Wer eine Fremdsprache lernen und in einer neuen Heimat ankommen will, braucht Gesprächspartner. Die waren für Migranten in Überlingen in den vergangenen Monaten Mangelware. Die Sprachkurse und fast alle Initiativen von ehrenamtlichen Helfern mussten pausieren.

Bei Elke Dachauer (Zweite von links) laufen alle Fäden zusammen. Die Leiterin des Sachgebiets hat mit Akteuren des Runden Tisches, wie Ulrike Dittert (links) und Juan Diabuno (Dritter von links) „Deutsch To Go“ mit dem nötigen Abstand initiiert.
Bei Elke Dachauer (Zweite von links) laufen alle Fäden zusammen. Die Leiterin des Sachgebiets hat mit Akteuren des Runden Tisches, wie Ulrike Dittert (links) und Juan Diabuno (Dritter von links) „Deutsch To Go“ mit dem nötigen Abstand initiiert. | Bild: Sabine Busse

Elke Dachauer hatte die zündende Idee, wie Flüchtlinge und Neubürger unter Einhaltung der Abstandsregeln wieder mit Einheimischen ins Gespräch kommen: „Deutsch To Go“. Jeden Donnerstag ist die lange Bank am Mantelhafen Treffpunkt für Einheimische und Leute, die ihre Deutschkenntnisse verbessern wollen. Es werden Tandems gebildet, die dann entweder für eine knappe Stunde mit Abstand Platz nehmen oder zu einem Spaziergang aufbrechen. Dabei lernen sie sich kennen und gleichzeitig Vokabeln.

Offene Ohren am Runden Tisch

Elke Dachauer ist Leiterin des Sachgebiets Integration. Sie stellte das Format den Akteuren des Runden Tischs vor, wo sich regelmäßig haupt- und ehrenamtliche zum Thema Vielfalt in unserer Stadt austauschen. Sie traf auf offene Ohren und einige Freiwillige, die sich gleich auf die Liste setzen ließen.

Ulrike Clauder und Azat aus Krigisistan kamen direkt ins Gespräch.
Ulrike Clauder und Azat aus Krigisistan kamen direkt ins Gespräch. | Bild: Sabine Busse

pensionierte Russisch-Lehrerin trifft jungen Mann aus Kirgisistan

„Das hat Spaß gemacht. Wir treffen uns nächste Woche wieder!“, freut sich Ulrike Clauder. Die pensionierte Russisch-Lehrerin kommt gut gelaunt von ihrem Spaziergang mit Azat zurück. Der junge Mann aus Kirgisistan absolviert gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Camphill-Dorfgemeinschaft und hatte schon Deutschunterricht in der Schule. Die beiden kamen direkt ins Gespräch und wechselten nur manchmal, wenn ihnen ein Wort fehlte, kurz ins Russische. Der 26-jährige hat in seiner Heimat als Notfallmediziner gearbeitet und nutzt seinen Auslandsaufenthalt zur Selbsterkenntnis. Das Wort kommt ihm erstaunlich gut über die Lippen, zur Freude seiner Mentorin.

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Nahja aus Syrien ist heute zum zweiten Mal dabei. Letzte Woche habe sie mit ihrer Sprachpartnerin einen Cappuccino getrunken. „Das war sehr schön!“, berichtet sie. „Es ist schwer, in Übung zu bleiben, wenn man keinen Kontakt hat.“ Heute geht sie mit Mechthild Stolleis los, deren Sprachangebote für die Bewohner der neuen Anschlussunterkunft auf dem Schättlisberg gerade ausgesetzt sind.

Mechthild Stolleis (links) und Nahja Arab aus Syrien brechen zu ihrem Sprach-Spaziergang auf.
Mechthild Stolleis (links) und Nahja Arab aus Syrien brechen zu ihrem Sprach-Spaziergang auf. | Bild: Sabine Busse

Auch Midia kommt aus Syrien. Ihre zweijährige Tochter Elsa wurde in Deutschland geboren und besteht darauf, den Buggy beim Spaziergang selber zu schieben. Während sie mit ihrem Sprachpaten Carlos Göschl entsprechend gemächlich in den Schatten wandert, kommen weitere Interessenten bei der Bank an und für alle finden sich Gesprächspartner.

Bei zwei Terminen kamen je 14 Tandems zustande

„An beiden bisher stattgefundenen Terminen kamen jeweils 14 Sprachtandems zustande“, freut sich Elke Dachauer. Dabei seien nur wenige zum zweiten Mal dabei gewesen. „Am besten ist es, wenn die Leute sich nicht kennen, dann haben sie mehr Gesprächsstoff“, sagt die Organisatorin, die die Paare zusammenstellt. Sie ist überwältigt von der Resonanz und der Vielzahl an Interessenten. Besonders freut sie, dass sich spontan einige Muttersprachler gemeldet hätten, die bisher noch nicht als Helfer aktiv waren. Niemand müsse sich längerfristig verpflichten und neue Mentoren seien weiter willkommen.

Bisher haben Menschen aus England, Puerto Rico, Afghanistan, Syrien, Mexiko, Camerun, Peru, Kirgisistan und Chile teilgenommen und sich mit Überlingern über aktuelle Themen ausgetauscht.

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