Die Zersplitterung des Tourismusmarketings rund um den Bodensee und dessen Hinterland ist Experten schon seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Eine Antwort darauf ist die Echt-Bodensee-Card, die bislang zehn Kommunen am nördlichen Bodenseeufer zwischen Bodman-Ludwigshafen und Wasserburg für ihre Gäste bereithalten. Jetzt hat sich auch der Überlinger Gemeinderat mit großer Mehrheit (es gab nur zwei Enthaltungen) dafür ausgesprochen, bei der EBC mitzumachen. Sie wird ab April 2021 die bisherige Gästekarte ablösen. Nach dem bayerischen Lindau ist Überlingen damit die erste größere Stadt am nördlichen Bodenseerufer, die die EBC einführt.

Jan Zeitler, Überlinger OB, über die Vorteile der Echt-Bodensee-Card: „Wenn die kostenlose Fahrt mit dem Öffentlichen Personennahverkehr nach Lindau keine Zuckerle ist, dann weiß ich auch nicht.“
Jan Zeitler, Überlinger OB, über die Vorteile der Echt-Bodensee-Card: „Wenn die kostenlose Fahrt mit dem Öffentlichen Personennahverkehr nach Lindau keine Zuckerle ist, dann weiß ich auch nicht.“ | Bild: Hilser, Stefan

Die EBC ermöglicht Urlaubern die freie Fahrt in Bus und Bahn im gesamten Gebiet des Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbunds (bodo). Außerdem bietet sie mehr als 185 Vorteile bei Ausflugszielen und Attraktionen in der Vierländerregion Bodensee, meist einen reduzierten Eintrittspreis. Ihre Einführung wird in Überlingen eine Erhöhung der Kurtaxe mit sich bringen. Wie hoch diese ausfallen wird, entscheidet der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung. In Lindau stieg die Kurtaxe für Erwachsene von 2 Euro auf 3,30 Euro. Die Stadt mit der Statue des Bayerischen Löwen im Hafen zählt pro Jahr rund 800 000 Übernachtungen, in Überlingen sind es fast 650 000.

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Für Oberbürgermeister Jan Zeitler ist der Beitritt der „Tourismusstadt Überlingen ganz wichtig“. Ganz ähnlich äußerten sich auch die Sprecher der Gemeinderatsfraktionen in der jüngsten Ratssitztung. Der OB hofft jetzt, dass sich möglichst viele weitere Kommunen anschließen. Die Beitritts-Entscheidung Überlingens wertet der Verwaltungschef als Signal an andere Städte und Gemeinden. Ute Stegmann, die Geschäftsführerin der hinter der EBC stehenden Deutschen Bodensee Tourismus GmbH, äußerte sich in der Sitzung positiv darüber, auch Friedrichshafen als größte Stadt am schwäbischen Bodenseeufer mit ins Boot holen zu können. Außerdem liefen aussichtsreiche Gespräche mit Kressbronn und Uhldingen-Mühlhofen. Auch das sprachen einige Fraktionssprecher an. Mit Konstanz als Oberzentrum am badischen Bodenseestrand werde es aber nichts, weil die Konzilstadt nicht im Bereich des bodo-Verkehrsverbundes liegt.

Neu seit diesem Sommer: Auch Einheimische können die EBC zum Preis von sieben Euro kaufen. Allerdings darf mit dieser „EBC Home“ getauften Karte der Öffentliche Personennahverkehr nicht kostenfrei benutzt werden. Wer die Karte erwirbt, muss auch nicht zwangläufig in einer Kommune leben, die sich der EBC angeschlossen hat.

Elektronisches Meldesystem ermöglicht Teilnahme an der EBC

Schon 2015 hatte der Überlinger Gemeinderat seine Zustimmung zur EBC signalisiert. Dass bis zum Einstieg mehr als fünf Jahre verstrichen sein werden, liegt vor allem daran, dass Überlingen erst seit dem 1. Juni 2017 über ein elektronisches Meldesystem verfügt. Das wiederum ist eine grundlegende Voraussetzung, um an der EBC teilnehmen zu können. Außerdem ist eine wesentliche Forderung der Stadt Überlingen mittlerweile erfüllt, es wurde ein EBC-Beirat ins Leben gerufen. Über dieses Gremium können die Stadtverwaltung und der Gemeinderat ihren Einfluss auf die künftige Entwicklung der EBC geltend machen. Auch datenschutzrechtliche Bedenken sind jetzt ausgeräumt.

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