Als Gärtner Geert Neyrinck im vergangenen Winter die Idee hatte und im März den ersten Aufruf tätigte, hatte er diese Resonanz kaum erwarten können. Für 40 neue Hobbygärtner hatte der Ruheständler mit seinem Team in Rengoldshausen kleine Parzellen mit rund 40 Quadratmeter zur Anlage eines Sommergartens abgemessen, wo die Gartenfreunde säen und pflanzen, pflegen und ernten sollten. Schließlich meldeten sich mehr als 60 interessierte Frauen und Männer, die sich hier in der Kunst des Kultivierens von Gemüse und Salaten erproben wollten – für 200 Euro saisonaler Pacht.

Ist hell begeistert von der Idee und deckt mit seiner Famiie schon seit April den ganzen Salatbedarf: Philipp Kesenheimer.
Ist hell begeistert von der Idee und deckt mit seiner Famiie schon seit April den ganzen Salatbedarf: Philipp Kesenheimer. | Bild: Hanspeter Walter
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Mehr Interessenten als Fläche

„Wir haben schließlich 66 Parzellen angelegt und vermietet“, sagt Geert Neyrinck, der sich regelrecht überwältigt zeigt von der Begeisterung. „Wir hätten am Ende sogar noch mehr Interessenten gehabt“, erinnert er sich. Doch die zur Verfügung stehende Fläche hatte ihre Grenzen. Auch das Saatgut und die Setzlinge, die im Frühjahr und später immer wieder neu ausgebracht wurden, stammen vom Hofgut. Die Hälfte jeder Parzelle war von Neyrincks Team schon vorgepflanzt – aus Zeitgründen und zur Motivation der neuen Gärtnerinnen und Gärtner.

Von Amaranth bis Zuckermais

Auf den sorgfältig durchnummerierten Gärtchen sprießen Ende August Zucchini- und Kürbispflanzen, ein riesiger Blumenkohlkopf harrt der Ernte. Gesäumt sind die Parzellen von Zuckermais, die schon große Kolben tragen, kräftige Farbtupfer steuern die lila Pflanzen des Amaranth bei, der wegen seiner „Powerkörner“ für das Müsli inzwischen Karriere gemacht hat. Doch auch sonst freut sich das Auge über Sonnenblumen gegen den blauen Himmel, und kleine Blütenkissen am Rande der Gärten, die gerne von Insekten heimgesucht werden.

Bild: Hanspeter Walter

Zu den Hobbygärtnern gehört auch Walter Schumann, der mit Fahrrad und Gemüsekiste auf dem Gepäckständer kurz zur Ernte kurz vorbeikommt. „Die Kartoffeln habe ich schon geerntet“, erklärt er die abgeräumte Fläche am Rand seiner Parzelle. Doch dahinter sprießen Lauch, Mangold und vieles mehr. Drei, vier rasche Schnitte, die Kiste auf dem Fahrrad füllt sich und das leckere Abendessen mit frischem Gemüse aus eigenem Anbau ist gesichert. „Ich finde diese Idee prima“, sagt Schumacher.

Das Wachsen und Gedeihen verfolgen können

„Es lohnt sich wirklich und macht Spaß“, erklärt auch der Überlinger Philipp Kesenheimer, der mit Frau und Tochter regelmäßig auf dem Grundstück war. „Seit Ende April haben wir ständig frischen Salat holen können. Wenn wir einen Kopf geerntet haben, konnten wir gleich wieder einen Setzling nachpflanzen.“ Nicht nur für die stete Bereitstellung neuer Pflanzen sorgte Geert Neyrinck. „Er war häufig auf dem Gelände und hat uns auch immer wieder gute Tipps gegeben“, erklärt Kesenheimer: „Regelmäßig hat er einen Newsletter mit aktuellen Themen an alle geschickt, das war toll und sehr hilfreich.“ Der Familienvater freut sich, mit seiner Tochter das Wachsen und Gedeihen verfolgen zu können. „Das hat für mich auch einen enormen pädagogischen Wert“, sagt er.

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Die unterschiedliche Pflegeintensität ist den Parzellen anzusehen. In manchen Gärten wachsen die Zucchini zu ungeahnter Größe heran, mitten drin als leuchtend orangene Punkte die kleinen Kürbisse, die noch weiter wachsen dürfen. Der organische gepflegte Boden scheint sehr fruchtbar und ertragreich zu sein, ist von verschiedenen Nutzern zu hören. Doch ohne die nötige Feuchtigkeit wächst auch hier nichts. Die weißen Wassercontainer, von denen sich Schläuche zu den bepflanzten Gärten schlängeln, waren insbesondere während der lang anhaltenden Trockenperioden überlebenswichtig für die Ernte. Diese aufwendige Infrastruktur hat das Team von Ideengeber Geert Neyrinck bereit gestellt, schließlich verfügt das Hofgut für seinen eigenen Gemüseanbau über langjährige Erfahrung.

Sonnen-und andere Blumen säumen die Parzellen und dürfen gegen eine Spende an die Landbauschule auch geschnitten werden.
Sonnen-und andere Blumen säumen die Parzellen und dürfen gegen eine Spende an die Landbauschule auch geschnitten werden. | Bild: Hanspeter Walter

Anfang November werden die Parzellen abgeräumt zurückgegeben

Sommergarten heißt das Konzept nicht von ungefähr. Denn die Mieter der Parzellen haben sich verpflichtet, ihren Kleingarten bis zum Anfang November wieder abgeräumt zurückzugeben. Doch zur Grünkompostierung nebenan ist es kein weiter Weg. Mit so viel flankierender Unterstützung scheint das Gärtnern auch Anfängern viel Freude zu bereiten.

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