„Wir sind ganz Feuer und Flamme.“ Ela und Simon Merzenich strahlen, wenn sie ihr Dinnele-Lokal „Feuer und Flamme“ beschreiben. Sie haben es in der Tenne einer Fachwerkscheune aus dem Jahr 1890 in der Straße „Zum Kretzer“ direkt am Bodensee-Radwanderweg eingerichtet. Das Lokal bietet ausschließlich Sitzplätze unter freiem Himmel. Mitten in der Corona-Pandemie ist das Ehepaar das Wagnis eingegangen, hat einen Holzbackofen angeschafft und Mitarbeiter eingestellt.

Die Zutaten kommen aus der Region

Die Gäste können aus rund einem Dutzend verschiedener Dinnele wählen oder sich aus regionalen Zutaten ihre Dinnele selbst zusammenstellen und dann verfolgen, wie diese zubereitet und bei 340 Grad im Steinbackofen gebacken werden. Die Zutaten für diese alemannischen Spezialitäten stammen aus der Region. „Uns ist es wichtig, alle Zutaten in bester Qualität anzubieten und möglichst nachhaltig zu sein. Die Bodenseeregion hat viel Gutes zu bieten“, sagt Ela Merzenich, die ihren Beruf als Lehrerin für das gemeinsame Unternehmen aufgegeben hat.

Direkt am Bodensee-Radwanderweg steht die Tenne, in der sich „Feuer und Flamme“ niedergelassen hat. Weil die Gäste unter freiem Himmel sitzen, ist das Lokal nur bei gutem Wetter geöffnet.
Direkt am Bodensee-Radwanderweg steht die Tenne, in der sich „Feuer und Flamme“ niedergelassen hat. Weil die Gäste unter freiem Himmel sitzen, ist das Lokal nur bei gutem Wetter geöffnet. | Bild: Kleinstück, Holger

Simon Merzenich ist sonst mit mobilen Ständen unterwegs

Bereits im Jahr 2004 hat Simon Merzenich seine Leidenschaft für Dinnele entdeckt, backt seitdem mit Herzblut die alemannische Spezialitäten im Holzofen. Mit mobilen Ständen ist der 40-Jährige unterwegs, seit 2009 arbeitet er als Selbstständiger und hat sein Unternehmen zügig vergrößert. „Wir haben immer mehr Bedarf entdeckt und weitere Stände angeschafft“, erläutert der Vater von vier Kindern.

Inhaber Simon Merzenich entnimmt dem Holzbackofen ein Dinnele. Bis zu zehn dieser alemannischen Spezialitäten können gleichzeitig gebacken werden, am Tag bis zu Tausend.
Inhaber Simon Merzenich entnimmt dem Holzbackofen ein Dinnele. Bis zu zehn dieser alemannischen Spezialitäten können gleichzeitig gebacken werden, am Tag bis zu Tausend. | Bild: Kleinstück, Holger

Im Sommer ist er auf Festivals insbesondere in der Schweiz anzutreffen, im Winter beliefert er Weihnachtsmärkte unter anderem in Städten, in denen Dinnele relativ unbekannt sind, wie in Leverkusen und Mannheim. „Wir sind relativ viel in der Schweiz bei Open Airs und Festivals. Die haben sich alle über unsere Spätzle und Dinnele gefreut“, sagt Merzenich.

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In der Corona-Zeit lag sein Geschäft komplett brach

Er sei in seinen jetzigen Beruf „einfach so reingewachsen“, erzählt er. „Ich war früher an einem Dinnelestand als Mitarbeiter tätig.“ Dann entdeckte der gebürtige Niedersachse, „dass ich ganz gut aus einem fahrenden Stand verkaufen kann“. Als gelernter Zimmermann war er in der Lage, seine Stände selbst zu bauen. Bis Februar 2020 war er mit vier Ständen saisonal unterwegs. „Aber dann kam Corona und hat unser Geschäft komplett brachliegen lassen“, sagt Simon Merzenich. Eine Reißleine wollte er trotzdem nicht ziehen, „um ganz schnell etwas anders finden zu müssen“.

Den Namen „Feuer und Flamme“ haben die Betreiber bewusst gewählt: Die Speisen werden mit Leidenschaft und Energie im Feuer des Holzofens direkt vor den Augen der Gäste gebacken.
Den Namen „Feuer und Flamme“ haben die Betreiber bewusst gewählt: Die Speisen werden mit Leidenschaft und Energie im Feuer des Holzofens direkt vor den Augen der Gäste gebacken. | Bild: Holger Kleinstück

Etwas Glück war dann den Merzenichs hold, „denn der Laden kam gewissermaßen zu uns und wurde uns angeboten“: Ein neuer Pächter wurde für die ehemalige „Tenne“ gesucht. „Als wir mit unserem Vorschlag mit den Dinnele kamen und wie wir alles gestalten wollten, stieß das schon mal auf Begeisterung.“ Dennoch die Pläne standen einige Zeit auf Messers Schneide. So tauchte die Frage auf, ob das wohl mit dem Holzofen in der Tenne funktionieren werde? Nachdem klar war, dass dies funktionieren wird, reservierte das Paar einen Holzofen, da dieser rund 100 Tag Fertigungszeit benötigt. Glücklicherweise sei schon einer in der richtigen Größe in der Mache gewesen.

Das Dinnele „Feuer und Flamme“, hier als kleinere Ausgabe.
Das Dinnele „Feuer und Flamme“, hier als kleinere Ausgabe. | Bild: Kleinstück, Holger

Zwei Monate gab das Paar Vollgas, dann war das Lokal fast fertig

Anfang März startete der Umbau, Anfang Mai waren die Hauptbaustelle und die Einrichtung fertig. „Wir haben jeden Tag, auch Samstag und Sonntag, Vollgas gegeben und in der schönen Tenne unserer Bäckerei eingerichtet“, erläutert Merzenich. Der Umbau sei zeitlich nur deshalb möglich gewesen, weil er mit seinen mobilen Ständen coronabedingt nicht unterwegs sein konnte. „Denn aufgeben möchte ich diese nicht.“ Sollte es wieder möglich sein, wäre Simon Merzenich an den Wochenenden unterwegs, seine Frau Ela vor Ort in Nußdorf. „Es wäre schon ein Spagat für uns.“

Den Namen „Feuer und Flamme“ hat das Paar auf Vorschlag von Ela Merzenich gewählt. Denn die Speisen werden mit viel Leidenschaft und Energie im Holzofen Gäste gebacken. „Der Name passt einfach zu uns“, sagt Simon Merzenich. „Wir sind Feuer und Flamme für das, was wir hier tun.“