Ein 31-jähriger Mann ist am Amtsgericht Überlingen wegen gefährlicher Körperverletzung und vorsätzlichem unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu 100 Arbeitsstunden verurteilt worden. Bei dem Angeklagten handelte es sich um einen Asylbewerber aus Gambia.

Mit Plexiglas-Scheibe: Der Blick vom Platz eines Angeklagen (links) und seines Verteidigers (rechts) auf den Saal und das Hohe Gericht.
Mit Plexiglas-Scheibe: Der Blick vom Platz eines Angeklagen (links) und seines Verteidigers (rechts) auf den Saal und das Hohe Gericht. | Bild: Cian Hartung

Laut dem Urteil des Amtsgerichts hat der Angeklagte Anfang April einen Mann aus Nigeria in der Küche der Gemeinschaftsunterkunft in Markdorf mit einem Küchenmesser verletzt. Dabei kam es zu oberflächlichen Schnittverletzungen am Arm und am Bauch. Anschließend floh der Angeklagte mit der Tatwaffe. Der Verletzte verfolgte diesen mit einem Messer und verließ dabei die Unterkunft. Dort wurde er von einer Passantin gesehen, die daraufhin die Polizei rief.

Nationenstreit mit blutigen Folgen

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe vor dem Amtsgericht und behauptete, der geschädigte Nigerianer habe sich selbst verletzt, um ihn als Gambianer aus der Unterkunft auszugrenzen. Zuvor hatte der Angeklagte selbst in der Einrichtung gewohnt, bevor er jedoch in eine Gemeinschaftsunterkunft in Überlingen gezogen war.

Im Saal 108 des Amtsgerichts Überlingen finden in der Regel die Strafrechtsfälle statt. Auf diesem Stuhl sitzen die Zeugen während sie vor Gericht aussagen.
Im Saal 108 des Amtsgerichts Überlingen finden in der Regel die Strafrechtsfälle statt. Auf diesem Stuhl sitzen die Zeugen während sie vor Gericht aussagen. | Bild: Cian Hartung

Laut Aussage eines Polizeibeamten, der damals im Einsatz war, fand man vor dem Zimmer des Geschädigten in einer Plastiktüte eine geringe Menge Marihuana. Doch worum es genau bei dem Streit vor der Messerstecherei zwischen den beiden Männern ging, blieb auch nach der Anhörung mit Einsatz einer Dolmetscherin und mehrerer Zeugen unklar. Nach Aussage des Polizeibeamten waren zur Tatzeit mehrere Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft vor Ort, die laut eigener Angabe aber nichts vom Streit mitbekommen hatten.

Urteil wichtig für Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung des Angeklagten

Nach dieser Tat war der Angeklagte Mitte Juni von Polizeibeamten beim Verkauf von Betäubungsmitteln am Bahnhof Salem erwischt worden. Vor Gericht bestritt er diese Tat. Ein Polizeibeamter, der den Angeklagten aufgegriffen hatte, bestätigte diesen Vorfall.

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Das Urteil sei für den Angeklagten mitentscheidend für seine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, so Amtsrichter Alexander von Kennel. Der Mann war vor drei Jahren erstmals aus Deutschland abgeschoben worden war, hatte aber erneut eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland beantragt hat. Ob er nun wieder nach Italien, sein erstes europäisches Ankunftsland, zurückkehren muss, blieb vorerst offen.