Noch muss sich die Evangelischen Kirchengemeinde in der Auferstehungskirche mit einer zwar stattlichen, aber den Raum nicht ausfüllenden ehemaligen Hausorgel aushelfen. Schon kurz vor dem Jahreswechsel war hier der Vertrag mit dem Orgelbauer unterzeichnet worden. Im Bild von rechts Kantor Thomas Rink, Pfarrer Kai P. Tilgner, Orgelbauer Peter Kraul und Volker Bergmann, Vorsitzender des Kirchengemeinderates.
Noch muss sich die Evangelischen Kirchengemeinde in der Auferstehungskirche mit einer zwar stattlichen, aber den Raum nicht ausfüllenden ehemaligen Hausorgel aushelfen. Schon kurz vor dem Jahreswechsel war hier der Vertrag mit dem Orgelbauer unterzeichnet worden. Im Bild von rechts Kantor Thomas Rink, Pfarrer Kai P. Tilgner, Orgelbauer Peter Kraul und Volker Bergmann, Vorsitzender des Kirchengemeinderates. | Bild: Hanspeter Walter

Zum „Vogel des Jahres 2021“ ist bei der ersten öffentlichen Kür jetzt das kleine Rotkehlchen mit seiner kräftigen Stimme gewählt worden. Noch deutlich gewaltiger und raumfüllender ist der Klang einer Orgel. Der kirchenmusikalische Klangkörper ist als „Instrument des Jahres 2021“ quasi ein anderer Sieger, der von den Landesmusikräten der Republik gewählt wurde. Spät kam sie, die Wahl der „Königin der Instrumente“ bei dem erst seit 2008 stattfindenden harmonischen Wettstreit, doch sie kam.

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Geradezu passend ist der Zeitpunkt sogar für die Evangelische Kirchengemeinde Überlingen und ihren Bezirkskantor Thomas Rink. Er hat mit viel Engagement die Anpassung und Erweiterung eines wertvollen Münsteraner Instruments für die neue Auferstehungskirche vorangetrieben. Vor kurzem hat Orgelbauer Peter Kraul in Herdwangen-Schwende die Arbeit aufgenommen. Für die harmonische Feinabstimmung konnte Rink den Spezialisten Kilian Gottwald aus dem hessischen Amöneburg bei Marburg mit ins Boot holen.

Kostenfaktor der Orgel: 450.000 Euro

Noch kurz vor dem Jahreswechsel hatten Pfarrer Kai P. Tilgner und Volker Bergmann, Vorsitzender des Kirchengemeinderats, den Vertrag mit dem Orgelbauer unterzeichnet. Gleichzeitig konnte Kantor Thomas Rink schon einen symbolischen Scheck über 111 000 Euro als Spende des Freundeskreises der Bezirkskantorei übergeben, zu der auch einige Mäzene beigetragen hatten. Dieses Signal beflügelte neben einem großen Zuschuss der Landeskirche, für das rund 450 000 Euro teure Projekt grünes Licht zu geben. Im Verlauf des kommenden Jahres soll das neue Instrument die vor drei Jahren sanierte Auferstehungskirche nach deren optischer Renaissance auch musikalisch komplettieren.

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Gehäuse wird aufwendig saniert

Anfang Februar waren die Verantwortlichen aus Überlingen und von der Landeskirche in Karlsruhe zusammengekommen, um die Abstimmung der Gehäusefarben festzulegen. Auf dieser Grundlage kann Orgelbauer Kraul das vorhandene Gehäuse aufwendig sanieren. Viele Arbeitsschritte sind dazu erforderlich: Fehlstellen müssen zunächst ergänzt werden, um die Hölzer anschließend innen zu lasieren und ölen und außen zu streichen. „So entsteht eine edle Oberfläche, deren Krönung die feinen erneuerten und vergoldeten Profile sein werden“, freut sich Kantor Thomas Rink schon jetzt. Parallel dazu werde im Konstruktionsbüro geplant und gezeichnet. Ein neuer Spieltisch mit drei Klaviaturen – die Orgel hatte bislang nur zwei Manuale – entsteht erst auf dem Papier, dann seien die neuen Registerzüge mitsamt der ganzen dazu gehörigen Mechanik einzuplanen.

Seit das ehemalige Instrument schon vor einigen Jahre vor dem Umbau der Kirche zerlegt und nach Ungarn verkauft worden war, konnten die Kirchenmusiker auf das Vermächtnis einer hochwertigen Hausorgel zurückgreifen, die allerdings optisch und klanglich den neuen Raum nicht ganz ausfüllen kann. Von ihr soll künftig die Owinger Gemeinde in der dortigen, deutlich kleineren Johanneskirche profitieren. „Wir finden das toll“, sagt Pfarrer Michael Schauber, „und freuen uns schon richtig darauf.“

Aufgrund der Pandemie sind keine Benefizkonzerte möglich

Ein ungewohnter Anblick: Nur so sind derzeit musikalisch-liturgische Angebote in der Auferstehungskirche möglich. Mit viel Abstand und Abtrennungen aus Plexiglas.
Ein ungewohnter Anblick: Nur so sind derzeit musikalisch-liturgische Angebote in der Auferstehungskirche möglich. Mit viel Abstand und Abtrennungen aus Plexiglas. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Gern würde Kantor Thomas Rink schon jetzt viele Kirchenmusikfreunde mit größeren Konzerten beglücken, um auch für das neu entstehende Instrument die Werbetrommel zu rühren. „Doch Corona macht auch alle Benefizveranstaltungen zunichte“, fühlt sich der rührige Rink hier massiv ausgebremst. „Wir haben derzeit noch eine Finanzierungslücke von rund 70 000 Euro.“ Er würde liebend gern Aktionen zu deren Deckung auf die Beine stellen. Doch bei den musikalischen Vespern, die Thomas Rink zuletzt unter Pandemie-Bedingungen in zweiwöchigem Rhythmus angeboten hatte, finden allenfalls zwei Dutzend Zuhörer Platz. Noch ausgedünnter sind derzeit notgedrungen auch die kleinen Ensembles.