Alexander Frick schüttelt mit traurigem Blick seinen Kopf. „Nein“, sagt er langsam. „Bisher haben wir noch keine Rückmeldungen auf die ausgeschriebenen Ausbildungsstellen bekommen.“ Frick ist Geschäftsführer des Kleinunternehmens CRS Prüftechnik in Meersburg.

Seit einigen Monaten sucht er neue Azubis für die Berufe Zerspanungsmechaniker und Technischer Produktdesigner, außerdem ausgelernte Konstrukteure und Zerspanungsmechaniker. Doch bislang ohne Erfolg.

Thomas Brugger hat im Unternehmen CRS Prüftechnik seine Ausbildung gemacht. Nach seiner Lehre wurde er übernommen. Aktuell sucht der Betrieb für das kommende Ausbildungsjahr zwei neue Lehrlinge.
Thomas Brugger hat im Unternehmen CRS Prüftechnik seine Ausbildung gemacht. Nach seiner Lehre wurde er übernommen. Aktuell sucht der Betrieb für das kommende Ausbildungsjahr zwei neue Lehrlinge. | Bild: Mona Lippisch

Der Geschäftsführer des Industrieunternehmens gesteht: „Wir haben uns die Mitarbeitersuche in der Corona-Pandemie deutlich einfacher vorgestellt. Vermutlich traut sich niemand in einer solchen Zeit, seinen Arbeitsplatz zu wechseln.“ Doch neue Mitarbeiter seien für die Zukunft von CRS Prüftechnik essenziell. Noch dieses Jahr gehen zwei der 15 Arbeitskräfte in Rente.

Und eine gute Auftragslage alleine bringe das Unternehmen nicht weiter, wenn qualifizierte Mitarbeiter fehlen. Wie Sven Hennings, technischer Leiter bei CRS Prüftechnik, erklärt, fehlt es dem Unternehmen trotz Corona-Krise nicht an Aufträgen.

„Wir haben 2020 einen Umsatzrückgang von etwa 10 Prozent verzeichnet. Für ein Pandemie-Jahr ist das wirklich nicht viel. Das kann es auch aus anderen Gründen mal geben.“
Alexander Frick, Geschäftsführer CRS Prüftechnik

„Wir sind bisher wirklich gut durchgekommen“, freut sich Hennings. So seien im vergangenen Jahr zwar einige kleine Aufträge von Unternehmen aus der Region weggefallen, die großen seien jedoch erhalten geblieben. „Die Kapazität, die übrig blieb, haben wir genutzt, um den Betrieb organisatorisch umzukrempeln und Prozesse neu zu strukturieren“, erklärt Geschäftsführer Alexander Frick.

Sven Hennings und Alexander Frick neben einem Prüfgerät. Sie freuen sich über die – trotz Corona – gute Auftragslage im Unternehmen.
Sven Hennings und Alexander Frick neben einem Prüfgerät. Sie freuen sich über die – trotz Corona – gute Auftragslage im Unternehmen. | Bild: Mona Lippisch

Durch die stabile finanzielle Situation musste das Unternehmen bisher nicht auf Hilfsgelder des Staates oder das Instrument der Kurzarbeit zurückgreifen. „Wir haben versucht, alles über den Abbau von Überstunden und Urlaubstagen zu regeln. Das hat glücklicherweise gut geklappt“, berichtet Frick. An diesem Plan halte der Geschäftsführer deswegen auch für das Jahr 2021 fest.

CRS Prüftechnik-Geschäftsführer Alexander Frick (von links), technischer Leiter Sven Hennings und Betriebsleiter Max Mayer stehen vor dem Unternehmen in der Torenstraße in Meersburg.
CRS Prüftechnik-Geschäftsführer Alexander Frick (von links), technischer Leiter Sven Hennings und Betriebsleiter Max Mayer stehen vor dem Unternehmen in der Torenstraße in Meersburg. | Bild: Mona Lippisch

Meersburger Industrieunternehmen macht große Umsatzeinbrüche im ersten Lockdown

Direkt gegenüber von CRS Prüftechnik in Meersburg liegt der Industriebetrieb Pulverhome Bodensee. Das Fünf-Mann-Unternehmen bietet Leistungen im Bereich Pulverbeschichtungen an. Wie Inhaber Patrick Jonischkeit erzählt, ist der Betrieb bisher „ganz gut“ durch die Corona-Krise gekommen.

