Zwei Tonnen wiegt das Stück „Rasen“, das am Ufer den Villengärten liegt. Die geschwungene Oberfläche des aus Schwimmkörpern und einem Kunststoffelement bestehenden Objekts, erinnert an sanfte Wellen und ist mit satt grünem Kunstrasen bezogen. Die Pflege am künftigen Standort wäre sonst etwas aufwendig. Gleich wird der große Kranwagen es sehr behutsam anheben und langsam auf dem Wasser absetzten. Dort warten zwei Helfer auf einem Floß, um die Raseninsel an den bereits gesetzten Bojen zu verankern.

Die Insel ist Teil der Installation „land – water, water – land“, die im Rahmen des Wettbewerbs „Wassergärten“ entstanden ist. Die dazu gehörige andere Hälfte befindet sich auf der Mainau. Dort klafft im Rasen des Schlossgartens ein Loch mit den gleichen Abmessungen.

Video: Sabine Busse

Den Wettbewerb hatten die Landesgartenschau Überlingen GmbH und die Insel Mainau 2019 gemeinsam ausgeschrieben. Studierende der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen sowie der Pennsylvania State University (USA), die sich zu einem einwöchigen Workshop am Bodensee trafen, waren dabei aufgerufen, symbolische Brückenschläge zu entwickeln.

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Die Projekte sollten sowohl an den jeweiligen Standorten als auch in der Gemeinsamkeit funktionieren. Der vor den Villengärten schwimmende Rasen und das ausgestochene Stück auf der Mainau sind so ein metaphorischer Brückenschlag.

Die Oberfläche des Objekts besteht aus Rasen in Wellenform. Im Hintergrund ist eine der Bojen zu sehen, an denen es später festgemacht wurde.
Die Oberfläche des Objekts besteht aus Rasen in Wellenform. Im Hintergrund ist eine der Bojen zu sehen, an denen es später festgemacht wurde. | Bild: Sabine Busse

Insgesamt wurden zwei Arbeiten der angehenden Landschaftsplaner für die Realisierung ausgewählt. „Die Studierenden waren 2019 auch hier vor Ort und haben an ihren Entwürfen gearbeitet“, berichtet Edith Heppeler.

Video: Sabine Busse

Die Geschäftsführerin der LGS GmbH gehörte zusammen mit ihrem Kollegen Roland Leitner zur Jury, ebenso wie Dozenten der beiden Hochschulen, Oberbürgermeister Jan Zeitler sowie Bettina Gräfin Beranadotte und Markus Zeiler von der Mainau. Zu den Auswahlkriterien zählte neben der Originalität auch die Umsetzbarkeit.

Rote Nistkästen: Brückenschlag für Vögel

Die Umsetzbarkeit ist auch bei dem zweiten gekürten Entwurf „Switching Habitats“ gegeben. In Nachbarschaft zu dem schwimmenden Rasen stehen am Ufer Holzstangen im flachen Wasser. Sie werden bald mit roten Nistkästen in Form von Häusern, die an Überlinger Gebäude erinnern, vervollständigt. „Der Wohnungstausch als Symbol für unser Miteinander“ heißt es in einer Pressemitteilung zu dem Projekt.

Hier sollen Bewohner einziehen, die keine Brücke brauchen, um zur Mainau zu gelangen. Dort wird der zweite Teil der Installation zu sehen sein.
Hier sollen Bewohner einziehen, die keine Brücke brauchen, um zur Mainau zu gelangen. Dort wird der zweite Teil der Installation zu sehen sein. | Bild: Sabine Busse

Das Pendant auf der Mainau wird unter der Blumentreppe zu sehen sein: Ein großes, begehbares Nest aus Holzlatten. Für Vögel, so die Idee hinter dem Projekt, ist der Brückenschlag ein Leichtes ebenso wie der Weg vom Nest zur Behausung. Die Besucher, die durch die Installationen Lust auf einen Besuch der anderen Hälfte bekommen, können dafür das Schiff nehmen.