Es ist keine einfache Aufgabe. Doch die Juroren für die jährliche Gemeinschaftsausstellung des Internationalen Bodenseeclubs (IBC) gehen sie sehr gewissenhaft an. Denn die fachkundige Beurteilung zur Auswahl der Exponate garantiert die künstlerische Qualität der gezeigten Werke und sichert der Künstlervereinigung den eigenen hohen Anspruch. Allein die Zahl der eingereichten Arbeiten machte dies am Dienstag zu einer Mammutaufgabe für das dreiköpfige Gremium, dem Heike Frommer (Friedrichshafen), Hubert Kaltenmark (Tettnang) und Herbert Stehle (Heiligenberg) angehörten.

Ausstellungsbesuch unter 2G und Maskenpflicht

„Der Andrang war größer denn je“, sagt Joanna Klakla, Leiterin der Sektion Bildende Kunst im IBC: „Man spürte regelrecht, dass die Künstlerinnen und Künstler ihr Publikum suchen.“ Doch noch während Klakla dies schildert, meldet Vorsitzender Wolfgang Braungardt, dass die für kommenden Freitag vorgesehene Vernissage nach Mitteilung der Stadt nicht stattfinden könne, die Ausstellung selbst allerdings ab Samstag unter den aktuellen Hygienerichtlinien (2G und Maske) geöffnet werden dürfe. Was in einer vergleichbaren Situation vor Jahresfrist ähnlich war. Allerdings konnte die Bilderschau damals erst im März für kurze Zeit gezeigt werden.

50 Mitglieder reichen 150 Bilder und Skulpturen ein

Kein Wunder, dass Künstlerinnen und Künstler mit den Hufen scharren und ans Licht wollen. „Rund 50 Mitglieder haben mehr als 150 Bilder und Skulpturen eingereicht“, umreißt Joanna Klakla die herausfordernde Aufgabe für die Jury, für die ihre Aufgabe zugleich immer eine Gratwanderung ist. Denn neben objektivierbaren Kriterien spielt bei der Beurteilung stets auch der subjektive Eindruck eine Rolle. „Doch selbst wenn wir wollten, könnten wir gar nicht alles ausstellen“, beschreibt Heike Frommer das Dilemma des Trios, das jede Arbeit gemeinsam bespricht – zum Teil mehrfach in zwei Durchgängen. Und alles unter „2Gplus“-Bedingungen nach einem vorausgegangenen negativen Corona-Test.

Im ganzen Raum verteilt harren die neuen Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler einer Einschätzung durch die Juroren.
Im ganzen Raum verteilt harren die neuen Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler einer Einschätzung durch die Juroren. | Bild: Hanspeter Walter

Welche Kriterien legen die Juroren bei der Auswahl an?

Natürlich fällt es bisweilen schwer, die eine oder andere Arbeit „auszusortieren“ und nicht zur Ausstellung zuzulassen. Mit konkreten Bewertungen bestimmter Bilder wollen sich die Expertinnen und Experten daher auch nicht zitieren lassen. Doch worauf kommt es den Juroren an? Welche Kriterien legen sie an? „Wird der beabsichtigte Inhalt auch transportiert“, ist eine Frage, die sich Heike Frommer stellt. „Und wie ist die Umsetzung gelungen?“ Bisweilen macht die ästhetische Wirkung eines Werks schon seine Qualität aus. „Auch die Form kann einen Inhalt vermitteln“, erklärt Herbert Stehle. Als zusätzliches Entscheidungskriterium kommt hinzu, wie man die Arbeiten aufhängen beziehungsweise platzieren kann. Was passt optisch zusammen? Was ergänzt sich sogar gut?

„Wie wurde der Inhalt einer Arbeit umgesetzt?“ Eine Frage, die sich Heike Frommer, Leiterin der Galerie des Bodenseekreises, bei der Einschätzung eines Werkes stellt.
„Wie wurde der Inhalt einer Arbeit umgesetzt?“ Eine Frage, die sich Heike Frommer, Leiterin der Galerie des Bodenseekreises, bei der Einschätzung eines Werkes stellt. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Urteil kann sich bei längerer Betrachtung verändern

Oft bleibt es nicht beim ersten Eindruck und das Urteil verändert sich bei längerer Betrachtung. Bisweilen rätseln die Juroren sogar über die Entstehung der Arbeit. „Das sind Fotografien – oder?“ ist sich Hubert Kaltenmark beim ersten Betrachten noch nicht ganz sicher. Daneben stehen facettenreiche großformatige Zeichnungen, die auf den ersten Blick wie ein Aquarell wirken. Viele Mitglieder haben vier, fünf Bilder eingereicht, von denen die Jury die aus ihrer Sicht gelungensten auswählt.

„Auch die Form kann einen Inhalt transportieren“: Herbert Stehle aus Heiligenberg gehört zu den fachkundigen Juroren.
„Auch die Form kann einen Inhalt transportieren“: Herbert Stehle aus Heiligenberg gehört zu den fachkundigen Juroren. | Bild: Hanspeter Walter

Klakla: „Schon wieder viele neue Gesichter im IBC“

„Wir haben schon wieder viele neue Gesichter im IBC“, freut sich Joanna Klakla über den Zustrom und das Interesse an der Vereinigung. Schon hier wird quasi eine Qualitätsprüfung vorgenommen und ein internes Gremium entscheidet, ob Mitglieder auch eine Ausstellungsberechtigung erhalten. Wobei die Künstlerinnen und Künstler einen ganz unterschiedlichen Hintergrund haben. Manche haben akademische Weihen, andere sind talentierte Autodidakten. Nicht immer sieht man es den einzelnen Werken an. Was man an den noch im Raum nahtlos aufgereihten Arbeiten allerdings schon ablesen konnte: Es verspricht eine spannende Ausstellung mit ganz verschiedenen Genres, Themen und Formaten zu werden. Die allerdings – anders als geplant – erst am Samstag Einlass gewährt.

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