Das Problem nahm schon beim ersten Lockdown vor einem Jahr seinen Lauf. Jetzt scheint es sich zu steigern, wenn die Beschränkung auf Speisen zum Mitnehmen in Einwegverpackungen auf die ersten sonnig-warmen Frühlingstage trifft. Das führt zu überquellenden Abfallbehältern, neben denen sich ungeahnte Müllbergen türmen. Nicht nur an der Überlinger Promenade war dies am Sonntagabend einmal mehr deutlich. Pizzakartons und Pappbecher vom Kaffee to go türmten sich vielfach neben den Anlagen. Geradezu konterkariert werden damit die Bemühungen um eine Zero-Waste-Strategie, eine Müllvermeidung.

Erster Vorstoß für Pfandsystem schon vor acht Jahren

Doch wie wird man der Abfallflut Herr? Braucht es unter anderem ein Pfandsystem für Pizzakartons, wie es in den vergangenen Monaten in der ganzen Republik diskutiert wird? In Überlingen ist das Thema nicht ganz neu. Schon vor acht Jahren hatte der damalige CDU-Stadtrat und Gastwirt Michael Jeckel einen Vorstoß unternommen, ein Pfandsystem für Pizzakartons einzuführen.

Verwaltung bewertete Vorschlag damals als unverhältnismäßig

Als unverhältnismäßig und daher „als nicht rechtmäßig zu betrachten“ bezeichnete das Amt für Öffentliche Ordnung der Stadt dieses Instrument damals. Zwar wäre eine Einführung grundsätzlich geeignet, da „zumindest die Zweckerreichung möglich scheint“. Allerdings könne der gleiche Erfolg „mit milderen Mitteln“ erzielt werden, wie der Aufstellung größerer, für die Entsorgung von sperrigem Müll geeigneter Mülltonnen. Die gibt es zwar inzwischen, doch ist deren Wirkung begrenzt.

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Verkäufer sind zur Beseitigung im Umkreis von 50 Metern verpflichtet

Eine strikte Umsetzung der Polizeiverordnung in Überlingen war ein weiterer Vorschlag, da ein Verkäufer, der Kartons, Pappteller oder Eisbecher ausgebe, innerhalb eines Umkreises von 50 Metern auch zu deren Beseitigung verpflichtet sei. Vor diesem Hintergrund und angesichts der möglichen Alternativen wäre die Einführung eines Pfands speziell für Pizzakartons ein Eingriff in das Grundrecht der freien Berufsausübung und nicht verhältnismäßig, argumentierte die Verwaltung damals.

Auf diesem Bild ist der zwar Aufnahmebehälter für Pizzakartons (links) in Sipplingen frisch geleert. Doch wie die Verwaltung mitteilt, werden die Behälter Marke Eigenbau gut angenommen.
Auf diesem Bild ist der zwar Aufnahmebehälter für Pizzakartons (links) in Sipplingen frisch geleert. Doch wie die Verwaltung mitteilt, werden die Behälter Marke Eigenbau gut angenommen. | Bild: Hanspeter Walter

Sipplingen: Seit Jahren Erfolg mit selbstgebauten Behältern

Eine kreative Idee verfolgt seit Längerem die Gemeinde Sipplingen. Neben den üblichen Müllgefäßen sind hier am Seeufer zusätzlich spezielle Aufnahmebehälter aufgestellt. Markus Bellgardt, der frühere Leiter des Bauhofs, hatte schon vor sieben Jahren die Idee dazu geliefert, sein Mitarbeiter Hugo Zugmantel hatte die Konstruktion umgesetzt. Die quadratische Grundfläche ist ideal zum platzsparenden Einlegen von Pizza-Kartons. Die Behälter scheinen für viele Passanten selbsterklärend zu sein. „Das funktioniert und wird wirklich sehr gut angenommen“, sagt Monika Dietrich im Sipplinger Rathaus. Fehlt jetzt nur noch eine Sammeleinrichtung für Kaffeebecher.

Hagnau: Bis zu 200 Kartons stapeln sich im Behälter

Auch in Hagnau waren die Mitarbeiter des Bauhofs tätig geworden und hatten Aufnahmebehälter für Pizzakartons gebaut. Im Herbst berichtete Bürgermeister Volker Frede im Gemeinderat, dass sich abends bis zu 200 Kartons in den Behältern stapeln – „ein voller Erfolg“, wertete Frede.

An mehreren Punkten sind in Hagnau neben den üblichen Müllbehältern Pizzaboxen aufgestellt, die der Bauhof selbst angefertigt hat.
An mehreren Punkten sind in Hagnau neben den üblichen Müllbehältern Pizzaboxen aufgestellt, die der Bauhof selbst angefertigt hat. | Bild: Uwe Petersen

Auch Überlingen denkt über spezielle Aufnahmebehälter nach

Während in vielen Städten der Republik inzwischen über ein saftiges Pfand für Pizza-Kartons nachgedacht wird, das auch zur Rückgabe animiert, spielt Überlingen mit dem Gedanken, wie Sipplingen und Hagnau spezielle Aufnahmebehälter aufzustellen. Wie OB Jan Zeitler am Mittwochabend im Gemeinderat erklärte, seien die Mitarbeiter des Werkhofs bereits dabei, entsprechende Gestänge zu konstruieren.

Werkhof ändert Prioritäten im Tagesablauf der Mitarbeiter

„Wie bereits letztes Jahr, wird auch das erhöhte Müllaufkommen beseitigt“, erklärt die Pressestelle der Stadt auf die Frage zum Umgang mit der Problematik: „Teilweise werden zusätzliche temporäre Mülleimer aufgestellt, derzeit prüft die Abteilung Tiefbau etwa Müllbehälter für Pizzakartons.“ Eine Erhöhung der Abfuhrzyklen sei im Moment jedoch nicht angedacht. Allerdings ändere der Werkhof die Prioritäten der Mitarbeiter im Tagesablauf. So werde an besonders arbeitsintensiven Orten kurzfristig mehr Personal eingesetzt. Derzeit seien vier Beschäftigte dauerhaft für die Stadtreinigung im Einsatz. Zu Spitzenzeiten unterstützen zwei zusätzliche Mitarbeiter die Kollegen für etwa drei Stunden am Tag.

Separate Pläne für die Landesgartenschau erarbeitet

Wie geht die Stadt mit der Problematik im Hinblick auf die Landesgartenschau um, wenn noch mehr Ungemach droht? „Für die LGS wurden im Vorfeld separate Pläne erarbeitet, die sich aufgrund der Erfahrung als fundiert und tragbar erwiesen“, ist die Stadt zuversichtlich: „Zusätzlich hat die LGS einen Geländedienst, der ebenfalls permanent unterwegs ist.“