Das Coronavirus und die Auflagen zum Schutz vor Infektionen stellen zurzeit auch die Flüchtlingssozialarbeit vor große Herausforderungen. Die Aufgaben hat in Überlingen die Diakonie übernommen. Die Mitarbeiterinnen betreuen zum Beispiel die Neuankömmlinge in den Gemeinschaftsunterkünften in Owingen, Billafingen und Deisendorf. Dort leben zurzeit ungefähr 70 Personen, in den vergangenen Wochen kamen weiterhin neue hinzu. Für die Belegung ist das Landratsamt zuständig. „Wir bieten aktuell verkürzte Sprechzeiten an, aber es müssen auch Mitarbeiter der Diakonie und die Heimleitung vor Ort sein und ‚Notfallversorgung‘ leisten“, erklärt Dagmar Habisreuther.

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Die Sozialarbeiterin ist unter anderem für die Bewohner der neuen Anschlussunterkunft auf dem Schättlisberg zuständig. Ihr Büro dort kann sie zurzeit nicht nutzen, um persönliche Kontakte zu vermeiden. Die Fragen und Probleme der Bewohner sind aber weiter aktuell.

Bevor die ersten Flüchtlinge Ende Januar einzogen, besichtigten Mitglieder des Gemeinderats die neue Anschlussunterkunft auf dem Schättlisberg. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Corona-Verordnung. Das Büro der Diakonie sowie die Räume für die Angebote der ehrenamtlichen Helfer können aktuell nicht genutzt werden.
Bevor die ersten Flüchtlinge Ende Januar einzogen, besichtigten Mitglieder des Gemeinderats die neue Anschlussunterkunft auf dem Schättlisberg. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Corona-Verordnung. Das Büro der Diakonie sowie die Räume für die Angebote der ehrenamtlichen Helfer können aktuell nicht genutzt werden. | Bild: Sabine Busse

Zu den täglichen Unterstützungsleistungen gehört es, den Migranten bei der Erledigung administrativer Dinge zu helfen. Das sind zum Beispiel Anträge und Anfragen zum Arbeitslosengeld II sowie Formulare zum Asylbewerberstatus, Kindergeldanträge oder die Befreiung von Rundfunkgebühren. Mit dem Umzug von einer Gemeinschafts- in eine Anschlussunterkunft ändern sich auch einige Dinge bei der Leistungserbringung. „Je nach Status der Geflüchteten werden die Kosten unterschiedlich übernommen“, so Dagmar Habisreuther.

Sprachbarriere große Herausforderung

Die vielen Formulare, Regeln und Fristen stellen auch Menschen mit guten Deutschkenntnissen vor Herausforderungen. Wer nur geringe Sprachkenntnisse hat, ist überfordert. Um auch weiterhin zu helfen, müssen die Mitarbeiter der Diakonie kreativ werden und digitale Medien nutzen.

Dagmar Habisreuther schildert den Fall einer Klientin, die ihre Anerkennung erhalten hatte und nun einen Antrag bei der Krankenkasse stellen musste. „Das kann man online machen. Also hatte die Klientin den Antrag auf ihrem Smartphone geöffnet. Ich habe ihr die Anleitung zum Ausfüllen via WhatsApp auf Deutsch geschickt, die dann per Online-Übersetzter in ihre Muttersprache transferiert wurde“, schildert sie den Vorgang. „Ich hoffe, es hat funktioniert. Wir müssen gerade viel improvisieren!“

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Hilfe beim Ausfüllen von Unterlagen aktuell umständlicher

In anderen Fällen werfen die Flüchtlinge die Unterlagen in den Briefkasten der Diakonie. Dagmar Habisreuther versieht sie mit Klebenotizen und Hinweisen, wo was ausgefüllt werden muss und schickt sie zurück. Das sei langwierig, aber aktuell der einzige Weg.

Menschen haben teils existenzielle Ängste

Auf die Frage, welche Sorgen und Ängste die Flüchtlinge gerade beschäftigen, antwortet sie: „Die drehen sich schon um das Coronavirus.“ Dazu kämen auch – vielleicht sogar verstärkt – existenzielle Ängste. Auch beengte Wohnverhältnisse seien belastend sowie die Unsicherheit, was noch erlaubt ist. „Ganz schwierig ist für alle, dass durch die Kontaktsperre auch die deutsche Sprache in den Hintergrund rückt, da die Kontakte im sozialen Umfeld, wie die Arbeit oder ehrenamtliche Angebote, wegfallen oder sehr minimiert sind.“ Auch das gerade angelaufene Angebot durch ehrenamtliche Unterstützer auf dem Schättlisberg sei erst einmal gestoppt worden.

Die Raumgrößen in der Anschlussunterkunft entsprechen den Vorschriften. Für die aktuelle Situation, in der jeder möglichst zu Hause bleiben soll, ist das Platzangebot eine Herausforderung.
Die Raumgrößen in der Anschlussunterkunft entsprechen den Vorschriften. Für die aktuelle Situation, in der jeder möglichst zu Hause bleiben soll, ist das Platzangebot eine Herausforderung. | Bild: Sabine Busse

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