„Als erster Jugendgemeinderat durften wir uns ins Goldene Buch der Stadt eintragen und werden wahrscheinlich der einzige sein, der zur Verabschiedung mit Maske posiert!“ Mit dieser Aussage brachte David Jung die Besonderheiten der Amtszeit des jüngsten demokratischen Gremiums Überlingens auf den Punkt. In ihrer letzten öffentlichen Sitzung, bei der gleichzeitig die ausscheidenden Räte verabschiedet wurden, blickten die Jugendlichen mit viel Dankbarkeit und etwas Wehmut zurück, hatten aber auch ihre Nachfolger im Blick.

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Bei der Analyse der Wahl, die im November stattgefunden hatte, hob der Vorsitzende Espen Rechtsteiner die besonderen Bedingungen hervor. Da sich die Kandidaten nicht im Rahmen einer Veranstaltung präsentieren konnten, wurden von allen kurze Videos erstellt. Rechtsteiner lobte die Qualität der Filme und den Einsatz der Kandidaten. Kritik an der Kooperation mit den Schulen äußerte Victor Kliewer. Nur wenige Lehrer hätten wie geplant die Videos im Fach Gemeinschaftskunde gezeigt und die Chance genutzt, das Thema Demokratie zum Unterrichtsstoff zu machen.

Julia Katharina Sonntag, 17 Jahre: „Es gab Höhen und Tiefen. Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Abschluss, so wie wir ihn geplant hatten, verhindert.“
Julia Katharina Sonntag, 17 Jahre: „Es gab Höhen und Tiefen. Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und den Abschluss, so wie wir ihn geplant hatten, verhindert.“ | Bild: alva Studios

Auch andere Räte berichteten, dass es in ihren Schulen sehr vom Lehrer abhing, wie viel Beachtung die Wahl zum jüngsten demokratischen Gremium bekam. Oberbürgermeister Jan Zeitler zeigte sich erstaunt, da im Vorfeld der Wahl an zwei Terminen mit Fachlehrern und Mitarbeitern der Verwaltung genau auf diese Punkte hingewiesen worden sei. „Wir werden überlegen, wie man das beim nächsten Mal besser machen kann“, so Zeitler.

Ina Holzer, 15 Jahre: „Wir haben viel über das Zwischenmenschliche gelernt und zusammen gelacht und geweint.“
Ina Holzer, 15 Jahre: „Wir haben viel über das Zwischenmenschliche gelernt und zusammen gelacht und geweint.“ | Bild: alva Studios

Wie Ina Holzer, die mit den meisten Stimmen wiedergewählt wurde, feststellte, sei bei einigen Jugendlichen das Ergebnis der Abstimmung noch nicht angekommen. Vanessa Schnell regte an, dass es in allen Schulen eine Pinnwand geben könnte, die über die Arbeit und aktuelle Themen des Jugendgemeinderats (JGR) informieren. OB Zeitler meinte: „Die Rahmenbedingungen haben manches erschwert, Veranstaltungen und eine Wahlparty haben gefehlt und Aufmerksamkeit gekostet.“ Er kündigte an, dass ein Plakat mit den gewählten Räten erstellt werden soll.

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An diesem Punkt wurde deutlich, wie wichtig die sozialen Medien und digitale Informationswege für seine Generation seien, betonte Espen Rechtsteiner. Zeitler erneuerte sowohl sein Versprechen, hier die Möglichkeiten zu prüfen als auch die Warnung vor rechtlichen Konsequenzen. Erste Abhilfe soll die seit geraumer Zeit in Vorbereitung befindliche Jugend-App bringen. Victor Kliewer stellte den Stand der Dinge vor. Da die bereits genehmigten Fördermittel nicht rechtzeitig abgerufen werden konnten, muss im nächsten Jahr erneut ein Antrag gestellt werden. Danach könne die App, deren inhaltliche Ausgestaltung bereits steht, in Auftrag gegeben werden.

Espen Rechtsteiner, 18 Jahre: „Die Wahl hat gezeigt, wie wichtig Social Media für uns ist. Der fehlende Instagram-Account des Jugendgemeinderats war bei der Wahl ein Manko.“
Espen Rechtsteiner, 18 Jahre: „Die Wahl hat gezeigt, wie wichtig Social Media für uns ist. Der fehlende Instagram-Account des Jugendgemeinderats war bei der Wahl ein Manko.“ | Bild: Sabine Busse

Alle fünf Jugendgemeinderäte, die sich erneut zur Wahl gestellt hatten, werden auch in der kommenden Legislaturperiode dabei sein. Einige kündigten die Fortführung von bereits angefangenen Projekten an. So will Julia Sonntag das Thema Zivilcourage weiter verfolgen und ein Skate-Park-Festival in Altbirnau etablieren. Sven-Erik Feger plant die Kontakte zu anderen Jugendgremien, wie zum Beispiel dem JGR in Radolfzell, zu intensivieren. Vanessa Schnell kümmert sich weiter um die Nachbarschaftshilfe, die Menschen in Quarantäne bei den Einkäufen hilft.

Liza-Marie Schumacher, 18 Jahre: „Es war eine schöne Zeit. Obwohl wir zum Teil sehr unterschiedlich sind, haben wir es trotzdem geschafft uns zu verstehen und sogar Freundschaften zu schließen.“
Liza-Marie Schumacher, 18 Jahre: „Es war eine schöne Zeit. Obwohl wir zum Teil sehr unterschiedlich sind, haben wir es trotzdem geschafft uns zu verstehen und sogar Freundschaften zu schließen.“

Zum Schluss bedankte sich Espen Rechtsteiner beim OB: „Wir haben den Rückenwind und Ihre Unterstützung gespürt. Es war gut, Sie als Verwaltungs-Chef an unserer Seite zu wissen!“

Jan Zeitler verabschiedete die vier ausscheidenden Räte und überreichte ihnen die Urkunden. „Ich würde mich freuen, wenn Sie sich weiter engagieren. Vielleicht sehen wir uns ja im Gemeinderat oder einer anderen Funktion wieder.“