Im Lockdown ist das Spazieren gehen zum Volkssport geworden. Die Überlinger erfreuen sich an der Seepromenade rund um das Ostbad. Doch die Grünfläche bot zuletzt Zündstoff zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern. Der Grund: mangelnde Entsorgung von Hundekot und Kontrolle der Leinenpflicht.

Am Eingang des Ostbads werden Hundehalter daran erinnert, ihre Hunde sogar an der „kurzen Leine“ zu führen.
Am Eingang des Ostbads werden Hundehalter daran erinnert, ihre Hunde sogar an der „kurzen Leine“ zu führen. | Bild: Cian Hartung

Verkommt das Überlinger Ostbad zum Hundeklo? Mit einer ähnlichen Formulierung wurde Anfang des Monats eine hitzige Diskussion in der Überlinger Facebook-Gruppe „Du bisch von Überlingen...“ entfacht. Dutzende Hundehalter und Nicht-Hundehalter debattierten über das Für-und-Wider von Kotentsorgung und Leinepflicht. „Leinenpflicht interessiert keinen und für das Ordnungsamt endet das Einsatzgebiet wohl an den Bahnübergängen“, kritisierte der Initiator des Diskussion. Der SÜDKURIER sprach mit dem Initiator, der im Anschluss an das Gespräch aber nicht mehr namentlich in der Zeitung genannt werden wollte.

Überlinger Hundeexpertin kritisiert die „Ach der tut doch nix“-Fraktion

Anders ist es bei Yvonne Mattes, Hundetrainerin und Vorsitzende des Überlinger Hundesportvereins. Sie hat keine Scheu, eine strengere Kontrolle der Leinenpflicht zwischen Mantelhafen und Ostbad zu fordern. Seit rund 20 Jahren trainiert sie Hunde und hat von Bissen, Angriffen und Unfällen durch entlaufene Hunden „schon alles erlebt“, sagt sie.

„Es kann immer etwas passieren, denn es gibt auch viele Menschen, die Angst vor Hunden haben“, Yvonne Mattes, Hundetrainerin beim Hundesportverein Überlingen.
„Es kann immer etwas passieren, denn es gibt auch viele Menschen, die Angst vor Hunden haben“, Yvonne Mattes, Hundetrainerin beim Hundesportverein Überlingen. | Bild: Cian Hartung

„Es kann immer etwas passieren“, meint sie, „denn es gibt auch viele Menschen, die Angst vor Hunden haben.“ Mattes schreckt nicht davor zurück, die oft laxe Handhabe und Erziehung vieler Hundebesitzer zu kritisieren und nennt diese gern die „Ach der tut doch nix“-Fraktion. Trotz aller Expertise und Erfahrung mit den Tieren würde die Trainerin niemals ihre Hand für ihren Hund ins Feuer legen.

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Zudem bemängelt Yvonne Mattes die Anzahl der Boxen zur Hundekotbeseitigung in Überlingen. „Viele haben keine Lust, die Kotbeutel herumzutragen, auch außerhalb von Überlingen.“ Gerade dort liegen viel Kot und viele Hundebeutel, sagt sie. Auch mehr Mülleimer reichten bereits aus, damit Hundehalter zur Entsorgung ermutigt würden, so Mattes.

Welche Regeln gelten für Hundehalter in Überlingen?

Laut Stadtverwaltung besteht in Überlingen innerorts eine Leinenpflicht für die insgesamt rund 910 Hundehalter (Stand Ende 2020). Das schließt auch öffentliches Gelände wie die Seepromenaden und das Ostbad ein. Dort wird sogar auf eine verschärfte Leinenpflicht aufmerksam gemacht. Auch während des Wochenmarkts sind Hunde auf der Hofstatt und dem Münsterplatz aus hygienischen Gründen nicht erlaubt sind. Das wird nach SÜDKURIER-Informationen vom Ordnungsamt allerdings selten streng kontrolliert.

Rund 60 von ihnen stehen in Überlingen und den Teilorten zur Verfügung: Ein Mülleimer mit integrierter Hundekottüte.
Rund 60 von ihnen stehen in Überlingen und den Teilorten zur Verfügung: Ein Mülleimer mit integrierter Hundekottüte. | Bild: Cian Hartung

Wie in der gesamten Bundesrepublik sind Hundehalter auch in Überlingen dazu verpflichtet, den Kot ihrer Tiere aufzusammeln. Entfernt ein Hundebesitzer diesen nicht, handelt er ordnungswidrig und es droht ein Bußgeld zwischen 25 und 150 Euro, so der aktuelle Bußgeldkatalog. Laut Webseite der Stadt gibt es in Überlingen und den Teilorten rund 60 Behälter, an denen Hundekotbeutel kostenlos verfügbar sind und entsorgt werden können.

