Sport-Vereine sind normalerweise klassische Zulauf-Vereine, die sich um Nachwuchs wenig Gedanken machen müssen. Doch woher sollen neue Mitglieder kommen, wenn kein Sport vor Ort angeboten wird? Und halten die alten Mitglieder ihrem Verein die Treue? Roland Ruf vom Turnverein Überlingen kann noch nicht abschätzen, wie viele Kinder bei der Stange geblieben sind: „Die Kündigungen waren nicht mehr als sonst, doch die Zahl der Neuanmeldungen lag wegen des ausbleibenden Sportangebots bei null“, sagt der Vorsitzende.

Siegbert und Roland Ruf in der Geräteturnhalle im Sportzentrum. Neuanmeldungen gab es beim Turnverein Überlingen aufgrund des fehlenden Sportangebots nicht.
Siegbert und Roland Ruf in der Geräteturnhalle im Sportzentrum. Neuanmeldungen gab es beim Turnverein Überlingen aufgrund des fehlenden Sportangebots nicht. | Bild: Stefan HIlser, Archivbild

TV Überlingen setzte auf Online-Training

Trainiert wurde dennoch weiterhin. Zwar hat der gesamte Ligabetrieb nicht stattgefunden, doch der Verein etablierte in vielen Abteilungen ein Online-Angebot – „im Leistungsbereich Turnen sogar bis zu dreimal in der Woche“, berichtet Ruf. Mittels Videokonferenzen trafen sich Kursleiter und Teilnehmer zu Krafttraining, Dehnung und Gymnastik. Da die Motivation der Kinder und Jugendlichen während der langen Schließzeit verständlicherweise abgenommen hatte, ist Roland Ruf froh, dass wieder in den Sportstätten trainiert werden kann, wenn auch zunächst mit reduzierter Teilnehmerzahl und Hygienekonzept. „Wir haben den kompletten Betrieb wieder aufgenommen“, berichtet er erfreut. Ob die jungen Turnerinnen und Turner nach den Sommerferien wieder an Wettkämpfen teilnehmen können, bleibt jedoch abzuwarten.

„Wir haben den kompletten Betrieb wieder aufgenommen.“
Roland Ruf, TV Überlingen

Evangelische Jugend bleibt am Ball

Auch für die Evangelische Jugend in Überlingen und der Region war das Internet ein wichtiges Instrument, um miteinander in Kontakt zu bleiben. „Zu Beginn der Pandemie mussten die Gemeinden und wir als Bezirksjugend einige Angebote absagen. Je länger die Pandemie dauerte, desto mehr Angebote haben wir digital durchgeführt“, sagt Julia Schnurr. Sie ist Bezirksjugendreferentin im Kirchenbezirk Überlingen-Stockach und berichtet von der Jugendleiterausbildung, dem Konfirmandenunterricht und dem Bezirks-Konfi-Tag, die alle online stattfinden konnten. Positiv bewertet Schnurr, dass im Zuge dessen auf Wunsch der Jugendlichen ein digitaler Jugendkreis gebildet wurde: „In Präsenz würde sich dieser Kreis niemals treffen, da sich der Bezirk von Immenstaad bis Stetten a.k.M. und bis Steißlingen zieht“, macht sie aus der Not eine Tugend.

Julia Schnurr ist Bezirksjugendreferentin im Kirchenbezirk Überlingen-Stockach: „Je länger die Pandemie dauerte, desto mehr Angebote haben wir digital durchgeführt“, berichtet sie.
Julia Schnurr ist Bezirksjugendreferentin im Kirchenbezirk Überlingen-Stockach: „Je länger die Pandemie dauerte, desto mehr Angebote haben wir digital durchgeführt“, berichtet sie. | Bild: Evangelische Jugend Überlingen-Stockach
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Nachwuchsgewinnung ist stets ein Thema

Dennoch hofft die Bezirksjugendreferentin, dass die Kinder und Jugendlichen weiterhin aktiv bleiben, wenn sich die Gruppen wieder treffen dürfen. Zumindest für die Freizeiten, die für die Sommerferien geplant sind, hätten sich genügend Ehrenamtliche gefunden. Nachwuchsgewinnung ist aber auch außerhalb der Pandemie stets ein Thema. Viele beginnen ihr Engagement mit 14 Jahren nach der Konfirmation, doch meist nur für eine begrenzte Zeit: „Wenn die Jugendlichen mit der Schule fertig sind, endet oft auch das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde“, bedauert Schnurr. Nun werde aber abgewartet, wer wieder komme und wie jeder in den Gruppen seinen Platz finden könne. „Gemeinsame Aufgaben oder Aktionen helfen sicher dabei“, meint die Bezirksjugendreferentin zuversichtlich.

