Hobbysegler Alfred Wolsfeld ist besorgt. Grund dafür ist das neue Feuerlöschboot der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen, das seit rund zwei Wochen im Osthafen stationiert ist. Wie „Phönix aus der Asche“ sei es laut Wolsfeld plötzlich da gewesen. Er und viele andere Überlinger Segler hätten bis zum erstmaligen Anlegen des Bootes im Osthafen am 2. Juli von der neuen Anschaffung nichts gewusst.

Der Liegeplatz für das Spezialschiff wurde, wie die Feuerwehr Überlingen bestätigt, bereits festgelegt: Es soll in Zukunft sehr nah an der Hafeneinfahrt liegen. Dass Wolsfeld, der für sein Segelboot seit sieben Jahren einen Liegeplatz im Osthafen hat, nun Bedenken äußert, hat mehrere Gründe.

Hier, vor den Segelbooten, soll das neue Feuerlöschboot in Zukunft liegen.
Hier, vor den Segelbooten, soll das neue Feuerlöschboot in Zukunft liegen. | Bild: Julian Widmann
  • Behinderungen bei der Hafeneinfahrt und -ausfahrt? „Jahrzehnte lang konnte man auf ein solches Boot verzichten“, sagt Wolsfeld. Und nun liege es im Osthafen und behindere einen Teil der Hafeneinfahrt für ein- und ausfahrende Schiffe. „Drei Boote sollten sich bei der Hafeneinfahrt begegnen können. Da sehe ich bei windigen Verhältnissen ganz klar einen Engpass“, erklärt der Ingenieur.
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Ist der Osthafen also überhaupt als Liegeplatz für das 1,7 Millionen teure Spezialschiff, das vom Land Baden-Württemberg gezahlt wird, geeignet? „Grundsätzlich ja“, wie die Pressestelle der Stadt Überlingen auf SÜDKURIER-Nachfrage schreibt: „Die Hafeneinfahrt und die Fahrgassen sind ausreichend übersichtlich und breit. Bei der von allen Bootsführern zu beachtenden Sorgfaltspflichten sollte es zu keinen Kollisionen kommen.“ Zudem lägen die Zustimmungen der Fachbehörden vor.

  • Ist es möglich, dass Segelboote beschädigt werden? Potenzielle Kollisionen sind nicht die einzige Sorge von Alfred Wolsfeld. Er befürchtet nämlich außerdem, dass die Masten der Segelboote im Hafen heftig aneinanderrasseln könnten, wenn es zu Rettungseinsätzen der Feuerwehr kommt. „Da muss es ja schnell gehen. Dann wird es durch die Power der zwei 550-PS-Antriebsmotoren zu großen Wellen kommen“, sagt er.
Der Segler Alfred Wolsfeld im Überlinger Osthafen
Der Segler Alfred Wolsfeld im Überlinger Osthafen | Bild: Julian Widmann

Der Hobbysegler rechnet aus seiner beruflichen Erfahrung vor: „Die meisten Boote haben etwa eine Wasserverdrängung von drei Tonnen, das Arbeitsboot verdrängt 20 Tonnen.“ Die Wellengröße nehme da also eine völlig neue Dimension an. Die Stadt versichert: „Auch für das Feuerlöschboot gilt die Bodenseeschifffahrtsordnung und die Hafenordnung, wonach beim Motorbetrieb innerhalb des Hafenbeckens auf die Vermeidung unnötigen Wellenschlags zu achten ist.“

Genau deshalb sei der Standort des neuen Arbeitsbootes bewusst in der Nähe der Hafeneinfahrt gewählt worden. Einen längeren Weg wolle man innerhalb des Hafens vermeiden.

  • Ist die modernste Ausstattung überhaupt erforderlich? „Ob all die beschriebenen und gepriesenen Features wirklich erforderlich sind, hat die bisherige Vergangenheit nicht gezeigt“, betont Alfred Wolsfeld. Ein wesentlich kleineres Boot hätte es in seinen Augen auch getan. Auf die Frage, ob ein Spezialschiff dieser Größenordnung mit modernster Technik notwendig sei, antwortet Carsten Dehner vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration: „Mit den vier Booten in Überlingen, Radolfzell, Friedrichshafen und Konstanz wollten wir die vier Ölwehrstützpunkte bestmöglich ausstatten.“

Dehner begründet dies mit der enormen Bedeutung des Bodensees für das Ökosystem. „Der Bodensee ist der größte Trinkwasserspeicher des Landes. Der Schutz ist uns sehr wichtig.“ Zudem ergänzt die Pressestelle der Stadt, dass sich die technische Ausstattung und die Größe am Einsatzzweck orientieren würden.

  • Ist die Feuerwehr den vielen verschiedenen Aufgaben und dem Boot gewachsen? „Die Feuerwehr ist durch das neue Boot nicht überfordert“, schreibt die Stadt. Zwar sei ein großer Ausbildungsbedarf gegeben, die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr seien für das Engagement aber bereit. „Erste Lehrgänge und Unterweisungen wurden bereits absolviert.“

Das Land Baden-Württemberg habe sich verpflichtet, den Bodensee vor weiteren Verunreinigungen zu schützen. Zudem müssten die Brandbekämpfung und Hilfeleistungen auf dem Bodensee gewährleistet werden. Zur Erfüllung der Aufgabe würden sich die Landratsämter der Feuerwehren der Städte Friedrichshafen, Konstanz, Radolfzell und Überlingen als Stützpunktwehren bedienen: „Die Feuerwehr nimmt die Aufgaben der Öl- und Schadenswehr sowie die allgemeinen Aufgaben im Auftrag des Landes wahr“, schreibt die Feuerwehr.

Oliver Weißflog, Pressesprecher des THW (Ortsverband Überlingen).
Oliver Weißflog, Pressesprecher des THW (Ortsverband Überlingen).
  • Wären die Aufgaben rund um das Feuerlöschboot nicht auch ein guter Job für das Technische Hilfswerk (THW) gewesen? „So ein Boot mit dieser technischen Ausstattung ist natürlich was Tolles“, sagt Oliver Weißflog von der Pressestelle des THW (Ortsverband Überlingen). Die Aufgaben hätten laut ihm sehr interessant für das THW sein können. Allerdings stellt Weißflog auf Grundlage des Landesfeuerwehrgesetzes klar: „Rechtlich sind wir einfach nicht dafür vorgesehen. Das fällt in den Aufgabenbereich der Feuerwehren.“

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