Seit dem 16. Dezember durften Einzelhändler ihre Ladentüren nicht mehr öffnen. Nicht einmal bestellte Ware durften sie kontaktlos vor Ort an den Kunden übergeben. Nur in Form eines eigenen oder offiziellen Lieferdienstes durften sie Waren den Kunden bringen.

Durch diese Maßnahme wollte die baden-württembergische Landesregierung Menschenansammlungen vor Geschäften und Ansteckungen mit dem Coronavirus verhindern. „Abholmöglichkeiten und Schlangen vor den Läden wären kontraproduktiv“, sagte ein Regierungssprecher vor Verschärfung des Lockdowns in der Woche vor Heiligabend.

Gewerbeschein als Türöffner im Lockdown

Eine Sonderregelung gibt es bislang aber für Verkaufsstätten für Baustoffe und Gartenbaubedarf sowie Groß- und Baumärkte. Denn wer einen Gewerbeschein hat, kann weiterhin dort einkaufen, so auch beim OBI-Baumarkt in Überlingen.

„Wir sind angehalten, die Gewerbescheine bei der Warenübergabe hier am Tor zu kontrollieren“, sagt Uwe Beck, Leiter des OBI-Baumarkts in Überlingen.
„Wir sind angehalten, die Gewerbescheine bei der Warenübergabe hier am Tor zu kontrollieren“, sagt Uwe Beck, Leiter des OBI-Baumarkts in Überlingen. | Bild: Cian Hartung

Angeforderte Ware wird dort nach Bestellung an einem Bauzaun vor dem Markt übergeben. „Wir sind angehalten, die Gewerbescheine bei der Warenübergabe hier zu kontrollieren“, erklärt Uwe Beck, Leiter des OBI-Baumarkts in Überlingen. Laut Beck gäbe es auch Kunden ohne den Ausweis, die am Telefon verhandelten, um Produkte vor der Ladentür zu kaufen. „Aber das können wir nicht machen“, so Beck, „wenn da eine Kontrolle kommt, würde das mehr Schaden anrichten, als der derzeitige Verkauf uns nützt.“

Bislang habe es keine Kontrollen vom Ordnungsamt gegeben, sagt er. Doch damit die Kunden nicht an die Ladentür kommen, wirbt er mit kostenfreiem Versand für die Kunden ab einem bestimmen Einkaufswert.

Versuchung zum Verkauf an der Ladentür

Mit einem ähnlichen Angebot möchte auch der Elektromarkt Expert Kunden dazu aufrufen, nicht zum Geschäft zu kommen. Entgegen SÜDKURIER-Informationen, dass in Ausnahmefällen auch vor der Ladentür geliefert worden sei, stellt André Grau von Briehl klar: „Selbst wenn Kunden zwei Straßen entfernt wohnen und knapp unter Grenze zur versandkostenfreien Bestellung liegen, machen wir eine Ausnahme und fahren dies aus.“ Die Versuchung, Produkte an der Ladentür zu verkaufen, gebe es natürlich. Doch dieser könne man widerstehen, sagt er.

Drogeriekette kann Abstinenz des Einzelhandels nutzen

Von den Lockdown-Maßnahmen konnte auch die Drogeriekette Müller profitieren. Diese durften weiterhin geöffnet bleiben. Doch das Sortiment des Geschäfts geht über die Drogerieprodukte hinaus. So waren bei Müller in der Christophstraße seit dem Lockdown beispielsweise Spielwaren weiter erhältlich, während direkt nebenan das Spielzeugland Broeski seit dem 16. Dezember mitten in der Vorweihnachtswoche vorerst schließen musste. „Sie können sich denken, was ich davon halte“, sagte Günter Broeski, Inhaber des Geschäfts, damals dem SÜDKURIER.

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Bei einer Filiale der Drogeriekette in Villingen hatte dieser Umstand für Protest bei den lokalen Einzelhändlern gesorgt. Erst auf Druck der Stadt und des Landratsamts schränkte der Drogeriemarkt das Verkaufsangebot ein. In Überlingen blieb ein solcher Protest seitens der benachteiligten Einzelhändler bislang aus.

