Stimmengewirr, Fußgetrampel und Kinderlachen, das sind die Geräusche, die normalerweise morgens durch seine Schule hallen. Derzeit jedoch wird Wolfgang Panzner, Rektor der Überlinger Burgbergschule, von einer wie er sagt „gespenstischen Stille“ empfangen, wenn er die Burgbergschule in Überlingen betritt. Der reguläre Schulbetrieb ist wegen der Corona-Pandemie bis vorerst einschließlich 19. April eingestellt worden. „Ich leite hier quasi eine virtuelle Schule und bin mit Schülern und Kollegen vor allem per Email und Telefon in Kontakt“, sagt Wolfgang Panzner.

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Lediglich vier Schüler und zwei Kollegen halten sich im Rahmen der Notbetreuung am Vormittag mit ihm im Gebäude auf. Diese Betreuung wurde für solche Eltern eingerichtet, die in so genannten systemrelevanten Berufen tätig sind. Damit sie ihrer Arbeit im Supermarkt, im Krankenhaus oder in der Apotheke nachgehen können, dürfen sie ihre Kinder weiterhin in Kindergärten und Schulen bringen – und zwar auch während der Osterferien. Das hat das Kultusministerium Baden-Württemberg am 26. März entschieden, um hier keine Betreuungslücke aufkommen zu lassen.

Wolfgang Panzner, Rektor der Überlinger Burgbergschule: „Ich leite hier quasi eine virtuelle Schule und bin mit Schülern und Kollegen vor allem per Email und Telefon in Kontakt.“
Wolfgang Panzner, Rektor der Überlinger Burgbergschule: „Ich leite hier quasi eine virtuelle Schule und bin mit Schülern und Kollegen vor allem per Email und Telefon in Kontakt.“ | Bild: Nosswitz, Stefanie

„Ich bin gerade dabei, den Bedarf für die Ferienzeit abzufragen“, sagt Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule Überlingen. Auch an der Gemeinschaftsschule lassen sich die Kinder, welche die Notbetreuung in Anspruch nehmen, an einer Hand abzählen. „Angemeldet sind derzeit vier Schüler, zwei davon sind jedoch noch krank“, sagt Jürgen Mattmann. Er vermutet, dass viele Familien bei der Betreuung auf Nachbarschaftshilfe setzen.

Jürgen Mattmann, Schulleiter an der Gemeinschaftsschule: „Ich bin gerade dabei, den Bedarf für die Ferienzeit abzufragen.“
Jürgen Mattmann, Schulleiter an der Gemeinschaftsschule: „Ich bin gerade dabei, den Bedarf für die Ferienzeit abzufragen.“ | Bild: Timm Lechler

„Aber auch für die Schüler, die zu Hause lernen, sind wir täglich als Ansprechpartner da“, sagt Rektor Jürgen Mattmann. Die Schüler und Eltern könnten E-Mails schicken, insbesondere die Klassenlehrer würden auch regelmäßig bei den Familien zu Hause anrufen. „Die Klassen 9 und 10 treffen sich auch täglich für mindestens eine Stunde im Computerchat, um gemeinsam Probleme zu besprechen“, sagt Jürgen Mattmann. Das funktioniere alles ziemlich gut. Trotzdem wünscht er sich nichts sehnlicher, als bald wieder zur Normalität zurückzukehren. „Eine Schule lebt einfach vom persönlichen Austausch. Es ist hier kurios langweilig, wenn keine Schüler da sind“, sagt Jürgen Mattmann.

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Von der Normalität ist auch das Kinderhaus St. Nikolaus in Owingen weit entfernt. Auch hier läuft nur noch ein Notbetrieb. Bereits an der Eingangstür heißt es hier für die Eltern derzeit „Stopp“, sie dürfen das Gebäude nicht betreten. Die Erzieherinnen nehmen ihnen die Kinder ab und gehen erst einmal zum Händewaschen. „Wir machen alles dafür, dass wir uns hier mit nichts anstecken und die Notbetreuung aufrechterhalten können“, sagt Angela Garber, stellvertretende Leiterin des Kinderhauses. Das sei insbesondere bei den kleinen Kindern eine große Herausforderung. „Man kann sie unmöglich mit zwei Metern Distanz umziehen, wickeln oder gar trösten“, sagt Erzieherin Angela Garber.

Auch die Kinder spüren die besondere Situation

Auch sonst arbeiten sie und ihre Kolleginnen gerade im Ausnahmezustand: Sie betreuen elf Kinder aus Krippe, Kindergarten und – im Rahmen der nachmittäglichen Hortbetreuung – Grundschule gemeinsam, wobei nie alle Kinder jeden Tag da sind. „Das ist schon eine ungewohnt große Altersspanne und ein Anderthalbjähriger hat einfach einen anderen Essens- und Schlafrhythmus als ein Grundschulkind“, sagt Angela Garber. Auch die Kinder spüren die Sondersituation. „Ihnen fehlen ihre vertrauten Spielfreunde und so gibt es derzeit sicher auch mal Tage, an denen sie nicht so gern kommen, wie sonst“, sagt Angelika Hofmann, Leiterin des Sommertal Kindergartens in Meersburg. Darauf versucht sie zusammen mit ihren Kolleginnen dann besonders einzugehen. Denn Zeit dazu, die haben sie jetzt wenigstens.

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Statt normalerweise 50 Krippen- und 160 Kindergartenkindern werden hier nun ein Krippenkind und drei Kindergartenkinder betreut. „Die Kinder genießen es durchaus auch mal, wenn sie die Erzieherin nicht mit so vielen anderen teilen müssen“, sagt Angelika Hofmann. Trotzdem fiebert sie schon dem Tag entgegen, an dem alle Kinder wieder in den Kindergarten kommen können. „Dann ist es manchmal zwar auch zu laut und ausgelassen. Aber das ist alles besser als diese Stille.“