Schuld von seiner Mandantin: „Irgendetwas ist da faul. Vielleicht ein Versehen des Onlineversandhändlers.“

Weil dieser Punkt nicht geklärt werden konnte, stellte Richter Alexander von Kennel das Verfahren gegen die Angeklagte ein. Er machte die Auflage, sie solle sich zusammen mit ihrem Verteidiger unverzüglich an den Geschädigten wenden und den verursachten Schaden begleichen. Dies müsse sie dem Gericht nachweisen. Am Ende gab der Richter der 19-Jährigen mit: „Schauen Sie doch in Zukunft einmal mehr auf das, was von Ihrem Konto abgeht oder eben nicht abgeht – am besten zeitnah.“