Sabine Busse

Georg Schömer wohnt in Nußdorf und ist passionierter Fahrradfahrer. Im Sommer legten seine Frau und er über 1000 Kilometer von der Loire-Mündung bis nach Überlingen per Rad zurück. Bei der Reise haben ihn die vielfach neu angelegten Radwege in Frankreich positiv überrascht. „Alles gut ausgeschildert, kindgerecht und sehr fahrradfreundlich“, berichtet er. „Es ist traurig, wenn man das mit unseren Verhältnissen vergleicht.“

Georg Schömer möchte nicht anprangern, sondern sich konkret bei der Verbesserung einbringen. „Ich schlage eine Fahrradstraße von Überlingen Seglergemeinschaft bis zum Anschlusspunkt an die Landesstraße 201 in Uhldingen-Mühlhofen vor“, schrieb er in einer Mail an den Überlinger Oberbürgermeister Jan Zeitler. Einen Plan über den möglichen Streckenverlauf fügte er gleich mit an. Von seiner Idee ist er felsenfest überzeugt. „Es gibt keine Argumente, die dagegen sprechen“, schrieb er gleich noch dazu.

Aushängeschild für die Region

Es dauerte etwas bis Georg Schömer eine Antwort erhielt. In der Zwischenzeit erläuterte er dem SÜDKURIER seine Idee und die Intention. Die vom ihm vorgeschlagene Fahrradstraße soll beim Osthafen beginnen und den Strandweg entlang bis zum Strandbad Nußdorf führen. Weiter ginge es über die Straße Zum Hecht.

Auf der Straße Zum Hecht sind ganzjährig viele Fahrradfahrer unterwegs.
Auf der Straße Zum Hecht sind ganzjährig viele Fahrradfahrer unterwegs. | Bild: Sabine Busse

Dann könnte es am Schloss Maurach vorbei gehen, statt durch den engen Durchgang.

Zurzeit müssen sich Radfahrer und Fußgänger den engen Durchgang hinter dem Gebäude von Schloss Maurach teilen. Kaum ein Radfahrer steigt ...
Zurzeit müssen sich Radfahrer und Fußgänger den engen Durchgang hinter dem Gebäude von Schloss Maurach teilen. Kaum ein Radfahrer steigt hier ab. | Bild: Sabine Busse

Schließlich würde die Straße über die Straße Birnau-Maurach bis zur Anschlussstelle an die L 201 in Uhldingen Mühlhofen führen. „Eine so lange Fahrradstraße wäre ein werbewirksamer Aspekt und ein gutes Aushängeschild für die Region“, ist Schömer überzeugt. Schließlich würde sie einen Teil des Bodensee-Radwegs einbeziehen, eine der meistbefahrenen Strecken dieser Art in Deutschland. „Es geht auch um die Signalwirkung, welchen Stellenwert das Fahrrad hier einnimmt“, ergänzt er.

Was ist überhaupt eine Fahrradstraße?

Es gibt keine allgemeingültige Definition, wie eine Fahrradstraße auszusehen hat. Grundsätzlich gilt, dass sie gekennzeichnet sein muss und vorrangig von Radfahrern genutzt werden darf.

Autos haben sich den Zweirädern unterzuordnen und dürfen nur nach festgelegten Ausnahmen, wie beispielsweise Anwohner, die Straße nutzen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt in jedem Fall 30 Stundenkilometer und die Fußgänger bekommen einen separaten Bereich.

Durch die Öffnung des Mauracher Tors

Der Verlauf der von Georg Schömer vorgeschlagenen Fahrradstraße nutzt auf Überlinger Gemeindegebiet vor allem bereits bestehende Straßen. Eine Engstelle gibt es zurzeit für die Radler beim Schloss Maurach, das auf dem Gebiet der Gemeinde Uhldingen-Mühlhofen liegt. Hier plädiert Schömer für eine Durchfahrt durch den Torbogen, wie es vor Jahren für den Autoverkehr möglich war.

Nach dem Bau der Umgehungstraße war das Tor durch den Mauracher Hof, die Landwirtschaft der Birnauer Zisterziensermönche, noch Jahre ...
Nach dem Bau der Umgehungstraße war das Tor durch den Mauracher Hof, die Landwirtschaft der Birnauer Zisterziensermönche, noch Jahre offen. Heute ist der Innenhof beidseitig abgeriegelt. Georg Schömer würde die Strecke gerne für den Radverkehr wieder öffnen. | Bild: Sabine Busse

Einen besonderen Sicherheitsaspekt sieht er in der Umwidmung der langen geraden Route von Maurach zur Anschlussstelle der L 201 in Uhldingen. Hier wären die Autos oft viel zu schnell unterwegs, was gerade in der Dunkelheit eine Gefahr für Radfahrer bedeute.

Das sagen die Kommunen zu Schömers Idee

Der SÜDKURIER hat bei beiden Gemeinden nachgefragt, was sie von Georg Schömers Idee halten. Die Pressestelle der Stadt Überlingen antwortete: „Wir sind dabei, die Anregung von Herrn Schömer zu prüfen und werden diese auch im Arbeitskreis Radverkehr thematisieren.“ Eine etwas ausführlichere Antwort erhielt er von der Abteilung Öffentliche Ordnung. Man werde sich „diesem speziellen Thema annehmen“, schrieb Helmut Köberlein, Leiter der Abteilung Tiefbau.

Uhldingen ist bereits aktiv

In Uhldingen-Mühlhofen ist man schon weiter. Bürgermeister Dominik Männle schreibt, dass sie bereits im Februar dieses Jahres für den Abschnitt zwischen dem Bahnübergang Birnau-Maurach bis zum Drehkreuz B31/L201 bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde des Landratsamts die Einrichtung einer Fahrradstraße beantragt hätten. „Wir rechnen damit, dass hier bald eine Entscheidung getroffen wird. Einer möglichen Weiterführung zur Gemarkung Nußdorf stehen wir offen gegenüber“, informiert der Text weiter.

Dominik Männle, Bürgermeister von Uhldingen-Mühlhofen.
Dominik Männle, Bürgermeister von Uhldingen-Mühlhofen. | Bild: Foto Lauterwasser

Auch die Öffnung des Mauracher Tors befürwortet der Uhldinger Bürgermeister. Allerdings wäre wegen vertraglicher Bindungen keine Veränderung vor 2025 möglich. Daher habe man bereits die Verlegung des Radwegs auf die andere Seite der Bahnlinie geprüft, was aus Gründen des Naturschutzes gescheitert sei. Zurzeit führt der Weg Fußgänger und Radfahrer hinter dem Gebäude durch eine enge Gasse. Das Schild, das die Zweiradfahrer bittet abzusteigen, zeigt nur selten Wirkung.

Schömer: Das Geld sollte nicht das Problem sein

Georg Schömer rennt in Uhldingen-Mühlhofen also offene Türen ein. Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Überlinger Verwaltung dazu stellt. Nicht selten scheitern solche Vorschläge an den Kosten, die die Kommunen aufbringen müssen. Darauf angesprochen winkt Georg Schömer ab.

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Für ihn ist das vor allem eine Frage der Priorisierung. „Wenn es als notwendig erachtet wird, dann gibt es auch die Mittel“, sagt der Dozent für Sozialpsychologie. Dafür lieferten der Straßenverkehr und die Infrastruktur für Autos lauter gute Beispiele. Für ihn fehlt es weniger am Geld als dem Willen grundsätzlich etwas zu ändern.