Nach dem Bauausschuss gab auch der Gesamtgemeinderat dem neu gefassten Bebauungsplan „Faule Magd“ seine Zustimmung. Demnach darf die Sparkasse Bodensee ihren Parkplatz an der Ecke Sankt-Johann/Johann-Kraus-Straße mit einem viergeschossigen Wohngebäude überbauen. Zudem können mehrere Häuser der Baugenossenschaft Überlingen (BGÜ) aufgestockt werden, und kann die Schließung von Baulücken innerhalb des Wohngebiets angegangen werden.

Das Maß der Bebauung war im Gemeinderat kein Streitpunkt mehr. Bernadette Siemensmeyer (LBU/Die Grünen) befand, dass die Ziele des Bebauungsplans zustimmungsfähig seien. Es handle sich um eine „moderate und gebietsverträgliche Innenentwicklung“.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Räte begrüßten durchweg die so entstehende Innenverdichtung, wie der innenstädtische Wohnungsbau genannt wird, wenn er auf Kosten von Freiflächen geht. Alleine der viergeschossige Hybridbau der Sparkasse könne laut Thomas Kölschbach zwölf neue Wohneinheiten erbringen. Der geänderte Bebauungsplan lässt außerdem eine Aufstockung bestehender Gebäude zu, insbesondere der bestehenden Geschosswohnungsbauten. Das führe zu einer „beachtlichen Verdichtung“ wie Kölschbach meinte.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Berichts war von 141 Wohneinheiten auf dem Parkplatz die Rede – das war ein Versehen. Gemeint war, dass der Bestand im Gebiet „Faule Magd“ bei 141 Wohneinheiten liegt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Bernadette Siemensmeyer, Gemeinderätin: „Hier Baugrenze, dort Baumerhalt.“
Bernadette Siemensmeyer, Gemeinderätin: „Hier Baugrenze, dort Baumerhalt.“ | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Debatte um Schutz der Bäume

Im Gemeinderat entstand eine Debatte über den Schutz der Bäume in dem Wohngebiet. Prinzipiell waren sich alle im Gremium einig, dass der Schutzstatus der Habitatbäume unverrückbar sei. Nur die Art, wie dieser Schutz garantiert wird, führte zu Diskussionen.

Thomas Kölschbach, Stadtplaner: „Dann lassen wir das.“
Thomas Kölschbach, Stadtplaner: „Dann lassen wir das.“ | Bild: Brender

Wie Siemensmeyer sagte, bestehe im Bebauungsplan ein Widerspruch durch die Überlagerung der erweiterten Baugrenze des BGÜ-Quartiers und dem auf der gleichen Fläche festgesetzten Erhalt der gebietsprägenden Bäume. „Die Bäume sind wichtig für den Artenschutz, die Klimaanpassung in dem laut Stadtklimaanalyse hitzebelasteten Gebiet und somit für gesunde Wohnverhältnisse.“

Jan Zeitler, Oberbürgermeister: „Das war jetzt emotional, aber gerechtfertigt.“
Jan Zeitler, Oberbürgermeister: „Das war jetzt emotional, aber gerechtfertigt.“ | Bild: Hilser, Stefan

Was hat nun Vorrang? Diese Frage sei trotz Baumschutzsatzung nicht sauber geklärt, befand Siemensmeyer und schlug vor, die Überlagerungen schon im Plan auszuradieren: „Hier Baugrenze, dort Baumerhalt.“

Planer: Bäume geben die Richtung vor

Stadtplaner Kölschbach hielt dagegen: „Diesen Zielkonflikt sehe ich nicht. Die Bäume genießen einen sehr hohen Schutzstatus, und auch in den Festsetzungen des Bebauungsplans sind die Baumkronen und alles geschützt. Die Planung muss sich an die Bäume anpassen.“

Als die Debatte weiter schwelte, holte Kölschbach weiter aus und sagte: „In der Satzung steht, dass die Bäume dauerhaft zu erhalten sind. Wenn das nicht ausreicht, dann frage ich mich, wozu mache ich dann noch eine Innenverdichtung? Dann lassen wir das.“ Darauf Oberbürgermeister Jan Zeitler: „Das war jetzt emotional formuliert, aber gerechtfertigt.“