Fahrradläden als Gewinner des zweiten Lockdowns

Auch im zweiten Lockdown kann man die Fahrradbranche als Gewinner bezeichnen. Denn laut der Corona-Verordnung durfte die Werkstatt geöffnet bleiben. Das freut Marc Weidemann, Inhaber der zwei gleichnamigen Fahrradgeschäfte in Überlingen. Aufgrund der hohen Nachfrage nach neuen Rädern hätte sich diese zum Jahreswechsel hin nun in eine die Nachfrage nach Ersatzteilen und Reparaturen verwandelt, erklärt Weidemann.

„Ich gehe davon aus, dass wir relativ früh wieder öffnen dürfen“, Marc Weidemann, Geschäftsführer des Fahrrad- und E-Bike-Centers in Überlingen.
„Ich gehe davon aus, dass wir relativ früh wieder öffnen dürfen“, Marc Weidemann, Geschäftsführer des Fahrrad- und E-Bike-Centers in Überlingen. | Bild: Kleinstück, Holger

Damit Kunden nicht auf die Idee kommen, Fahrräder in den Werkstätten auszuprobieren und anschließend kaufen zu wollen, seien diese weggesperrt, stellt Weidemann klar. Er meint: „Ich gehe davon aus, dass wir relativ früh wieder öffnen dürfen, da wir in Corona-Zeiten kontaktlose Mobilität ermöglichen und Busse und Bahnen als Transportmittel entlasten.“

Nicht alle Einzelhändler halten sich an Verkaufsverbot an Ladentür

Doch nicht alle Einzelhändler hielten sich streng an das verhängte Verkaufsverbot an der Ladentür. Ein Überlinger Ladenbetreiber, der aus Angst vor Konsequenzen namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt, dass er Stammkunden derzeit Waren an der Tür übergebe. Ihm kommt es nun entgegen, dass ab Montag, 11. Januar, wenigstens an der Ladentüre bestellte Ware wieder ausgegeben werden darf.

Bei der Verfolgung von Verstößen gegen die Corona-Verordnungen werde im Einzelfall gegebenenfalls auch die Landespolizei um Amtshilfe gebenten, so die Pressestelle der Stadt Überlingen (Archivfoto).
Bei der Verfolgung von Verstößen gegen die Corona-Verordnungen werde im Einzelfall gegebenenfalls auch die Landespolizei um Amtshilfe gebenten, so die Pressestelle der Stadt Überlingen (Archivfoto). | Bild: Cian Hartung

Darauf konnte er bisher schon nicht ganz verzichten. Zu prekär sei seine derzeitige finanzielle Lage. Er sei auf jedes verkaufte Produkt angewiesen, meint er. „Eigentlich dürften wir das gar nicht“, gibt er zu und zeigt, wie er die Ware im Hauseingang normalerweise übergibt. Noch sei er damit nicht erwischt worden, meint er. Doch in diesem Falle drohen ihm laut des Bußgeldkatalogs des Landes ein Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro.

Wie reagiert das Ordnungsamt auf Verstöße gegen das Verkaufsverbot an der Ladentür?

Der Verkauf an der Ladentür im Lockdown ist der Stadtverwaltung laut der Pressestelle nicht bekannt, schreibt sie auf SÜDKURIER-Anfrage. Sie teilt aber mit: „Sofern bei der Stadtverwaltung entsprechende Verstöße gemeldet werden, erfolgt im Einzelfall auch eine Überprüfung.“

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Die Pressestelle bestätigt, dass die Stadt Überlingen und das Ordnungsamt ihren Aufgaben zur Kontrolle der Maßnahmen – unter zielgerichteter Einteilung der personellen Ressourcen – nachkomme. „Bei der Verfolgung von Verstößen gegen die Corona-Verordnungen im Einzelfall wird gegebenenfalls auch die Landespolizei um Amtshilfe ersucht, um die notwendigen Maßnahmen zeitnah in die Wege zu leiten.“