„Ich kann Ihnen keine positive Sozialprognose ausstellen“, schloss Richter Alexander von Kennel die Verhandlung am Überlinger Amtsgericht mit deutlicher Frustration in der Stimme. Zuvor hatte er den 27-jährigen Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Der junge Mann, der zurzeit in der Justizvollzugsanstalt Freiburg einsitzt, hatte gestanden, 2019 in Heidelberg eine Drohne für rund 2900 Euro per Ratenvertrag gekauft zu haben – wohl wissend, die Summe nicht aufbringen zu können. Bei der Befragung durch den Richter räumte der Beschuldigte eine hohe Schuldenlast ein und dass er nie vorhatte, mehr als die erste Rate beim Kauf zu entrichten. Damit machte er sich des Betrugs schuldig.

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Immer wieder neue Schulden

Seine hohe Verschuldung von 50 000 Euro nannte der Angeklagte, als Richter von Kennel ihn nach einigen persönlichen Informationen und seinem Lebensweg befragte. Der ledige Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit gab an, einen Hauptschulabschluss erlangt zu haben. Die anschließende Lehre habe er abgebrochen. Das Arbeitsamt ermöglichte ihm später, einen Lkw-Führerschein zu machen und als Lastkraftfahrer zu arbeiten. Obwohl er noch bei den Eltern wohnte, verschuldete er sich immer mehr durch Handyverträge und andere Ausgaben. Auf die Frage, warum er so eine teure Drohne kaufen wollte, trotz seiner Schulden, lautete die Antwort: „Weil es Spaß macht.“

Weitere Delikte und Verurteilungen hinzuaddiert

Zu dem relativ hohen Strafmaß kam es, da weitere Delikte und Verurteilungen hinzuaddiert wurden. So stand der Angeklagte bereits zum sechsten Mal wegen Betrugs vor Gericht. Anfangs erhielt er zur Bewährung ausgesetzte Strafen, mittlerweile ist er im Gefängnis.

Zu den letzten Vergehen des 27-Jährigen gehört ein Computerbetrug. Im Sommer 2019 bestellte er in einem Online-Shop ein Handy für 600 Euro und unter falschem Namen und fremder Rechnungsadresse. Wenig später entwendete er zweimal aus den Lkw eines Transportunternehmens Tankkarten und befüllte Tanks und Kanister mit insgesamt über 600 Liter Diesel. Für diese Vergehen wurde er Anfang des Jahres in Villingen-Schwenningen verurteilt.

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Mit der Strafe von einem Jahr und vier Monaten blieb Richter von Kennel zwei Monate unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Maß. Dazu muss der 27-Jährige die Kosten für die Drohne, die er mittlerweile weiterverkauft hat, aufbringen und trägt die Gerichtskosten.

Erhebliche kriminelle Energie

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Richter werteten das Geständnis positiv, bescheinigten dem Angeklagten aber auch eine erhebliche kriminelle Energie. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden.

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