Dass der Familienvater das heute so sagen kann, hätte er im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 noch nicht gedacht. „Im März ging es uns wirklich nicht gut. Die Aufträge sind massiv eingebrochen. Hätte mir jemand Geld auf den Tisch gelegt, um die Firma zu kaufen. Ich hätte sofort zugesagt“, blickt Jonischkeit zurück.

Kerstin und Patrick Jonischkeit mit Hund: Die beiden stehen vor ihrem Unternehmen Pulverhome Bodensee in Meersburg. Bisher haben sie die Corona-Krise gut überstanden – auch, wenn die Auftragslage für das Industrieunternehmen im ersten Lockdown zurückgegangen ist.
Kerstin und Patrick Jonischkeit mit Hund: Die beiden stehen vor ihrem Unternehmen Pulverhome Bodensee in Meersburg. Bisher haben sie die Corona-Krise gut überstanden – auch, wenn die Auftragslage für das Industrieunternehmen im ersten Lockdown zurückgegangen ist. | Bild: Mona Lippisch

Doch schon wenige Wochen später pendelte sich die Auftragslage wieder ein. „Es normalisierte sich nach und nach. Momentan sind wir wieder auf einem Umsatzniveau wie in ganz normalen Zeiten“, sagt Patrick Jonischkeit.

Was dem Mann in den vergangenen Monaten weitaus mehr Kopfzerbrechen bereitete, sei die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie gewesen. Jonischkeit berichtet: „Unsere jüngste Tochter geht in die Kita, die andere in die Grundschule. Und in der ersten Corona-Zeit hatten wir keinen Anspruch auf Plätze in der Notbetreuung.“ Denn sein Beruf sei nicht systemrelevant – ebenso wenig wie der seiner Frau, die das Unternehmen in der Buchhaltung unterstützt.

„Meine Frau hat kurzerhand die Arbeit nach Hause verlegt, um sich dort gleichzeitig noch um die Kleinen zu kümmern. Ein anderer Mitarbeiter konnte seine Kinder dann mit ins Geschäft bringen.“
Patrick Jonischkeit, Inhaber des Unternehmens Pulverhome Bodensee

Weil das Unternehmen von Patrick Jonischkeit klein ist und nur wenige Mitarbeiter dort beschäftigt sind, hätten sie das Problem der Kinderbetreuung gemeinsam lösen können. „Wir haben miteinander gesprochen und dann auch eine Lösung gefunden“, sagt Jonischkeit und ergänzt: „Je mehr Mitarbeiter man hat, desto schwieriger wird dieser Ansatz.“

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Mitarbeiter bei Braunwarth Aufrollsysteme in Überlingen sind seit Februar in Kurzarbeit

Auch Jürgen Kugler sieht die Vorteile eines Kleinunternehmens in der Pandemie. Er ist Geschäftsführer der Braunwarth Aufrollsysteme GmbH in Überlingen. Dort beschäftigt Kugler 15 Mitarbeiter. „Als kleines Unternehmen sind wir flexibel und können uns schnell anpassen“, erklärt Kugler. Je größer der Betrieb, desto komplexer werde auch die Organisation – etwa beim Planen des Schichtbetriebs, den der Geschäftsführer zu Beginn der Pandemie eingeführt hat.

„Damit nicht alle Mitarbeiter im gleichen Zeitraum zusammen arbeiten, kommen die einen morgens und die anderen mittags“, berichtet Kugler. Das funktioniere seinen Angaben zufolge gut. Was unter der Maßnahme leidet, sei der soziale Kontakt unter den Angestellten. „Die Frühstücks- und Mittagspausen können nicht mehr zusammen verbracht werden. Das ist natürlich schade.“

Jürgen Kugler, Geschäftsführer Braunwarth Aufrollsysteme GmbH: „Ich selbst bleibe optimistisch und versuche die Mitarbeiter regelmäßig bei jeder Änderung im Hinblick auf Regeln, Einschränkungen und Lockerungen zu informieren.“
Jürgen Kugler, Geschäftsführer Braunwarth Aufrollsysteme GmbH: „Ich selbst bleibe optimistisch und versuche die Mitarbeiter regelmäßig bei jeder Änderung im Hinblick auf Regeln, Einschränkungen und Lockerungen zu informieren.“ | Bild: Privat

Jürgen Kugler erlebt unter seinen Mitarbeitern seit einigen Wochen eine Art „Corona-Müdigkeit“. Es herrsche Unsicherheit über Urlaubspläne und die Zukunft im Allgemeinen. Deswegen sieht Kugler es als seine größte Aufgabe, seine Angestellten bei Laune zu halten. „Ich selbst bleibe optimistisch und versuche die Mitarbeiter regelmäßig bei jeder Änderung im Hinblick auf Corona-Regeln, Einschränkungen und Lockerungen zu informieren“, sagt Kugler.