„Man könnte mehr Entsorgungsboxen aufstellen“

Die Überlingerin Gudrun Triehn hält die Debatte für überzogen. Sie geht mit ihrem Hund regelmäßig am Ostbad spazieren und meint: „Von einem Tretminenfeld kann ich hier nicht sprechen.“

„Von einem Tretminenfeld kann ich hier nicht sprechen“, die Überlinger Hundehalterin Gudrun Triehn am Ostbad.
„Von einem Tretminenfeld kann ich hier nicht sprechen“, die Überlinger Hundehalterin Gudrun Triehn am Ostbad. | Bild: Cian Hartung

Ihrer Beobachtung nach geraten die Menschen zurzeit schnell in Ärger miteinander, nicht nur Hundehalter und Passanten.“ Dennoch findet auch sie: „Man könnte in der Nähe des Bads möglicherweise ein oder zwei mehr Entsorgungsboxen aufstellen.“

Hundehalterin zeigt Verständnis für frei laufende Hunde am Ostbad

Die Überlinger Hundehalterin Roswitha Suhr bestätigt dagegen, dass im Ostbad öfter Hunde leinenlos laufen und auf der Wiese des Seebads tobten. Sie kann Hundhalter verstehen: „Im Sommer spazieren viele auch Richtung Birnau, im Winter bleiben viele lieber in Stadtnähe und nutzen das leere Ostbad.“ Sie habe dabei Vertrauen in ihren Hund und andere Hundehalter. Zu Vorfällen sei es ihrer Einschätzung zufolge bislang nicht gekommen.

Hat Vertrauen in die Überlinger Hunde und Hundehalter: Roswitha Suhr am Eingang des Ostbads.
Hat Vertrauen in die Überlinger Hunde und Hundehalter: Roswitha Suhr am Eingang des Ostbads. | Bild: Cian Hartung

Stadt bestätigt Verstöße gegen die Leinenpflicht im vergangenen Jahr

Ein anderes Bild ergibt eine Anfrage bei der Stadt Überlingen. Laut der Pressestelle der Stadt musste der Gemeindevollzugsdienst im vergangenen Jahr mehrmals bei Verstößen gegen die Leinenpflicht eingreifen. Hundehalter seien im Bereich der Grün- und Erholungsanlagen direkt am See angesprochen worden, um sie an die Leinenpflicht im Bereich des Mantelhafens bis hin zum Strandbad Ost hinzuweisen. Konflikte aufgrund unterlassender oder falscher Kotentsorgung kämen dagegen selten vor, so die Pressestelle auf SÜDKURIER-Anfrage.

Auch abseits des Sees bleiben Hundekotbeutel in Überlingen auf der Strecke: Hier ein nicht entsorgtes Geschäft am Spetzgarter Tobel.
Auch abseits des Sees bleiben Hundekotbeutel in Überlingen auf der Strecke: Hier ein nicht entsorgtes Geschäft am Spetzgarter Tobel. | Bild: Cian Hartung

Über die Strenge und Regelmäßigkeit der Ordnungsamtskontrollen an der Promenade versuche man den Eindruck zu vermitteln, dass die Stadt die Situation im Blick habe. So heißt es: „Das Ostbad ist ein fester Bestandteil der Kontrollgänge des Gemeindevollzugsdienstes. Dieses wird zur Badewettersaison täglich kontrolliert, außerhalb der Saison finden die Kontrollgänge abhängig von der personellen Kapazität statt.“

Hundetrainerin empfiehlt Grünflächen außer- statt innerorts

Hundetrainerin Yvonne Mattes meidet mittlerweile mit ihrem 18 Monate alten Hund Orkan die Überlinger Seepromenade und das Ostbad. „Diesen Stress tue ich mir und meinem Hund nicht an.“ Stattdessen bevorzugt sie Felder und Wiesen in Andelshofen nahe des Vereinsgeländes. Grünflächen und Freiflächen empfiehlt sie auch anderen Hundehaltern. „Dort können die Tiere sich austoben und bringen niemanden in Gefahr.“

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Zudem sagt Yvonne Mattes: „Die Stadt sollte schauen, dass es außerhalb eine Hundewiese gibt, wo Hunde rennen können, ohne dass jemand belästigt wird.“ Noch ist diese Idee aber ein Wunschtraum und bräuchte eine Vielzahl von Unterstützern. Denn derzeit gebe es „keine Überlegungen“, Freiflächen zu schaffen, so die Pressestelle der Stadt Überlingen.