Die Akustik war gar nicht schlecht, als das Heinrich-Schütz-Vocalensemble des evangelischen Kirchenbezirks unter der Leitung von Thomas Rink anhob zu Christoph Graupners Barocker Kantate „Also hat Gott die Welt geliebet“. Doch spätestens wenn mal wieder einige Autos auf der Landesstraße vorbeidüsten oder ein Hubschrauber am Himmel knatterte, wurde dem Auditorium bewusst, dass sich das musikalische Geschehen in der Fahrzeughalle der Firma Villieber im Owinger Gewerbegebiet abspielte.

Kreativ, wie er ist, hatte der Bezirkskantor hier mit Unterstützung seiner Sänger für kurze Zeit einen improvisierten Konzertsaal geschaffen. Gut 50 Zuhörer genossen die Musik, doch das ungewöhnliche Gastspiel hätte noch ein paar Mutige mehr verdient gehabt, die den geistlichen Ausflug in das allzu Weltliche riskierten.

Plexiglaswände zwischen den Sängerinnen und Sängern. Bezirkskantor Thomas Rink dirigierte, Tina Speckhofer spielte die Truhenorgel.
Plexiglaswände zwischen den Sängerinnen und Sängern. Bezirkskantor Thomas Rink dirigierte, Tina Speckhofer spielte die Truhenorgel. | Bild: Hanspeter Walter

Es war alles angerichtet. Der Zugang zum Gelände war der Pandemie geschuldet abgesperrt, der QR-Code für die Luca-App zum Einchecken neben dem Durchgang und die alternativen Zettel zur Registrierung der Personalien waren bereit. Ebenso die roten Klebepunkte, die eines der drei Gs bescheinigten und den Zutritt zur Fahrzeughalle freimachten. Andere hörten auch von draußen nur unwesentlich schlechter.

Gesundheitsamt definiert offene Halle als geschlossenen Raum

„Unter ungewöhnlichen Umständen“ hieß Thomas Rink das Publikum an diesem Abend willkommen. Er bedankte sich bei der Familie Villieber, die das Gastspiel geistlicher Musik im Gewerbegebiet überhaupt erst möglich gemacht habe. Rink: „Das ist nicht selbstverständlich. Aber für uns eine große Chance und große Freude.“ Man müsse das Gesundheitsamt ja nicht unbedingt verstehen, wenn es die offene Fahrzeughalle als geschlossenen Raum definiere, stichelte Rink, trug es aber mit Fassung und hatte daher für das Publikum die erforderlichen Hinweise zur Maskenpflicht angebracht. „Lassen Sie sich davon nicht die Freude an der Musik und an dem Abend verderben“, erklärte er. Doch das hatte offensichtlich gar niemand vor.

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Sänger positionieren sich auf Laderampe und zwischen Plexiglasscheiben

Josef Villieber hatte seinen ganzen Fuhrpark am Rande des Areals aufgestellt und die Lastwagen standen quasi Spalier für Musiker und Zuhörer. Lediglich ein Tieflader war am hinteren Ende der Fahrzeughalle platziert und der Veranstalter hatte darauf Trennwände aus Plexiglas aufgestellt. Schließlich konnten die Sänger nicht den vorgeschriebenen Corona-Abstand einhalten. Noch mehr Vorsicht walten lassen mussten die Solistinnen und Solisten des Ensembles, wenn sie zu ihren Auftritten über die Laderampe nach unten balancieren mussten, um sich in das fiktive Rampenlicht nahe der Truhenorgel von Tina Speckhofer zu stellen.

Die Lastwagen waren ausgezogen und standen quasi Spalier.
Die Lastwagen waren ausgezogen und standen quasi Spalier. | Bild: Hanspeter Walter

Dann waren die schwierigen Umstände allerdings schon vergessen. Der Gesang und die instrumentale Begleitung des Heinrich-Schütz-Consorts schwebten mit den barocken Kantaten über allem und erhielten am Ende auch den verdienten Beifall des Publikums. Zurück zum gewohnten sakralen Umfeld kehren die Ensembles am Samstag, 18. September, mit der 54. Überlinger Vesper in der Auferstehungskirche (18 Uhr).

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