Der Beginn der Corona-Krise wirkte wie ein Filmriss. Für das Publikum fühlten sich die ersten Wochen wie eine kurze Unterbrechung ihres Alltags an, der schon recht bald wieder in die richtige Spur kommen würde. Doch hält die Krise nun schon viele Monate an, und ein Ende ist nicht absehbar.

Dem Überlinger Kinobetreiber Thomas Lailach ging‘s nicht anders. Nach dem Lockdown durfte er im Juni den Betrieb wieder aufnehmen, machte das auch. Nach zwei Wochen zog er schon wieder den Stecker: „Das macht noch keinen Sinn.“ Denn das Publikum, zumal im sonnigen Sommer, fand damals eine andere Beschäftigung und nicht den Weg ins Kino. Lailach sperrte den Kinosaal wieder zu. Im August dann nochmal ein Versuch, aber auch der stieß nicht auf die nötige Resonanz.

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Jetzt, im Herbst, in der besten Kinozeit, wagt Lailach vorsichtig optimistisch einen weiteren Versuch. Die drei Vorführungsräume in der Cinegreth am Landungsplatz sind seit drei Wochen wieder geöffnet, nicht das Kino Kammer/Tivoli in der Franziskanerstraße. Lailach versichert, dass ein Besuch unter Einhaltung der Hygienevorschriften sicher ist. „Es ist mir kein einziger Fall bekannt, wo sich jemand im Kino angesteckt haben könnte.“

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In den Saal dürfen nur ein Drittel der normalen Besucherzahl, wenn Familien kommen, auch ein paar Leute mehr. So kommt er auf 30 statt 100 Besucher pro Saal. Für Lailach ist das immerhin ein Neu-Anfang. Er sagt jedoch, dass mit so wenigen Besuchern „auf Dauer nicht kostendeckend“ zu wirtschaften sei. Mit den Coronahilfen und mit Erspartem komme er „noch“ über die Runden. Im Vergleich zu Kinos in anderen europäischen Ländern gehe es ihnen hierzulande dank staatlicher Unterstützung noch relativ gut.

Neue Warnung bringt Verunsicherung

In den vergangenen drei Wochen gewann Lailach sogar wieder etwas Zuversicht, die Durststrecke gemeinsam mit dem treuen Stammpublikum gut überbrücken zu können. Seit jedoch die Infiziertenzahlen wieder steigen und Kanzlerin Angela Merkel dazu aufrief, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben, habe sein Zielpublikum, das vom Alter her eher zur Risikogruppe gehört, wieder Hemmungen.

Lailach: „Die Besucherzahlen sind seit dem Wochenende spürbar abgesackt, von wenig auf dramatisch wenig.“ Am besten laufen noch die Familienfilme, im Gegensatz zu den besonderen Filmen aus der Kinoauslese, für die das Kino Lailach früher regelmäßig Preise einheimste.

Inkonsequentes Freizeitverhalten?

Lailach wundert sich jedoch über das Freizeitverhalten der Besucher, für die angesichts stornierter Urlaubsreisen und dem Verlust anderer Aktivitäten das Filmtheater doch eigentlich eine willkommene Abwechslung sein könnte, die das Kino aber immer noch aus Angst vor dem Virus meideten: „Was ich nicht verstehe, ist, warum die selben Leute dann Gaststätten besuchen, wo sie Schulter an Schulter mit anderen Leuten sitzen.“ In seinem Kino, so Lailachs Versprechen, sei es sicherer als in der Kneipe, zwischen allen Besuchern lägen mindestens eineinhalb Meter Abstand.

Am 12. November Fastnacht im Kino

Die ersten Kollegen in anderen Kinos machten ähnliche Erfahrungen. Gescheiterter Neustart im Sommer, jetzt im Herbst ein neuer Versuch. Während die ersten Kinos laut Lailach wieder schließen, plane er von Woche zu Woche. Und in einem konkreten Fall sogar darüber hinaus: Am 12. November, einen Tag nach dem Fastnachtsauftakt 11.11., nimmt das Kino Überlingen den Film „Narren“ ins Programm, der auf der Rottweiler Fastnacht gedreht wurde.

Die Regisseurinnen Sigrun Köhler und Wiltrud Baier, oder eine von ihnen, sind bei dem Filmabend anwesend. Der Streifen aus der befreundeten Narrenstadt Rottweil wird in Überlingen in drei Kinosälen gleichzeitig gezeigt. Lailach: „Damit das Kino nicht ganz aus den Köpfen verschwindet.“

Das aktuelle Kinoprogramm gibt es online.

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