„Die Kinder werden mir sehr fehlen“, sagt Eva-Maria Siegel-Juraschek. “Doch alles hat seine Zeit.“ Und es waren immerhin 38 Jahre, in denen die Erzieherin den Kindergarten St. Suso der katholischen Kirchengemeinde in Überlingen leitete. Mit 63 Jahren ist die Überlingerin jetzt in den Ruhestand gegangen. Im St.-Nikolaus-Münster wird sie von ihrem Träger noch offiziell verabschiedet.

Drei Monate Übergang mit Nachfolgerin Cynthia Gäng

Zurückblicken kann Siegel-Juraschek voller Genugtuung. „Es war eine Arbeit, die mich immer voll und ganz ausgefüllt hat“, erklärt sie: „Doch es war so schön, dass ich stets gern in den Kindergarten gegangen bin und keinen Tag missen möchte.“ Gelassen kann die langjährige Leiterin auch nach vorn schauen. Die Einrichtung ist gut aufgestellt, ist Eva-Maria Siegel-Juraschek überzeugt. Mit der Überlingerin Cynthia Gäng habe sie eine sehr gute Nachfolgerin, die ihre Ausbildung selbst im Suso gemacht habe und zuletzt den kleinen Frickinger Kindergarten geleitet hat. Drei Monate konnten die beiden Frauen gemeinsam den Übergang gestalten. „Dafür bin ich sehr dankbar“, betont Siegel-Juraschek.

Gemeinsame Grundeinsicht trägt: Siegel-Juraschek (Zweite von links) schätzt die katholische Trägerschaft, ist aber offen für andere Konfessionen und Religionen. Hier mit Pfarrer Bernd Walter bei der Segnung der zweiten Kinderkrippe im Dezember 2019.
Gemeinsame Grundeinsicht trägt: Siegel-Juraschek (Zweite von links) schätzt die katholische Trägerschaft, ist aber offen für andere Konfessionen und Religionen. Hier mit Pfarrer Bernd Walter bei der Segnung der zweiten Kinderkrippe im Dezember 2019. | Bild: Hanspeter Walter

In den 1970er Jahren hatte die Erzieherin ihre Ausbildung in der Klosterschule Hegne absolviert, das Anerkennungspraktikum schließlich schon im Kindergarten St. Suso zugebracht. „Dann wollte ich jedoch auch mal mit älteren Kindern arbeiten“, erinnert sie sich. So arbeitete sie ab 1975 fünf Jahre in einem Heim für Jugendliche in Hüfingen, ehe sie 1980 zu den Wurzeln am See zurückkehrte und die Leitung des Suso-Kindergartens übernahm. Bewusst hatte sie sich für den katholischen Kindergarten entschieden.

Einrichtung geprägt von der Basis des Glaubens

„Wichtig ist mir, dass es ein katholischer Kindergarten bleibt“, erklärt sie nachdrücklich. Das stand zwischenzeitlich aus finanziellen Gründen schon einmal auf der Kippe. Wobei es Eva-Maria Siegel-Juraschek im Grunde weder auf die Konfession noch die Religion ankommt, sondern vielmehr auf die übergreifende „Grundeinsicht“, wie sie sagt, die Basis des jeweiligen Glaubens ist. Davon sei die Einrichtung geprägt und strahle dies auch auf die Kinder aus.

„Es kommt uns vor allem auf die Achtung und Wertschätzung des Menschen an und das gute Miteinander“, betont die erfahrene Erzieherin. So war die Aufnahme von Kindern für sie auch nie an eine Konfession gebunden. „Wir haben nicht nur Kinder verschiedener christlicher Konfessionen“, erklärt Siegel-Juraschek, „sondern seit langem auch Muslime oder Buddhisten.“ Besonders bemerkenswert sei für sie gewesen, dass die Familien „egal welchen Glaubens unsere kirchlichen Feste gern mitgefeiert haben“.

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Zu Beginn ihrer Arbeit 110 Kinder in vier Gruppen

Veränderungen in der Struktur der Einrichtung hat die Überlingerin ebenso miterlebt und begleitet wie neue pädagogische Ansätze. „Als ich begonnen habe, gab es noch keine Kleinkindbetreuung und wir hatten bisweilen mehr als 110 Kinder über drei Jahren in vier Gruppen“, erinnert sich Eva-Maria Siegel-Juraschek. Heute haben sich die Gewichte deutlich verschoben. Neben zwei Gruppen über Dreijähriger mit insgesamt 50 Jungen und Mädchen gibt es bereits zwei Krippengruppen für je zehn Kleinkinder.

Viel Raum für Kreativität: Vor einigen Jahren führte die erfahrene Erzieherin mit großer Überzeugung einen „Malort“ nach dem Modell von Arno Stern ein.
Viel Raum für Kreativität: Vor einigen Jahren führte die erfahrene Erzieherin mit großer Überzeugung einen „Malort“ nach dem Modell von Arno Stern ein. | Bild: Hanspeter Walter

Der „Mal-Ort“ nach Arno Stern geht auf sie zurück

Auch der Übergang zu einer offeneren pädagogischen Arbeit vollzog sich sukzessive. Bewegungs- und Kreativräume entstanden. So war es Eva-Maria Siegel-Juraschek ganz persönlich, die an ihrem Kindergarten einen „Mal-Ort“ nach dem Modell von Arno Stern einrichtete. „Hier können die Kinder ohne jegliche Vorgaben ihrer Kreativität freien Lauf lassen“, beschreibt sie die Idee. „Es gibt weder bestimmte Aufgaben noch Übungen.“ Die Erziehenden bleiben lediglich Beobachtende und reichen auf Wunsch auch mal die Farben.

Corona-Pandemie als letzte große Herausforderung in ihrer Arbeit

Corona wurde für Siegel-Juraschek schließlich noch zu einer letzten großen Herausforderung. „Dies zu managen, war seit Beginn der Pandemie immer wieder sehr schwierig“, sagt sie. „Eltern mussten ihre Kinder an der Tür abgeben.“ Umso wichtiger sei daher gerade hier das Gefühl der Geborgenheit gewesen, das die Sprösslinge in der Einrichtung empfunden hätten. „Man hat das gemerkt, wenn sie sich an die Schulter der Erzieherin geschmiegt haben.“

Ihre früheren Kindergartenkinder bringen heute die eigenen Kinder

Wie die Zeit vergeht, sah die langjährige Kindergartenleiterin auch an anderer Stelle. „Längst haben schon zahlreiche ehemals von mir betreute Kinder ihren eigenen Nachwuchs im Suso“, sagt Eva-Maria Siegel-Juraschek und freut sich darüber ganz besonders. Die Eltern erinnerten sich gern an eine gute Zeit im Kindergarten und wünschten sich für ihre Sprösslinge dasselbe.