„Es war und ist natürlich anstrengend, unser großes Unterrichtsangebot unter Corona-Bedingungen aufrecht zu erhalten.“ Ralf Ochs, Städtischer Musikdirektor in Überlingen, fasst die Situation der Musikschule in Pandemiezeiten in einem Satz zusammen. Obwohl die Anmeldezahlen coronabedingt leicht zurückgegangen sind, Konzerte und Veranstaltungen abgesagt werden mussten und müssen, sieht Ochs keinesfalls schwarz. Er sei trotz allem sehr optimistisch, dass alle Instrumentalisten online bestens vorbereitet würden. „So stehen alle Mitglieder der Ensembles und Orchester der Musikschule und Stadtkapelle Überlingen in den Startlöchern und können subito nach dem Ende des Lockdowns musikalisch auf gewohnten Niveau in die Probenarbeit starten, um schon bald auf einer Bühne unser Publikum musikalisch zu verzaubern.“

Schon vor dem Lockdown „Instrumente ausprobieren“ abgesagt

Bereits Anfang März 2020, kurz vor dem ersten Lockdown, hatte der Musikschullehrer frühzeitig die Veranstaltung „Instrumente ausprobieren“ abgesagt, was seinerzeit nicht bei jedem auf Verständnis stieß. „Das war der Auftakt in ein schwieriges Jahr“, erinnert sich Ochs.

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Unterricht musste spontan von Präsenz auf Online umgestellt werden

Anfang April sei deutlich geworden, dass die Weiterführung des Unterrichtes nicht ganz einfach werde; die Umstellung von analogem auf digitalen Unterricht habe spontan und schnell vonstattengehen müssen. Der Onlineunterricht könne den Präsenzunterricht in keiner Weise ersetzen, bedauert Ralf Ochs. „Musik machen und zu lernen, lebt von persönlicher Nähe, Körpersprache, Schwingungen, Spontanität, gefühlter Harmonie – allem, was über ein Endgerät online leider so nicht übertragbar ist.“

Neue Abläufe und Inhalte im Unterricht eingeführt

Der Fernunterricht biete aber auch Chancen und eröffne neue Wege. Dank eines „sehr flexiblen, kreativen, motivierten und engagierten“ Lehrerkollegiums habe man nicht so stark gelitten wie anfangs befürchtet, sondern durch eine geänderte Didaktik neue Abläufe und Inhalte im Unterricht eingeführt. Ochs sagt: „Auch die Schüler und Eltern sind froh, dass zumindest auf diesem Weg Musik gemacht werden und die musikalische Ausbildung weiterlaufen kann.“

Rima und Maxim nahmen via Skype am Online-Unterricht „Musikgarten“ bei Annette Wehrlich teil.
Rima und Maxim nahmen via Skype am Online-Unterricht „Musikgarten“ bei Annette Wehrlich teil. | Bild: privat

Selbst die Jüngsten musizieren vor dem Computer

Für ihn sei es erstaunlich zu sehen, wie selbst die jüngsten Musiker sich der Situation stellten und zuhause vor dem Computer musizierten, oft mit Publikum im Hintergrund. Ihn freut, dass zum einen die Lehrkräfte in dieser kontaktlosen Zeit über alle möglichen Kanäle die Schüler erreichen, zum anderen die Eltern der Musikschule die Treue gehalten hätten.

Angebot und Zahlen rund um die Musikschule

Nach einer kurzen Phase der Öffnung kam die zweite Corona-Welle

Als wieder Präsenzunterricht möglich war, startete die Musikschule mit einem aufwendigen Hygienekonzept. Streicher, Pianisten, Gitarristen und Perkussionisten starteten als erste wieder, dann folgten die Bläser und Sänger in ausreichend großen Räumen. Ende Juni konnte man wieder in das Hauptthema der Musikschule einsteigen, das gemeinsame Musizieren. „Auch unsere Ensembles und Orchester haben wieder geprobt. Konzerte wurden geplant und vorbereitet“, berichtet der 55-Jährige. „Leider kam dann alles anders, da die zweite Welle im Anmarsch war.“

Ein Bus des Unternehmens Morath ist als Werbeträger für die Städtische Musikschule Überlingen unterwegs.
Ein Bus des Unternehmens Morath ist als Werbeträger für die Städtische Musikschule Überlingen unterwegs. | Bild: Musikschule

Schnupperstunden statt Aktion „Instrumente ausprobieren“

Das war der Grund, dass die Aktion „Instrumente ausprobieren“ erneut nicht angeboten werden konnte. Eltern hatten die Möglichkeit, die Musikschule über ein Formular auf der Homepage anzuschreiben, um eine Schnupperstunde für ein Instrument zu vereinbaren. „So war und ist es für die musikalisch interessierten Eltern möglich, auch unter Corona-Bedingungen den Weg zur Musik und zu einem Instrument für ihre Kinder zu finden.“ Sobald der Präsenzunterricht wieder erlaubt werde, werde das Formular für eine Schnupperstunde wieder online gestellt.

Zahl der Abmeldungen höher als Anmeldungen

Während der Corona-Pandemie sei die Schülerzahl der Musikschule gesunken, bedauert Ralf Ochs. Die Zahl der Abmeldungen sei höher gewesen als die der Anmeldungen im Semester von Mai bis November. Ralf Ochs sagt: „Infolgedessen hatte die Musikschule auch weniger Einnahmen.“ Mit den Anmeldezahlen im laufenden Wintersemester, das noch bis April läuft, ist Ochs „fast zufrieden“. Was ihn freut: Ein Bus des Unternehmens Morath ist mit Werbung für die Städtische Musikschule beklebt worden und bereits als Werbeträger unterwegs.

Ob Abendkonzerte auf der Hofstatt mit der Jugendkapelle dieses Jahr stattfinden können, ist ungewiss.
Ob Abendkonzerte auf der Hofstatt mit der Jugendkapelle dieses Jahr stattfinden können, ist ungewiss. | Bild: Holger Kleinstück

Auch 2021 stehen Veranstaltungen wieder auf der Kippe

Das Jahr 2021 sei „eigentlich schon durchgeplant“ gewesen, erzählt Ralf Ochs, aufgrund der Pandemie hätten aber schon wieder Veranstaltungen gestrichen werden müssen. „Ich bin sehr traurig, dass unser Solistenkonzert mit dem Kammerorchester im Januar und das Konzert der Musikschulband Anfang Februar nicht stattfinden konnten.“ Er hofft, diese Konzerte nachholen zu können, wenn es die Umstände wieder erlauben. Auch das im März geplante „Instrumente ausprobieren“ müsse abgesagt werden. Ochs: „Es wird auch kein Osterkonzert geben und die geplanten Auftritte auf der Seebühne im Rahmen der Landesgartenschau sowie das Concertino im Museumssaal stehen auf der Kippe.“