Wie könnte man in diesen veranstaltungslosen, pandemiegeschüttelten Zeiten besser fürs Theater werben als mit einem Stückchen Theater für zuhause: Das dachte sich der Förderverein Sommertheater Überlingen und machte aus dem Stück „Krone der Schöpfung“ seines Mitglieds Harald Lenski kurzerhand eine rund 45 Minuten lange Hörspielfassung. Gegen eine Spende an den Förderverein kann man es als CD erwerben oder herunterladen – der Richtwert beträgt 10 Euro.

Die aus Überlingen stammende Schauspielerin Barbara Stoll, auch bekannt als die Stimme des Kulturkanals arte, gibt ihre unverwechselbare und mehrfach preisgekrönte Stimme der Kanzlerin Muskel.
Die aus Überlingen stammende Schauspielerin Barbara Stoll, auch bekannt als die Stimme des Kulturkanals arte, gibt ihre unverwechselbare und mehrfach preisgekrönte Stimme der Kanzlerin Muskel. | Bild: Sylvia Floetemeyert

Ehrenamtliche Mitwirkende aus dem Umkreis des Fördervereins

Joachim Scholz, der die Sache in die Hand nahm, konnte kurzerhand eine Reihe ehrenamtlicher Sprecherinnen und Sprecher aus dem Umkreis des Fördervereins gewinnen. Darunter sind bekannte Namen wie die Schauspielerin Barbara Stoll, deren Stimme aus dem SWR-Fernsehen und dem deutsch-französischen Kulturkanal Arte einem großen Publikum bekannt ist, Matthias Zimmermann, der als begnadeter Hobby-Kabarettist in Überlingen schon oft begeisterte – und die ehemalige Oberbürgermeisterin Sabine Becker.

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Überlingens Alt-Oberbürgermeisterin Sabine Becker, gebürtige Kölnerin, verkörpert eine Gesundheitsministerin mit Kölschem Slang.
Überlingens Alt-Oberbürgermeisterin Sabine Becker, gebürtige Kölnerin, verkörpert eine Gesundheitsministerin mit Kölschem Slang. | Bild: Stefan Hilser

Es geht auch um ein politisches Drama

Sabine Becker verkörpert eine Gesundheitsministerin mit Kölschem Slang, Zimmermann, im wahren Leben Amtstierarzt beim Landkreis Sigmaringen, den bayrisch sprechenden Landwirtschaftsminister Schnitzel und Stoll mimt Kanzlerin Muskel. Diese Rollen zeigen: Es spielt sich hier (auch) ein politisches Drama ab. Das allein könnte schon den Untertitel „Ein Stück ganz normaler Wahnsinn“ erklären. Doch es geht um weit mehr: um die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Schon das Cover macht Appetit auf die CD: Profis wie Barbara Stoll oder Hobby-Kabarettist Matthias Zimmermann sind ebenso zu hören wie viele wohlbekannte Überlinger.
Schon das Cover macht Appetit auf die CD: Profis wie Barbara Stoll oder Hobby-Kabarettist Matthias Zimmermann sind ebenso zu hören wie viele wohlbekannte Überlinger. | Bild: Carola Riester

Stück geprägt von jeder Menge schwarzem Humor

„Corona“ heißt auf Deutsch bekanntlich Krone, und somit ist der Titel des Stücks bewusst doppeldeutig. Bereits zu Beginn der Krise 2020 schrieb Lenski die Szenen zusammen. Dennoch wirken sie topaktuell, was wohl auch daran liegt, dass mittlerweile der „ganz normale Wahnsinn“ die Realität eingeholt hat. Oder wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass dem „Minister Verkehr“ in der Krisenbekämpfung einmal eine zentrale Rolle zufallen könnte? Mehr soll hier über den Inhalt, der jede Menge schwarzen Humor enthält, aber nicht verraten werden.

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Mitwirkende sprachen Rollen zuhause ein

Die Mitwirkenden haben übrigens ganz coronakonform gearbeitet: Jede und jeder sprach im eigenen Kämmerlein die jeweilige Rolle ein, Joachim Scholz fügte dann alles zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Die Hälfte der Leute kenne sich untereinander gar nicht persönlich, berichtet er. Die Einzigen, die regelmäßig direkt miteinander zu tun hatten, waren Scholz und Lenski.

Matthias Zimmermann, im wahren Leben Amtstierarzt im Kreis Sigmaringen, gibt den bayerisch sprechenden Landwirtschaftsminister Schnitzel.
Matthias Zimmermann, im wahren Leben Amtstierarzt im Kreis Sigmaringen, gibt den bayerisch sprechenden Landwirtschaftsminister Schnitzel. | Bild: Hanspeter Walter
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„Schalltoten Raum“ aus Wäscheständern und Handtüchern gebastelt

Lenski, Physiker im Ruhestand, der selbst auch den Part des Verkehrsministers übernahm, erzählt schmunzelnd: „Die größte Herausforderung für mich war, einen schalltoten Raum zu basteln.“ Er schaffte es mithilfe einer Konstruktion aus Wäscheständern und Handtüchern. Scholz erklärt, man könne beim Bearbeiten problemlos Töne hinzufügen, störende Hintergrundgeräusche während der Aufnahme aber im Nachhinein kaum entfernen. „Krone der Schöpfung“ ist bereits das vierte Theaterstück aus der Feder von Harald Lenski, der sich, wie er sagt, schon immer für Literatur interessierte. Das Hörspiel kann man unter der Adresse des Sommertheater-Fördervereins bestellen oder herunterladen.