Der Sonntag gehört der Familie. Diese immer wieder formulierte Position zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags vor allem von Vertretern der Kirchen hat für Hannelore und Hans Schulte aus Überlingen eine ganz besondere Bedeutung. Sonntag ist für sie auch Familientag, weil sie an diesem Tag mit ihrem Sohn Michael telefonieren können. Der Architekt, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, wohnt nicht um die Ecke. Er lebt mehr als 10.000 Kilometer entfernt am Kap der Guten Hoffnung. Seit die Digitalisierung auch in den Haushalt der Schultes Einzug gehalten hat, sind die früher kostspieligen interkontinentalen Telefonate einfacher geworden. Für den sonntäglichen Standardanruf nutzt Hannelore Schulte vor allem den Social-Media-Kanal WhatsApp. Und mit ihrem Sohn tauscht sie sich dabei auch oft über die Videofunktion aus: „Das hängt natürlich immer davon ab, wie gut der Verbindungsaufbau zu Michael klappt“, sagt sie. Wenn es aber einmal mit der Bildübertragung nicht funktioniere, könne man sich wenigstens hören. „Und das ohne einen Cent dafür zu bezahlen“, freut sich ihr Mann, Hans Schulte, der manchmal auch an den Videokonferenzen teilnimmt.

Kontakt ans andere Ende der Welt

Die Schultes pflegen nicht nur zu ihrem Sohn eine regelmäßige Verbindung ans Kap, sondern sie telefonieren auch mit Freunden in Südafrika oder sie kommunizieren mit ihnen per Nachrichtenschreiben oder E-Mail. Die Digitalisierung macht es möglich. Wo Briefe früher Wochen benötigten, klappt die Verbindung nun in Sekundenschnelle. Hans Schulte erinnert sich noch, dass sie früher Tonbänder und Audio-Kassetten verschickten. „Wir haben damals in Südafrika am Mikrofon gesessen und unsere Sprüche aufgesagt“, erzählt der gelernte Radio- und Fernsehtechniker.

Jede Woche digitaler Kontakt zur Familie

Die Schultes stammen aus Überlingen. Doch Ende der 60er Jahre zog es den 23-Jährigen Hans Schulte in die weite Welt. Er ging nach Südafrika, kam noch einmal kurz nach Deutschland zurück und versuchte dann gemeinsam mit seiner Frau Hannelore erneut sein Glück in der Kaprepublik. Dort blieb das Paar mit dem 1980 in Deutschland geborenen Sohn Michael bis zur Jahrtausendwende. „Dann wurde die Situation in Südafrika immer unangenehmer“, sagt Hannelore Schulte. So zogen sie zurück nach Überlingen, zumal Sohn Michael in dieser Zeit seine Lehre als Schreiner und später sein Studium als Architekt in Süddeutschland absolvierte. Den jungen Mann zog es 2014 nach Abschluss seiner Ausbildung zurück nach Südafrika. Als er aufbrach, drückte er seiner Mutter sein altes Mobiltelefon in die Hand. „Darüber bleiben wir in Verbindung“, sagte er. Seither gibt es die sonntäglichen Telefonate per WhatsApp.

Hannelore Schulte zu Besuch bei ihrem Sohn Michael in seinem Garten in Kapstadt. Ansonsten telefoniert sie von Überlingen aus einmal pro Woche mit ihm per WhatsApp.
Hannelore Schulte zu Besuch bei ihrem Sohn Michael in seinem Garten in Kapstadt. Ansonsten telefoniert sie von Überlingen aus einmal pro Woche mit ihm per WhatsApp. | Bild: Schnurr, Michael

Früher war das Telefonieren nicht so einfach. Die Schultes erinnern sich an die Zeittakt-Ansage, die während des Telefonates mitlief, damit der Telefonierende wusste, wie viele Einheiten er verbraucht hatte und wie teuer sein Telefonat wurde. Im südlichen Afrika waren digitale Kommunikationstechnologien früh verbreitet. Hannelore Schulte ist heute per WhatsApp nah bei ihrem Sohn. Er fragte sie zum Beispiel, um welche Pflanze es sich in seinem neuen Garten handele und schickte ihr Fotos. Unlängst schauten sich beide per Videochat seine neue, gerade bezogene Wohnung an. So bildet die digitale Kommunikation heute für Hannelore Schulte das Rückgrat der Verbindung zu ihrem Sohn.