„Wenn die Jugendlichen mit der Schule fertig sind, endet oft auch das ehrenamtliche Engagement in der Gemeinde.“
Julia Schnurr, Bezirksjugendreferentin

DRK Salemertal: Auswirkung der Pause noch offen

Wie sich die coronabedingte Pause auf die Jugendarbeit des Ortsvereins Salemertal des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auswirkt, müsse noch abgewartet werden, sagt Bereitschaftsleiter Christian Knapp. Wie andere Vereine konnte die Hilfsorganisation in den vergangenen Monaten keine realen Gruppentreffen veranstalten. „Die Kinder und Jugendlichen blieben über verschiedene Messenger-Gruppen mit den Betreuern in Kontakt und es wurden Spiele und Aufgaben in den Gruppen geteilt“, schildert Knapp den Ausweg, den der Ortsverein gefunden hat.

Christian Knapp, Bereitschaftsleiter des DRK Salemertal und stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter, in der Corona-Teststation in Frickingen. Er sagt, die Kinder und Jugendlichen blieben über Messengerdienste in Kontakt.
Christian Knapp, Bereitschaftsleiter des DRK Salemertal und stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter, in der Corona-Teststation in Frickingen. Er sagt, die Kinder und Jugendlichen blieben über Messengerdienste in Kontakt. | Bild: Martina Wolters

Hoffen auf den Herbst: Kameradschaft geplant

Der Bereitschaftsleiter hofft, dass nach den Sommerferien wieder eine „sinnvolle Jugendarbeit“ stattfinden darf und die Kinder und Jugendlichen auch wieder zu den Treffen kommen. Davon hänge dann ab, ob vermehrt um Nachwuchs geworben werde – und ob es im Erwachsenenbereich in zwei, drei Jahren zu Lücken komme: „Dann wird sich zeigen, ob der Umstieg vom Jugendbereich zum Erwachsenenbereich vollständig klappt und ob sich die Jugendlichen weiterhin die Zeit nehmen für das DRK“, so Knapp. Helfen sollen kameradschaftliche Veranstaltungen im Herbst, „um auch im zwischenmenschlichen Bereich wieder zusammenzufinden“.

Musikverein Weildorf: Kontakt zu den Kindern gehalten

Das Gemeinschaftsgefühl ist auch für den Musikverein Weildorf eine wichtige Säule der Jugendarbeit. Neben dem gemeinsamen Musizieren finden für die Jungmitglieder regelmäßig Freizeitaktivitäten statt, doch pandemiebedingt musste das Meiste entfallen: „Wie bei jedem Verein waren die letzten 15 Monate schwierig“, sagt Florian Harnau, der Vereinsvorsitzende. Der Musikschulunterricht für die Kinder und Jugendlichen fand online statt, die Proben der Jugendkapelle „High Five“ mit Nachwuchsmusikern der vier Salemer Musikvereine sowie der Musikschule mussten entfallen. Daher betont Harnau: „Uns war es wichtig, mit den Kindern in Kontakt zu bleiben.“

Florian Harnau (links) und Patrick Huber liegt die Jugendarbeit am Herzen. „Uns war es wichtig, mit den Kindern in Kontakt zu bleiben“, sagt Harnau, Vorsitzender des Musikvereins Weildorf.
Florian Harnau (links) und Patrick Huber liegt die Jugendarbeit am Herzen. „Uns war es wichtig, mit den Kindern in Kontakt zu bleiben“, sagt Harnau, Vorsitzender des Musikvereins Weildorf. | Bild: Altmann, Miriam (Extern)

Proben unter freiem Himmel sind möglich

Laut Patrick Huber war das erfolgreich: „Es hat während Corona keiner aufgehört“, vermeldet der Jugendwart des Vereins. Als im Sommer des Vorjahres wieder Treffen mit zwanzig Personen möglich waren, sei im Garten gegrillt und geprobt worden, berichtet er. An Weihnachten und Ostern bekam jedes Jungmitglied eine kleine Überraschung und im Juni kam die Genehmigung für Proben unter freiem Himmel, auch die Jugendkapelle probt wieder. „Es ist ein ganz gutes Gefühl, dass wir wieder starten können“, sagt Florian Harnau erleichtert.

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