„Corona begleitet uns den ganzen Tag!“, antwortet eine Schülerin auf die Frage, ob der aktuell stattfindende Präsenzunterricht das Thema langsam verdrängt habe. Es gehe bei der Busfahrt los und bis abends weiter. Auch in ihren Gesprächen sei Corona das Dauerthema. Die 16- bis 21-jährigen Schülerinnen und Schüler der Klasse 2 am Berufskolleg für Fremdsprachen der Constantin-Vanotti-Schule haben sich in ihrem diesjährigen Schulprojekt mit dem Thema „Junge Leute in Zeiten von Corona“ beschäftigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie stellten einen Fragebogen zusammen und verteilten ihn in der Schule. Da das Ganze im Fach Wirtschaftsenglisch stattfand, waren die Fragen auf Englisch formuliert. Insgesamt 100 Jugendliche haben den Bogen ausgefüllt. Zur Präsentation der Ergebnisse war auch die Presse eingeladen. Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, gewährt aber Einblicke in die Wahrnehmung einer Generation, die zurzeit nicht oft gehört wird.

Maske tragen sinnvoll, aber auch nervig

So halten die meisten Befragten das Tragen von Masken für sinnvoll. Aber auch für besonders nervig, wie die Klasse in der anschließenden Diskussion betonte. Dabei wollten viele ihre Meinung sagen, aber nicht alle ihren Namen. Die Umfrage ergab, dass 53 Prozent täglich sechs bis acht Stunden Maske tragen mussten, bei 14 Prozent waren es sogar bis zu zehn Stunden.

Seit Kurzem dürfen sie getestet auch ohne Maske in den Unterricht, aber die meisten haben sie unter dem Kinn oder griffbereit. Die neue Regelung verursacht bei ihnen mehr Verwirrung als Erleichterung. „Viele wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Die Zahlen sind so schnell gesunken und jetzt kann man Party machen. Das verunsichert die Leute!“, sagt eine Schülerin und bekommt viel Zustimmung aus der Klasse.

Sie genießen es zurzeit, endlich einmal wieder Pizza essen zu gehen oder shoppen. Aber unbeschwert erleben sie das nicht. „Man ist immer unsicher, ob da jetzt nicht zu viele Leute sind“, sagt eine Schülerin. Besonders hart sei es gewesen, die Großeltern nicht besuchen zu dürfen. Einige haben Familie im Ausland, wohin sie seit über einem Jahr nicht mehr reisen konnten.

Schüler fühlen sich ungerecht behandelt

Die 17-jährige Chantal hat eine Vorerkrankung und fühlte sich oft alleine gelassen. In ihren Augen waren die Mitschüler nicht alle immer so regelkonform unterwegs, wie im Fragebogen angegeben und im Fokus der öffentlichen Diskussion standen mehr die Älteren. Ein Mitschüler bringt es auf den Punkt: „Wir haben uns für die alten Leute an die Regeln gehalten, die werden geimpft und haben wieder ihre Freiheit. Wir verpassen gerade etwas, man nimmt uns etwas weg!“ Ungerecht empfinden die Schüler auch die Erleichterungen für Genesene. Wer sich an die Regeln gehalten und sich nicht infiziert habe, sei jetzt benachteiligt, ergänzt eine junge Frau.

Das könnte Sie auch interessieren

Aufhorchen lassen die Ergebnisse auf die Frage, ob man den Nachrichten über Covid-19 vertraue. Die meisten gaben bei der Erhebung an, den Medien zu glauben. Aber 29 Prozent halten sie für Fake News und 30 Prozent sind unentschieden. Das war für einige in der Klasse nachvollziehbar. Sie halten die Zahlen der Corona-Toten für überhöht, da in die Statistiken zu viele „normale“ Sterbefälle einflössen.

Krisensicherheit bei Berufswahl im Blick

Lehrerin Sabine Horbach fragte die Schüler, ob die Pandemie ihre Berufsentscheidung, die sie im nächsten Jahr vor ihrer Fachhochschulreife treffen müssen, beeinflusse. Viele meldeten sich zu Wort, dass sie mit anderen Augen auf einige Berufe blickten und nun auch die Krisensicherheit der jeweiligen Branche im Auge hätten. Ein junger Mann wollte eigentlich Koch werden, hat sich aber entschieden, lieber wieder zur Schule zu gehen und einen anderen Weg einzuschlagen. Eine Schülerin sagt: „Ich hätte nicht gedacht, dass plötzlich einige Berufe nicht mehr wichtig sind!“

Das könnte Sie auch interessieren