Es ist Donnerstagabend. Etwas mehr als zehn Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen treffen sich am Gerätehaus. Alle tragen Sportkleidung und es herrscht eine ausgelassen Stimmung. Kein Wunder, denn es geht nicht zu einem Einsatz, sondern zum wöchentlichen Treffen der Sportgruppe der Feuerwehr. Die Mitglieder treiben gemeinsam Sport, um sich für die Einsätze fit zu halten.

Der Leiter der Sportgruppe, Thomas Schindele, beim Crossfit-Training im Feuerwehrgerätehaus.
Der Leiter der Sportgruppe, Thomas Schindele, beim Crossfit-Training im Feuerwehrgerätehaus. | Bild: Jäckle, Reiner

Idee von Thomas Schindele kam 2018 in der Feuerwehr gut an

Thomas Schindele ist einer von ihnen. Er hatte 2018 die Idee, in Überlingen eine solche Sportgruppe ins Leben zu rufen. „Bei Berufsfeuerwehren und vor allem im Norden Deutschlands sind solche Gruppen weit verbreitet“, erzählt der Überlinger. „Da der eine oder andere bei Einsätzen immer wieder an seine körperlichen Grenzen gestoßen ist, dachte ich mir, dass das doch eine gute Idee auch bei uns wäre.“ Der Vorschlag kam bei seinen Kameraden an. Von Anfang an wurde die Trainingsmöglichkeit sehr gut angenommen. Mittlerweile trainieren mit Thomas Schindele mehr als 20 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Überlingen.

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Nach dem Aufwärmlauf in den Crossfit-Parcours

An diesem Tag geht es zunächst auf die Laufstrecke an den See. „Das machen wir eigentlich immer, um uns richtig aufzuwärmen“, sagt der 34-Jährige, der im Kickboxen Profi-Europameister war. Nach etwa einer halben Stunde kommt die gesamte Gruppe wieder zurück. Einige sind bereits mächtig am Schwitzen. Doch das Training ist noch nicht zu Ende. Jetzt werden drei Fahrzeuge aus dem Gerätehaus gefahren und die Stellplätze der Feuerwehrautos dienen nun als Fitnessstudio: Es wird ein Crossfit-Parcours aufgebaut, in dem es weitergeht. Immer wieder gibt es auch Trainingseinheiten in kompletter Feuerwehrmontur.

Schwitzen vor den Feuerwehrfahrzeugen: Alexander Lohr (vorn) und Oliver Waibel (hinten) kommen regelmäßig zum Training.
Schwitzen vor den Feuerwehrfahrzeugen: Alexander Lohr (vorn) und Oliver Waibel (hinten) kommen regelmäßig zum Training. | Bild: Jäckle, Reiner

Training für den Einsatz bei Bränden im Vordergrund

„Das Training für den täglich Einsatz bei Bränden steht natürlich im Vordergrund“, betont Thomas Schindele. „Deshalb machen wir immer wieder Übungen, die uns speziell für diese Einsätze fit machen.“ Ein Teil der Trainingsgruppe holt sich auch Motivationsschübe durch die Teilnahmen an verschiedenen Wettkämpfen. Erst vor kurzem waren neun Feuerwehrleute im thüringischen Sömmerda bei einem Benefiz-Marsch zugunsten der Familien der sechs ums Leben gekommenen Kameraden bei der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen am Start.

Neun Feuerwehrleute aus Überlingen nahmen am 30-Kilometer-Spendenlauf im thüringischen Sömmerda teil und stellten sich anschließend vor der dortigen Feuerwache zum Gruppenfoto auf: Tim Bühler, Manuel Märte, Maria Schmid, Lukas Choinowski, Alexander Lohr, Melissa Meloncelli, Kai Kreuzer, Markus Gorber und Thomas Schindele.
Neun Feuerwehrleute aus Überlingen nahmen am 30-Kilometer-Spendenlauf im thüringischen Sömmerda teil und stellten sich anschließend vor der dortigen Feuerwache zum Gruppenfoto auf: Tim Bühler, Manuel Märte, Maria Schmid, Lukas Choinowski, Alexander Lohr, Melissa Meloncelli, Kai Kreuzer, Markus Gorber und Thomas Schindele. | Bild: Freiwillige Feuerwehr Überlingen

Benefizlauf in Thüringen in Feuerwehrkleidung

„Das war echt klasse“, berichtet der Sportgruppenleiter. „Als ich dort anrief und sagte, dass wir vom Bodensee kommen wollen, waren die Organisatoren der dortigen Feuerwehr völlig überrascht.“ Thomas Schindele hatte in den sozialen Netzwerken von der Aktion gelesen und sofort Mitstreiter, die mitgehen wollten. „Die Kameraden vor Ort haben uns Übernachtungsmöglichkeiten organisiert und wir sind die 30 Kilometer in Feuerwehrkleidung mitgelaufen.“ Am Ende wurden 6000 Euro für die betroffenen Familien gesammelt.

Bei Wettkämpfen tritt die Gruppe in eigenen Trikots an

„Das sind solche Aktionen, für die sich das Training lohnt“, findet der Überlinger. „Einige von uns nehmen aber auch regelmäßig bei regionalen Läufen oder speziellen Feuerwehr-Wettkämpfen teil.“ Für diese Aktionen hat sich die Sportgruppe eigene Trikots anfertigen lassen. Der Fokus des Trainings liegt allerdings auf den Einsätzen. „Wettkämpfe bringen natürlich vor allem für die Kameradschaft sehr viel“, betont Thomas Schindele.

Mitglieder umliegender Wehren würden gern mitmachen

„Es ist mittlerweile eine echt super Truppe und immer wieder kommen Anfragen von Kameraden aus umliegenden Feuerwehren, die bei uns mitmachen wollen.“ Allerdings ist das platztechnisch recht schwierig. Für die ambitionierten Teilnehmer der Sportgruppe ist der nächste Höhepunkt der Reschenseelauf bei der Paten-Feuerwehr in St. Valentin in Südtirol kommendes Jahr.