Frischer Wind in der Sektion Bildende Kunst des Internationalen Bodensee-Clubs (IBC) Überlingen! Schon das Plakat erregt Aufsehen: Ungewöhnlich gestaltet, auf den ersten Blick irritierend. Eine Gruppe demonstrierender Arbeiter auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto trägt ein orangefarbenes Transparent mit der Aufschrift: „IBC – Neue Künstler“. Ein origineller Kunstgriff des Grafikers, zeitversetzte Inhalte, Suche nach dem Zusammenhang, Situationskomik, witzig und frech. Das polarisiert, sagt Wolfgang Braungardt, Präsident des IBC, in seinen einführenden Worten, und spricht von heftigen Kontroversen innerhalb des Vereins. Eine historisch über sieben Jahrzehnte gewachsene Gruppe von Künstlern trifft auf neue Ideen. Betrachtet man dann die Arbeiten der sieben ausstellenden Künstler, die in den letzten zwei Jahren neu in den IBC aufgenommen wurden, zeigen sich auch bildnerisch durchaus Neuansätze.

Mensch, Tier und Natur

Anke Bornhöfft-Neugebauer präsentiert eine Bilderserie, die sich auf ungewöhnliche Art und Weise mit dem problematischen Verhältnis zwischen Mensch, Tier und Natur beschäftigt. Die Haut als sensible Oberfläche stellt für sie Kontaktorgan und Gemeinsamkeit gleichermaßen dar. Unweigerlich denkt man an Innereien oder Bindegewebe, wenn man ihre kleinformatigen, sensiblen Buntstiftzeichnungen sieht. Eine großformatigere Arbeit, ausgesägt aus einer Holzplatte und mit Ölfarben bemalt, erinnert stark an ein Stück Darm oder einen überdimensionalen Embryo.

„Dermaformes Objekt 1“ von Anke Bornhöfft-Neugebauer.
„Dermaformes Objekt 1“ von Anke Bornhöfft-Neugebauer. | Bild: IBC

Johanna Schuster zeigt neben Kaltnadelradierungen auch das großformatige, expressiv gemalte Bild mit dem Titel „Koexistenz-Konferenz“. Um die Fragmente eines menschlichen Skeletts gruppieren sich Tiere, die drängend und erwartungsvoll anscheinend auf eine Reaktion, eine koordinierende Aktion des Geschöpfes warten, das sich als „Krone der Schöpfung“ bezeichnet. Es geht um eine zukunftsträchtige Koexistenz auf diesem Planeten. Mit knöcherner Hand zieht das Skelett mit letzter Kraft den Mund-Nasenschutz vom kahlen Schädel... und dann?

„Nowhereland III“ von Elisabeth Hölz.
„Nowhereland III“ von Elisabeth Hölz. | Bild: IBC

Die Arbeiten von Elisabeth Hölz bestechen durch eine feinfühlige Haptik einer durch Gewebe strukturierte Oberfläche in Kombination mit zeichnerischen Elementen. Die Stoffe zieht sie aus der Argen, wo sie oft schon Wochen im Wasser oder Schlamm gelegen haben. Zeit, Witterung und mechanische Abriebe haben ihre Spuren hinterlassen und dennoch nicht jegliche Substanz zerstört. In den Bildern erwachen sie zu neuem Leben. Die Skulptur „Flugversuch unter erschwerten Bedingungen“ besteht an ihrer Oberfläche ausschließlich aus Stofffragmenten aus der Argen, die eine neue Haut bilden, Schnittstelle und Gemeinsamkeit mit allen Lebewesen, womit inhaltlich der Kreis zu den Arbeiten von Anke Bornhöfft-Neugebauer hergestellt wäre. Zusammen mit den Künstlern und Künstlerinnen Ulrich Backes, Carola Weber-Schlak, Ulrike Schräder und Reinhard Wolters präsentiert der IBC neuen Schwung in einer neuen Zeit. Im Oktober folgt dann die zweite Runde der Präsentation neuer Künstler.

Ausstellung in der Galerie Gunzoburg bis zum 27. September. Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 13 Uhr.

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