In der Nacht zum 1. Mai – der Walpurgisnacht, wenn auch die Hexen auf dem Weg zum Brocken sind – sind vielerorts in ganz Deutschland auch Verliebte unterwegs, um ihrer jeweiligen Angebeteten einen hübsch geschmückten Maibaum zu stellen.

Verziert mit bunten Bändern oder dekoriert mit einem roten Herz. Beschriftet mit Namen der Liebsten oder zumindest dem Anfangsbuchstaben, damit auch jeder weiß, wem der Baum als Zeichen der Liebe gilt.

Doch wie so oft bei alten Traditionen ist es eine Gratwanderung zwischen Spaß und Konflikt mit dem Gesetzbuch. So ist es verboten, einfach mit der Säge in den Wald zu stapfen und sich ein passendes Bäumchen zu fällen. „Einen Baum ohne Erlaubnis zu fällen, ist ganz einfach Diebstahl“, erklärt Jürgen Holzwarth, Geschäftsbereichsleiter Waldnaturschutz des Forstbezirks Altdorfer Wald des Forsts Baden-Württemberg.

Das könnte Sie auch interessieren

Holzwarth empfiehlt, einen Privatwaldbesitzer zu fragen, ob man dort einen Baum holen dürfe. Im öffentlichen Wald gehe das nicht, erklärt der Zuständige für Öffentlichkeitsarbeit weiter: „Wir haben restriktive Vorgaben. Um einen Baum zu fällen, braucht man Zertifikate.“

Schutzkleidung und Sägeführerschein sind Pflicht im Wald

Wer mit der Kettensäge arbeiten wolle, brauche dementsprechend Schutzkleidung und den sogenannten Sägeführerschein. Neben der Gefahr für den eigenen Körper bestehe außerdem die Gefahr, beim Fällen andere Bäume in der Nähe zu beschädigen, erläutert Holzwarth. In den etwa 4000 Hektar Staatswald des Bodenseekreises, die zum Forst Baden-Württemberg gehören, seien ihm allerdings keine größeren Schäden durch die Tradition bekannt.

In der Nacht zum 1. Mai stellen Verliebte einen Maibaum, geschmückt mit bunten Bändern oder einem roten Herz mit Namen, vor das Haus des ...
In der Nacht zum 1. Mai stellen Verliebte einen Maibaum, geschmückt mit bunten Bändern oder einem roten Herz mit Namen, vor das Haus des Partners. | Bild: Lorna Komm

„Das ist nie ein Thema gewesen“, bestätigt auch Revierförster Walter Städele. In sein Zuständigkeitsgebiet fallen Privat- und Gemeindewälder in Frickingen, Owingen und Heiligenberg sowie die Gemarkungen Überlingen-Lippertsreute und Überlingen-Bambergen.

Revierförster Walter Städele
Revierförster Walter Städele | Bild: Südkurier-Archiv

Weder früher noch in den vergangenen Jahren habe man Probleme mit unberechtigtem Maibaumschlagen gehabt, sagt Städele: „Hier haben viele ihren eigenen Wald.“