Bisher sei das Industrieunternehmen ohne große wirtschaftliche Schwierigkeiten durch die Pandemie gekommen. „Die Auftragslage 2020 war super, wir haben keinen Unterschied gemerkt“, so Kugler. Erst seit Februar gebe es einen leichten Rückgang der Aufträge. Seitdem befinden sich auch die Mitarbeiter in Kurzarbeit. Der Geschäftsführer gehe aber davon aus, dass sich die Lage bald wieder ins positive verändert.

„Ich denke, wir werden positiv gestärkt aus der Krise herausgehen. Und wir werden künftig wissen, wie schnell eine Krise kommen kann und uns darauf entsprechend vorbereiten.“
Jürgen Kugler, Geschäftsführer Aufrollsysteme Braunwarth
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Überlinger Softwareunternehmen kann wegen Corona kaum Schulungen für Kunden anbieten

Homeoffice und digitale Konferenzen gehören seit Beginn der Corona-Pandemie im Softwareunternehmen Dr. Pfau Fernwirktechnik in Überlingen zum Arbeitsalltag. Andreas Pfau, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Schwiegervater leitet, betont: Die Krise mache zwar einiges umständlicher, bringe aber auch Vorteile mit sich.

So habe sich etwa das Homeoffice bei Pfaus Mitarbeitern etabliert und auch Fahrtwege zu Kunden – etwa nach Norddeutschland – fallen weg. Das spare Zeit und Geld. Der Geschäftsführer betont allerdings: „Die soziale Komponente leidet bei den virtuellen Treffen sehr.“

Andreas Pfau an seinem Arbeitsplatz am Esstisch zu Hause: Seit März befinden sich alle Mitarbeiter des Überlinger Softwareunternehmens Dr. Pfau Fernwirktechnik im Homeoffice.
Andreas Pfau an seinem Arbeitsplatz am Esstisch zu Hause: Seit März befinden sich alle Mitarbeiter des Überlinger Softwareunternehmens Dr. Pfau Fernwirktechnik im Homeoffice. | Bild: Privat

Pfau weiß, dass sein Unternehmen als Teil der Software-Dienstleistungs-Branche in diesen Zeiten glücklich schätzen kann. Denn: „Die meisten Arbeiten können wir für unsere Kunden von zu Hause aus erledigen.“ Schwierig werde es momentan nur bei Schulungen, die Pfau und seine Mitarbeiter zusätzlich zu weiteren Leistungen normalerweise anbieten.

Andreas Pfau, Geschäftsführer Dr. Pfau Fernwirktechnik GmbH: „Die meisten Arbeiten können wir für unsere Kunden von zu Hause aus erledigen.“
Andreas Pfau, Geschäftsführer Dr. Pfau Fernwirktechnik GmbH: „Die meisten Arbeiten können wir für unsere Kunden von zu Hause aus erledigen.“ | Bild: Privat

Viele Kunden möchten keine digitalen Schulungen, berichtet Pfau. Das führe dazu, dass für ihn und seine Mitarbeiter mehr Arbeit im Bereich „Support“ nötig wird. „Wenn Probleme auftauchen, können sie unsere Kunden oft nicht alleine lösen, weil sie eben zuvor keine Schulung hatten. Also kommt die Arbeit wieder zu uns zurück“, erklärt Pfau.

„Wir hoffen, dass im Herbst das Thema mit den Impfungen durch ist und wir uns dann wieder unter normalen Umständen wieder mit Kunden treffen können.“
Andreas Pfau, Geschäftsführer Dr. Pfau Fernwirktechnik GmbH

Große Umsatzverluste habe das Softwareunternehmen in der Corona-Krise bisher nicht gemacht. Auch auf das Instrument der Kurzarbeit musste Pfau für seine Angestellten nicht zurückgreifen. „Uns geht es wirtschaftlich gut“, sagt er. Für die Zukunft hat Pfau dennoch einen Wunsch: Er möchte wieder von Angesicht zu Angesicht mit seinen Kunden und Mitarbeitern sprechen können.

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