Wie es aussieht, ist die Aktion des Internationalen Bodensee-Clubs (IBC) einzigartig: Selbst in einer bundesweiten Übersicht aktueller Präsentationen großer Galerien und Museen findet sich keine Ausstellung, in der Künstler die Folgen der Corona-Krise in ihren Arbeiten thematisieren. Doch genau das macht der IBC.

Industrielle Fleischproduktion und zunehmende Gewalt gegenüber Polizei

Die Galerie Gunzoburg präsentiert in der zweiten Runde ihrer Ausstellungsreihe „Mit Kunst aus der Krise„ 35 Arbeiten von insgesamt 16 Künstlern des IBC, alle mit Bezug zur Corona-Pandemie. So konfrontieren die Arbeiten von Alicja Kosmider den Betrachter mit zwei Problembereichen, die sich in der Corona-Zeit verschärft haben: zum einen die industrielle Fleischproduktion, Massentierhaltung und Schlachtung, zum anderen das zunehmende Gewaltpotenzial gegenüber der Polizei. „Die Normalität vor der Krise war auf lange Sicht tödlicher als der Virus„, kommentiert die Künstlerin ihre Arbeiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mutter Natur als aufbauende Kraft hinter aller Zerstörung

Die Bilder von Joanna Klakla beschwören Mutter Natur, die trotz massiver Übergriffe aufbauende Kraft hinter aller Zerstörung zur Verfügung stellt. Elena Zipser gibt den Blick frei auf eine recht intime Szene: ein Mann und eine Frau gemeinsam in der Badewanne, eng umschlungen. Die Künstlerin kommentiert: „Wir tauchen zwar ab, mein Liebster, aber wir gehen nicht unter.“

Kerstin Stöckler greift zur Kettensäge

In dem Wandobjekt „Hoffnung“ von Carola Weber-Schlak, wird ein aus grünen Kartonstreifen hergestelltes Gewebe gewaltsam aufgerissen. „Heilung kann das einstudierte Muster zwar wiederherstellen, aber auch neue Varianten, vielleicht bessere, sind möglich“, sagt Carola Weber-Schlak. Kerstin Stöckler, bekannt durch kleine, filigrane Figuren aus Papier, nimmt plötzlich die Kettensäge zur Hand und arbeitet eine lebensgroße Figur aus einem Holzstamm heraus: eine kraftvolle, ungewöhnliche Reaktion auf Verbote und Stillstand, „eine Skulptur nicht mit Fingerspitz“, wie sie sagt.

Die Ausstellung in der Galerie Gunzoburg läuft bis Sonntag, 26. Juli. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag sowie sonntags 14 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 13 Uhr. An den Wochenenden sind die Künstler abwechselnd anwesend.