Mit einem metallischen Gegenstand soll eine 49-jährige Angeklagte die neue Partnerin ihres Ex-Mannes am 9. November 2021 gegen 18.50 Uhr während eines Streits beworfen und außerdem nach ihr getreten haben. Weil sich die Angegriffene aber habe wegdrehen können, sei während des ausufernden Streits niemand verletzt worden.

Dennoch musste sich die Mutter zweier Kinder jetzt vor dem Amtsgericht Überlingen wegen der versuchten schweren Körperverletzung verantworten. Am 24. Januar hatte sie gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Einspruch erhoben.

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Gleich nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift verlesen hatte, sprach der Überlinger Richter Alexander von Kennel mahnende Worte zur Angeklagten: „Sollten Sie verurteilt werden, könnte es teuer werden. Der Strafbefehl sieht eine Tagessatzhöhe von 30 Euro vor. Bei einer Verurteilung müssen Sie mit dem Doppelten rechnen.“ Die 49-Jährige beteuerte allerdings ihre Unschuld. Sie habe nie etwas nach der neuen Partnerin ihres ehemaligen Ehemannes geworfen. Die Angeklagte sah sich im Gegenteil sogar selbst als Opfer.

„Ich werde von der neuen Partnerin meines Ex-Mannes belästigt. Sie liest Mails, in denen mein Ex-Mann und ich gemeinsam Dinge entscheiden, die unsere Kinder betreffen. Die gehen sie einfach nichts an. Und trotzdem mischt sie sich in unsere Angelegenheiten ein. Ich habe das Gefühl, sie beeinflusst meinen Ex-Mann“, erklärte die Angeklagte mit Tränen in den Augen. Sie und ihr ehemaliger Mann hätten das geteilte Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder und seien deswegen auf eine gute Kommunikation miteinander angewiesen.

Eltern haben seit des Streits kein Kontakt mehr zueinander

Bevor der Ex-Mann seine neue Partnerin kennenlernte, sei die Kommunikation auch noch gut gewesen. Die Angeklagte: „Erst seit dem Vorfall mit den Anschuldigungen, ich hätte etwas nach ihr geworfen, gibt es gar keinen Kontakt mehr zwischen uns. Wenn es etwas gibt, gebe ich meiner Tochter einen Brief mit zu ihrem Vater.“ Sie habe einfach kein Vertrauen mehr.

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Die Verteidigerin der Angeklagten sprach sich dafür aus, das Verfahren gegen ihre Mandantin gegen eine familientherapeutische Auflage einzustellen: „Ich könnte mir eine Beratung bei der Caritas in diesem Fall sehr gut vorstellen. Ich denke, wir sollten die Situation einfach nur befrieden, um der Familie und insbesondere den Kindern nicht noch mehr Schaden zuzufügen.“ Der Vorschlag der Verteidigerin fand sowohl bei Richter Alexander von Kennel Zustimmung, als auch bei der Staatsanwaltschaft.

Ex-Mann stimmt der Beratung „zum Wohl der Kinder“ zu

„Mein Ex-Mann müsste da ja aber auch mitmachen“, merkte die 49-Jährige an und gab ihr Einverständnis, sich auf eine Therapie einzulassen. Da der Vater der beiden Kinder ohnehin als Zeuge zur Verhandlung geladen war, rief der Richter ihn in den Gerichtssaal, um ihn über die gemeinsamen Überlegungen zu informieren. Der Vater sprach sich für einen Beratungsprozess mit professioneller externer Hilfe aus: „Damit meine Ex-Frau endlich wieder zur Vernunft kommt und zum Wohle der Kinder.“

Die Strafverfolgung gegen die Angeklagte wurde daraufhin eingestellt. Zu der verpflichtenden Elternberatung mit sechs Terminen kam eine Geldauflage von 2500 Euro für die Angeklagte dazu. Den Betrag muss sie bis Ende Mai an die Organisation für medizinische Nothilfe „Ärzte ohne Grenzen“ überweisen. Richter Alexander von Kennel schloss die Sitzung mit den Worten: „Erst wenn Sie das alles nachgewiesen haben, ist das Verfahren gegen Sie vollständig eingestellt. In diesem Sinne – alles Gute.“