Die jährlichen Mitgliederversammlungen des „Forums Allmende„, so erfährt man im Internet, „finden in literarisch bemerkenswerten Orten der Region mit entsprechendem Begleitprogramm statt“. Dieses Jahr trifft sich die literarische Gesellschaft, 1998 in Konstanz gegründet und mit Sitz ebenda, vom 18. bis 20. September in Überlingen und Meersburg. „Die Wahl auf Überlingen fiel wegen der Landesgartenschau und dem Bodensee-Literaturpreis der Stadt, der am 20. September hätte verliehen werden sollen“, erläutert der Allmende-Vorsitzende Siegmund Kopitzki. „Aber Corona machte sowohl der Gartenschau, als auch der Preisverleihung einen Strich durch die Rechnung – beide Events sind bekanntlich auf 2021 verlegt worden.“

Aber nicht nur der Rechenschafts- und Kassenbericht, die Entlastung des Vorstands und ein Rückblick auf die Aktivitäten des eingetragenen Vereins stehen an. Forum Allmende verbindet die Versammlung immer auch mit einem gehaltvollen Beiprogramm. Vergangenes Jahr hatte sich Kopitzki, ehemaligen SÜDKURIER-Kulturredakteur, die vorarlbergische Gemeinde Hohenems ausgesucht gehabt.

Siegmund Kopitzki ist Vorsitzender des Forums Allmende. Er und seine Frau Waltraut Liebl stellen am Samstag, 19. September, ihr Buch „Überlingen literarisch“ vor – im Rahmen der „Langen Nacht der Literatur“, die während der dreitägigen Mitgliederversammlung stattfindet.
Siegmund Kopitzki ist Vorsitzender des Forums Allmende. Er und seine Frau Waltraut Liebl stellen am Samstag, 19. September, ihr Buch „Überlingen literarisch“ vor – im Rahmen der „Langen Nacht der Literatur“, die während der dreitägigen Mitgliederversammlung stattfindet. | Bild: Martin Baur

Größerer Teil der Karten für die Öffentlichkeit

Ungeachtet der Absage von Gartenschau und Preisverleihung sei die literarische Gesellschaft dennoch bei ihrer Entscheidung für Überlingen geblieben, erläutert Kopitzki, und habe, was den Literaturpreis angehe, aus der Not eine Tugend gemacht: Die diesjährige Preisträgerin, Monika Helfer, wird auf Einladung von Forum Allmende am Freitag, 18. September, in der Franziskanerkirche lesen. Aufgrund der Corona-bedingten hygienischen Maßnahmen, dürfen maximal 90 Personen die Veranstaltung besuchen. Ein Kartenkontingent ist für die Mitglieder reserviert, der größerer Teil steht jedoch der literarisch interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung (siehe Infokasten).

Buchvorstellung von „Überlingen literarisch“

Die Mitglieder von Forum Allmende werden aber auch Veranstaltungen der „Langen Nacht der Überlinger Literatur“ besuchen. Vorstandsvorsitzender Siegmund Kopitzki und Schriftführerin Waltraut Liebl, seine Ehefrau, werden am Samstag, 19. September, 16 Uhr, im Pfarrsaal ihre Anthologie „Überlingen literarisch“ vorstellen, für die die beiden Germanisten zwei Jahre lang Material aus acht Jahrhunderten durchforstet haben. Mit dabei im Pfarrsaal ist Manfred Bosch, Bodensee-Literaturpreisträger der Jahre 1978 und 1997. Der Literaturhistoriker, dem Martin Walser den Beinahmen „literarischer Sekretär der Region“ gab, gehört zu den Gründern des Forums, das seit 22 Jahren besteht.

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Lesung im Garten von Friedrich Georg Jünger

Einer der früheren Vorsitzenden des Forums Allmende war Oswald Burger, der weiterhin Mitglied des Vorstands ist. Der ehemalige Überlinger Stadtrat und überregional bekannte Literaturförderer gestaltet an dem Septemberwochenende zwei Programmpunkte – eine Lesung im Garten des ehemaligen Domizils von Friedrich Georg Jünger, außerdem hält er einen Vortrag über das Cotta-Archiv, das während des Zweiten Weltkriegs in Überlingen eingelagert war. Ein anderes Mitglied von Forum Allmende, Walter Rügert, referiert Details über den Internationalen Bodensee Club im „Gasthaus Krone“. Dort wurde der Verein 1950 gegründet. Im Spätherbst wird dazu sein Buch erscheinen.

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Meersburg als zweiten Versammlungsort

Die eigentliche Mitgliederversammlung der literarischen Gesellschaft findet in Meersburg in der „Gutsschänke“ statt. Zuvor führt Schriftstellerin Monika Taubitz, Mitglied im Forum Allmende und die erste Frau, die die Stadt Meersburg mit ihrer Ehrenbürgerwürde auszeichnete, die anderen Mitglieder durch das Fürstenhäusle. Dort lebte einst Annette von Droste-Hülshoff in ihren letzten Lebensjahren, die Dichterin der berühmten Novelle „Die Judenbuche“. Im 20. Jahrhundert kam das Fürstenhäusle durch Heirat in den Besitz des US-amerikanischen Models Helene Freifrau von Bothmer, die 1956 den Meersburger Droste-Preis stiftete, den ältesten deutschen Literaturpreis. Das außergewöhnliche Leben der Helene von Bothmer schilderte Taubitz in ihrer Bothmer-Biografie „Asche und Rubin“ – und gilt allgemein als profundeste Kennerin der Geschichte des Fürstenhäusles.