Da waren sie wieder die erschreckenden Bilder von Fahrzeugen und Geräten, die dieses Mal in Brasilien ganze Straßenzüge mit Desinfektionsmitteln nahezu überschwemmten. Ähnliches sah man vor Wochen auch schon aus China. In Wuhan waren teilweise Schneekanonen im Einsatz, die die Fahrbahnen damit fluteten. Eine wesentlich schonendere Alternative, um chemische oder biologische Wirkstoffe flächendeckend auszubringen bieten die Produkte der Überlinger Firma Pulsfog, die derzeit mehr denn je Hochkonjunktur haben. Bei der Moskito/Malaria-Bekämpfung in Afrika kommen die Geräte schon seit Jahrzehnten ebenso zum Einsatz wie beim Pflanzenschutz in großen Gewächshäusern. Doch in der Corona-Krise haben Kommunen und Unternehmen die Geräte für die Desinfektion entdeckt. Erst 2018 hatte der Betrieb im Gewerbegebiet Oberried sein 50-jähriges Bestehen feiern können.

„Unsere Geräte sind für die Desinfektion derzeit gefragter denn je.“ Mathias Stahl leitet die Überlinger Firma bereits in der dritten Generation.
„Unsere Geräte sind für die Desinfektion derzeit gefragter denn je.“ Mathias Stahl leitet die Überlinger Firma bereits in der dritten Generation. | Bild: Pulsfog

„Wir sind über viele Monate hinaus mit Aufträgen völlig ausgebucht“, sagt Geschäftsführer Mathias Stahl, der das Unternehmen nun schon in der dritten Generation leitet. „Seit der Corona Krise sind wir quasi überflutet von Bestellungen aus aller Welt und wir arbeiten auf Hochtouren“, berichtet Stahl: „Zum Beispiel haben wir unter anderem auch Geräte nach Japan versandt, wo sie bestimmt auf dem großen Kreuzfahrtschiff, das in Quarantäne war, zum Einsatz kamen.“ Rund um den Globus war der Name Pulsfog bislang weit verbreiteter als in Deutschland. Mit Corona hat sich das etwas geändert. „Auch die öffentlichen Verkehrsmittel setzten zum Beispiel unsere Geräte ein, um Züge und Bahnen zu desinfizieren“, erklärt der Geschäftsführer. Betreiber von Krankenhäusern und Altenheimen fragten nach den Geräten.

Wichtige Adresse in der Branche

Ohne öffentliches Aufsehen in der Region und weitgehend unbemerkt hat sich die Firma in mehr als 50 Jahren zu einer wichtigen Adresse in der Branche entwickelt. Mit ihren rund 25 Mitarbeitern erwirtschaftete sie im Vorjahr einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro. Der Exportanteil beträgt rund 95 Prozent. Die Produktion der Geräte findet unter anderem in Überlingen statt, Vertriebspartner gibt es weltweit, eine Tochterfirma unter anderem in Brasilien sowie in Frankreich.

2018 wurde 50-jähriges Bestehen gefeiert

Mit einem Graffito macht Pulsfog an der Firmenfassade an der Weierhalde auf sich aufmerksam.
Mit einem Graffito macht Pulsfog an der Firmenfassade an der Weierhalde auf sich aufmerksam. | Bild: Hanspeter Walter

Erst seit der Öffnung der neuen Straße „Zur Weierhalde“ am neuen Burgbergknoten fällt das Firmengelände von Pulsfog mehr Autofahrern ins Auge. Unter anderem durch das auffällige Graffity, das der Spraykünstler Graf von Itty 2018 zum 50-jährigen Bestehen der Firma angebracht hat. Ein Jeep unter Palmen, der die Umgebung geradezu einnebelt. Auch wenn das Motiv etwas Bedrohliches ausstrahlen mag, gerade der Nebel mit seinen ganz winzigen Tröpfchen ist es, der hier Hilfe verheißt – gegen die Tröpfchen mit Corona-Viren. Nebel kriecht in alle Ritzen, sagt man bisweilen. Diese Beobachtung macht sich die Überlinger Firma bei den Aerosolen zunutze, die sie mit ihren Geräten und der speziellen Technik produziert.

Weniger Verunreinigungen bei Einsatz der Mittel

Die Beschaffenheit des Mikrotröpfchens habe zwei entscheidende Effekte, die gleichermaßen wichtig seien, betont Mathias Stahl. Zum einen erreiche man damit bei richtiger Anwendung jede auch noch so kleine Nische, zum anderen benötige man besonders wenig von dem Desinfektionsmittel. Bei Insektiziden in Afrika oder bei Pflanzenschutzmittels habe dies im Freiland sowie in Gewächshäusern den großen Vorteil, dass die Oberfläche behandelt werden könne, aber nur sehr wenig in Böden eindringe.

Der Verbrauch an Chemikalien bei manchen anderen Methoden sei teilweise riesig, erklärt Geschäftsführer Mathias Stahl. Teilweise sammle sich die Flüssigkeit in Pfützen an und entfalte so nur wenig bis keine Wirkung. Ein großes Problem sei darüber hinaus, dass das Desinfektionsmittel möglicherweise in größeren Mengen in die Kanalisation und in das Grundwasser eindringen und so ernsthafte Umweltschäden verursachen könne. Mit der Nebelmethode werden diese Risiken minimiert.

Einsatz in Gewächshäusern, Ställen sowie Obst- und Weinbau

Mit den Geräten der Überlinger Firma werden inzwischen nicht nur in riesigen Gewächshäusern von USA bis Asien chemische oder biologische Pflanzenschutzmittel ausgebracht. „Spinnmilben werden hier von den Nebeltröpfchen richtig umringt“, sagt Mathias Stahl. Die regelmäßig vorgeschriebene Desinfektion von Tierställen könne mit den Geräten unter geringem Aufwand und Mitteleinsatz vorgenommen werden. „Mit den Mikrotröpfchen des Nebels erreicht man alle Ritzen.“ Ein weiterer Anwendungsbereich ist auch der Frostschutz bei Obstplantagen und Weinbergen. „Wenn man dort über den Bäumen oder Reben zum richtigen Zeitpunkt eine feuchte Nebelschicht erzeugt, wirkt diese als Isolation und schützt die Pflanzen und den Untergrund vor weiterer Wärmeabstrahlung.“

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