Tiefer in die Vergangenheit denn je begibt sich die Überlingerin Marion Harder-Merkelbach in die Geschichte Überlingens und des Bodensees mit ihrem neuesten historischen Roman. Als Autorin begonnen hatte die Kunsthistorikerin vor zwölf Jahren mit ihrem ersten Buch „Der Medicus vom Bodensee“, das im Mittelalter angesiedelt ist und das echte Leben des aus Überlingen stammenden Arztes Andreas Reichlin-von-Meldegg (1402 bis 1477) in einen Roman verpackt. Die abenteuerliche Geschichte des gebildeten Humanisten, der es in Rom bis zum Arzt der Päpste brachte, erreichte nun schon die siebte Auflage.

Neuer Roman als Start einer Serie

Mit ihrer neuesten Story entführt Harder-Merkelbach die Leserinnen und Leser nun ins 2. Jahrhundert nach Christi Geburt. Diese Geschichte soll zugleich der Start für eine Serie werden. Unter dem Titel „X – Die geheime Quelle vom Bodensee“ widmet sich die Autorin hier, wie sie sagt, den „verborgenen Wurzeln unserer Kultur“.

Der neue Roman von Marion Harder-Merkelbach ist eben erschienen.
Der neue Roman von Marion Harder-Merkelbach ist eben erschienen. | Bild: Marion

Spannende Entdeckung als Schreibimpuls

Den Impuls zum ersten Roman über den ‚Medicus vom Bodensee‚ bekam Harder-Merkelbach durch ihre Dissertation in Kunstgeschichte. Damals befasste sie sich mit dem Palastbau der Renaissance in Italien. Sie entdeckte später Parallelen in der architektonischen Gestaltung des Reichlin-von-Meldegg‘schen Hauses in der Überlinger Krummebergstraße, in dem heute das städtische Museum untergebracht ist. Bei ihren Recherchen war sie auf den Arzt Andreas Reichlin-von-Meldegg gestoßen, der aus dem toskanischen Pienza, der Stadt der Piccolomini, wohl Anregungen an den Bodensee mitbrachte und in Überlingen als innovative Gestaltung realisieren ließ. „Das war neu und für mich eine spannende Entdeckung“, erinnert sich die Kunsthistorikerin. „Da ich schon immer einen Roman schreiben wollte, war das für mich ein willkommener Anlass.“ Mehrere Beiträge zu diesem und verwandten Themen hatte Harder-Merkelbach auch für den dicken Ausstellungskatalog „1100 Jahre Kunst in Überlingen“ verfasst.

Im Jahr 1459 nach italienischen Vorbildern erbaut: Das Reichlin-von-Meldegg-Haus in Überlingen, in dem seit 1871 das städtische Museum untergebracht ist.
Im Jahr 1459 nach italienischen Vorbildern erbaut: Das Reichlin-von-Meldegg-Haus in Überlingen, in dem seit 1871 das städtische Museum untergebracht ist. | Bild: Lothar Fritz
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Spannende Storys auf Faktenbasis

Inzwischen hat sich die Überlingerin, die vor fast 20 Jahren das Museum im Salemer Feuchtmayerhaus konzipiert hatte, ganz auf das Schreiben verlegt. Die forschende Neugier ist ihr allerdings geblieben. Was die Romane Harder-Merkelbachs auszeichnet, sind daher zum einen der ebenso detailreiche wie fundierte faktenbasierte Hintergrund, zum anderen die Fähigkeit und Fantasie, auf dieser Basis lebendige, spannende und glaubwürdige Storys zu entwickeln.

Das Mittelalter im Roman: Die Autorin Marion Harder-Merkelbach (links) und Susanne Rau vom Badischen Landesmuseum stellten 2014 im Rahmen der Landesausstellung zum Konzil ebenda die historischen Romane „Der Medicus vom Bodensee“ und „BodenSeele“ vor.
Das Mittelalter im Roman: Die Autorin Marion Harder-Merkelbach (links) und Susanne Rau vom Badischen Landesmuseum stellten 2014 im Rahmen der Landesausstellung zum Konzil ebenda die historischen Romane „Der Medicus vom Bodensee“ und „BodenSeele“ vor. | Bild: Claudia Rindt

Autorin gibt gerne geschichtliche Details weiter

„Ich will auch etwas Wissen vermitteln“, sagt sie. „Manche Leser haben sich allerdings auch schon beklagt, dass es ihnen zuviel Platz einnimmt.“ Doch manche geschichtliche Details sind für Harder-Merkelbach selbst so interessant, dass sie diese gerne weitergeben will. Das tut sie auch auf ihrer Homepage mit kleinen Videos, die sie von ihren Studienreisen mitgebracht hat – sei es aus Irland, Schottland oder Spanien. „Das macht mir riesigen Spaß“, sagt sie, „und ich schneide diese Filmchen zuhause auch selbst zusammen.“

Die Abenteuer des Druiden Dru am Bodensee

Nun ist ihr neuestes Buch druckfrisch eingetroffen. Ein geheimnisvolles Netzwerk mit dem Erkennungszeichen „X“ hat den Auftrag, die Welt von zürnenden Göttern, blutigen Kriegen und todbringenden Seuchen zu befreien, so der Plot des neuen Romans. König Ghrian und das keltische Mondkind Ceili begeben sich von Britannien aus auf eine geheimnisvolle Mission. Während ihrer Reise ins Ungewisse treffen sie auf den Druiden Dru und weitere Gleichgesinnte. Am Bodensee erwartet die Visionäre schließlich ein erbitterter Kampf auf Leben und Tod.

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Keltische Rompilger hinterließen Spuren am See

Überlingen blickt in diesem Jahr mehr denn je in die Vergangenheit, die – inzwischen mit der zweiten Unterbrechung – in vielfältigen Vorträgen behandelt wird. Zuletzt richtete sich der Fokus über das Datum der ersten urkundlichen Erwähnung (750/753 n. Chr.) hinaus zu den ersten Erwähnungen eines Herzogs Gunzo und des Namens „Iburinga“ Anfang des 7. Jahrhunderts. Damals wird von christlichen Pilgern berichtet, die sich ab dem 6. Jahrhundert aus Irland auf den Weg ins damalige Zentrum des Christentums nach Rom machten und dabei auch am Bodensee und seiner Umgebung ihre Spuren hinterließen.

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Reise zu den Wurzeln der europäischen Kultur

Den gleichen Handlungsraum legt auch Marion Harder-Merkelbach mit ihrem neuesten Roman zugrunde, begibt sich mit ihren fiktiven Figuren gleich noch etwa 400 Jahre weiter zurück. Durch die Beschäftigung mit Leonardo da Vinci und dessen außergewöhnlichen Gedankenreisen über die Natur, den Kosmos und den Mensch hatte sich die Perspektive von Marion Merkelbach erweitert und die Kunsthistorikerin ist auf die spannende Welt der Kathedralbaukunst gestoßen – eine Welt voller Mysterien und Rituale. Die Wurzeln zu den Geheimnisse jener Welt liegen in einer Zeit, in welcher die Menschheit ihr Dasein im Einklang mit der Natur, den Sternen und den Planeten gesucht habe. Die Exkursionen der Autorin führten und führen sie nun nach Frankreich, Schottland, Irland und zurück ins 2. Jahrhundert nach Christus, zu den Wurzeln der europäischen Kultur und der Gesellschaft. In jener „Welt im Umbruch und voller geheimer Weisheiten“ beginnt die neue Serie zur „verborgenen Kulturgeschichte Europas und des Bodensees“.