Die Stimmung ist an diesem Abend – es ist Heilig Abend – ausgelassen, es wird gefeiert, Alkohol getrunken und auch Marihuana geraucht. Kaum ausgeschlafen geht‘s mit Freunden anderntags für mehrere Stunden ins Badeparadies Schwarzwald. Das aber scheint für einen 19-jährigen aus Überlingen zu viel des Guten gewesen zu sein.

Auf der Autobahn A 98 ist Schluss

Auf der Rückfahrt von Titisee-Neustadt in Richtung Überlingen gefährdet er immer wieder den Straßenverkehr, kommt mehrmals auf die Gegenfahrbahn, wird vom Gegenverkehr mit Lichthupe gewarnt, streift den Bordstein. Gegen 20.15 Uhr wird er von Verkehrspolizisten an der Anschlussstelle Stockach-West der Autobahn 98 gestellt. Diese veranlassen einen Urintest, der positiv ausfällt, eine Blutentnahme und untersagen die Weiterfahrt. Der Führerschein des Studenten wird noch am gleichen Tag für sechs Monate beschlagnahmt. Angeklagt war der junge Überlinger jetzt wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr.

Umfassendes Geständnis

„Ja, ich gebe alles zu. Ich bin unsicher gefahren“, sagt der Angeklagte, der im Alter von 15 Jahren erstmals mit Marihuana in Berührung kam und nicht zum ersten Mal vor dem Richter steht. Derzeit lebt er von 250 bis 300 Euro monatlich, die er für Arbeiten im elterlichen Haus erhält. Im August möchte er wieder ein Studium aufnehmen, das, wie er sagt, aufgrund der Corona-Krise in diesem Jahr noch nicht möglich war.

Die Pandemie sei auch der Grund, weshalb ihm bei Anfragen für Nebenjobs immer wieder eine Absage erteilt worden ist. Mit seinem Hausarzt stehe er regelmäßig in Kontakt, müsse verschiedene Arzneien nehmen, weil er immer wieder unter innerer Anspannung stehe. Er steigere sich in Dinge hinein, leide teilweise unter Panikattacken. Psychisch labil, gerate er immer wieder unter Druck, so die Schilderungen des Angeklagten vor Gericht.

Zu späte Einsicht

„Es war total verantwortungslos. Sie waren deutlich beeinträchtigt“, befindet Richter Alexander von Kennel in Richtung des 19-Jährigen. Die Strecke fahre man schließlich nicht in zehn Minuten, es sei genügend Zeit gewesen, um anzuhalten. Der Angeklagte habe zu spät einsehen wollen, dass er nicht mehr fahrtüchtig sei, kritisiert die Staatsanwaltschaft. „Das war kein Pappenstiel“, sagt der Anwalt in Bezug auf „erhebliche“ Ausfallerscheinungen.

Richter: Wir wollen helfen

„Was macht mich sicher, dass das nicht wiederkehrt?“ fragt der Richter. Auch der Verteidiger sieht das Problem der Wiederholung, sein Klient habe eine Sympathie für Drogen. Es bedürfe „gescheite Auflagen“, um ihn wieder in die richtige Bahn zu bringen. „Wir brauchen eine Festigung. Sie werden im Leben immer wieder in Drucksituationen kommen“, bekräftigt Richter von Kennel. „Wir wollen Ihnen nichts Böses, sondern nur helfen.“ Der Angeklagte willigt ein, sich in professionelle Behandlung zu geben.

Pflichtbesuch beim Suchtberater

Verurteilt wird er schließlich nach dem Jugendstrafrecht: Er erhält eine Geldauflage von 300 Euro, die er an den gemeinnützigen Verein „Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr“ leisten muss. Außerdem soll er fünf Termine bei einem Suchtberater und drei bei einem Psychotherapeuten wahrnehmen, die der junge Angeklagte nachzuweisen hat. Der 19-Jährige gilt weiterhin als nicht vorbestraft. Von Kennel macht klar: „Wir wollen Ihnen keine Steine in den Weg legen, Ihr Einverständnis war löblich. Wir sind aber bei dem Ganzen an der Grenze zum bedingten Vorsatz.“ Ob der Angeklagte seinen Führerschein zu Weihnachten wieder haben wird? Das könnte knapp werden: Denn die Fahrerlaubnis bleibt für weitere sechs Monate eingezogen.

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