Die Entscheidung zur Lockerung der Corona-Verordnung, die Bund und Länder in der vergangenen Woche gemeinsam getroffen haben, ist für viele Gastronomen ein herber Schlag. Während Friseure und Geschäfte unter besonderen Auflagen langsam wieder öffnen dürfen, geht die Gastronomiebranche leer aus.

Sie dürfen vorerst ihren Betrieb nicht wieder aufnehmen. Daniel Ohl, Sprecher des Gaststättenverbandes Dehoga, kritisierte diese Entscheidung scharf. Er prognostiziert, dass unter diesem Umständen bald jeder dritte Gastronomiebetrieb schließen muss. Auch die Gastronomen aus der Region hatten sich von den Lockerungen ein anderes Ergebnis erhofft, wissen sich jedoch auch anders zu helfen.

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Romantik Hotel Johanniter-Kreuz

„Gastronomiebetriebe würden am besten unterstützt, wenn es auch für sie eine zeitnahe Lockerung der coronabedingten Beschränkungen gebe“, sagt Andreas Liebich, Geschäftsführer des Romantik Hotels Johanniter-Kreuz in Andelshofen. Er hofft, dass die Gastronomie den Betrieb bald wieder aufnehmen kann – natürlich unter angepassten Bedingungen. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, wollen den Sicherheitsabstand und die Hygieneregeln beachten“, erklärt er.

Andreas Liebich vom Johanniterkreuz in der Hotelküche. Er bietet übergangsweise einen Abholservice an.
Andreas Liebich vom Johanniterkreuz in der Hotelküche. Er bietet übergangsweise einen Abholservice an. | Bild: Hilser, Stefan

Derzeit bietet der Koch einen Abholservice an drei Tagen die Woche an. Das laufe ganz gut, so Liebich. Er selbst steht dafür in der Küche und bereitet die Gerichte zum Abholen zu. Dass er alleine arbeitet, sei für ihn kein Problem. Im Gegenteil: Alleine zu kochen, mache ihm Spaß. Dennoch würde er sich wünschen, sein Restaurant und das Hotel bald wieder öffnen zu können. Nach dem Beschluss der vergangenen Woche glaubt er allerdings nicht mehr daran, bald wieder Gäste bei sich empfangen zu können.

Denn auch wenn der Abholservice zumindest etwas Geld in die Kassen spült, seien die laufenden Kosten, wie beispielsweise Versicherungen und Investitionen weiterhin zu tragen. Nur weil der Betrieb eingestellt sei, heiße das nicht, dass nicht weiterhin Investitionen getätigt werden müssten, so Liebich. Wie lange er den Betrieb ohne Gäste weiterführen kann, könne er derzeit nicht sagen.

Gasthaus Löwen Altheim

Auch Roman Pfaff, Geschäftsführer der Gaststätte Löwen in Frickingen-Altheim, bietet mit einem Abholservice ein neues Geschäftsmodell an. Über Ostern sei dieser so gut gelaufen, dass er sogar Kunden habe absagen müssen. „Das ist schade. Es tut dennoch gut, dass zumindest ein bisschen etwas weiter laufen kann“, so Pfaff.

Eigentlich habe er den Abholservice eingeführt, um den Kontakt zu seinen Stammkunden nicht zu verlieren und eine Alternative zum Selbstkochen anzubieten. Dafür steht er gemeinsam mit seiner Mutter von Donnerstag bis Samstag in der Küche und bereitet Speisen zu, die dann in Mehrweggläsern an die Kunden gehen.

Roman Pfaff ist zufrieden mit seinem Abholservice. Dennoch will auch er bald wieder Gäste bei sich im Löwen in Altheim empfangen. Das wäre sein Wunsch.
Roman Pfaff ist zufrieden mit seinem Abholservice. Dennoch will auch er bald wieder Gäste bei sich im Löwen in Altheim empfangen. Das wäre sein Wunsch. | Bild: Santini, Jenna

Viele Leute seien dankbar, dass sie trotz der Schließung des Gastrobetriebs weiterhin das Essen genießen könnten, erzählt Pfaff. Grundsätzlich sei er mit den Einnahmen des Abholservice zufrieden. Den vollen Betrieb ersetzen kann aber auch dieser nicht, so der Koch. Deshalb hofft auch er, seinen Betrieb bald wieder öffnen zu können.

Den Abholservice dann weiterhin anzubieten, kann er sich derzeit nicht vorstellen. „Ich glaube nicht, dass nach der Krise die Nachfrage nach einem Abholservice noch so groß sein wird. Die Leute wollen die Atmosphäre einer Gaststätte„, sieht er voraus. Bis die Regelungen für die Gastronomie gelockert werden, will er aber weiter seinen Service anbieten.

Gasthaus Adler Lippertsreute

Bisher auf einen Abholservice verzichtet hat Peter Vögele, Besitzer der Gaststätte Adler in Lippertsreute. Er hatte gehofft, dass die Lockerung der Corona-Verordnung auch die Gastronomie betreffen würde und er seinen Betrieb im Mai wieder aufnehmen kann. Wann Gaststätten wieder öffnen können, steht nun allerdings in den Sternen. Ob er vielleicht doch einen Abholservice anbieten will, will er sich noch überlegen.

Peter Vögele, Adler-Wirt von Lippertsreute, hofft, seinen Betrieb bald wieder öffnen zu können. Bisher gibt es dafür jedoch noch keinen Ansatz.
Peter Vögele, Adler-Wirt von Lippertsreute, hofft, seinen Betrieb bald wieder öffnen zu können. Bisher gibt es dafür jedoch noch keinen Ansatz. | Bild: Hilser, Stefan

Dass die Schließung aller Gastrobetriebe auch für ihn nicht unerhebliche Folgen hat, will er gar nicht verschweigen. Er glaubt allerdings, dass es anderen Betrieben wesentlich schlechter geht. Denn ihm gehöre zumindest das Gasthaus. Doch ohne Kreditaufnahme geht es auch beim Adler in Lippertsreute nicht. Seinen Optimismus will Vögele auch hinsichtlich der prekären Lage nicht verlieren.

„Ich habe fünf Kinder und alle sind gesund“, sagt er. Besonders gerührt sei er von einem Brief, den er von Stammkunden erhalten habe. Diese wollen ihm durch die schwere Zeit helfen, indem sie ihm die Besuche, die sie in Zukunft bei dem Restaurant tätigen werden, schon jetzt bezahlen wollen. Trotzdem fühlt er sich als Vertreter der Gastronomie im Stich gelassen.

„Es gibt keinen Ansatz, wie es bei der Gastronomie weitergeht“, kritisiert Vögele. Deshalb hofft er, bald Klarheit darüber zu bekommen, wann er seinen Betrieb wieder aufnehmen darf. Eine Öffnung funktioniere nicht von heute auf morgen, sondern erfordere Planung. Außerdem würde er sich wünschen, dass künftig die Umsatzsteuer in der Gastronomie gesenkt werde, damit die Verluste aus diesem Jahr wieder ausgeglichen werden können. Zumindest für ein Jahr wurde diese Umsatzsteuersenkung für die Gastronomie nun vom Bund beschlossen: Vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021 soll sie von bisher 19 Prozent auf sieben Prozent sinken.

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