Eigentlich galt im Auto in Deutschland bisher immer das „Vermummungsverbot“, also durften keine Karnevalsmasken, OP-Masken oder Ähnliches getragen werden. Doch die Corona-Krise macht auch vor diesen alten Bestimmungen nicht Halt und verdrehte sie ins Gegenteil. Mittlerweile gilt bei den Fahrschulen die Maskenpflicht für Schüler und Fahrlehrer. Es gibt außerdem eine Reihe an weiteren Hygieneregeln, die strikt zu befolgen sind.

Liste des Landratsamtes mit „verschiedenen Auflagen“

Siegfried Matutis von der gleichnamigen Fahrschule in Überlingen sagt: „Da kam irgendwann eine Liste des Landratsamtes mit den verschiedenen Auflagen.“ Seitdem steht am Eingang der Fahrschule ein Desinfektionsmittelspender, ebenso finden sich solche Geräte auf den Toiletten. Die Seife ist ebenfalls desinfizierend. Hinter dem Schreibtisch im Sekretariat sitzt Verena Matutis wie eine Supermarktkassiererin hinter einer Plexiglasscheibe, um sich und die Fahrschüler vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. „Und im Auto ist es auch ganz anders“, beschreibt Siegfried Matutis, „es darf beispielsweise keine dritte Person im Auto sitzen: Ich kann also nicht mit zwei Fahrschülern gleichzeitig fahren, was ich früher oft getan habe, um Wege zu sparen.“

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Mit der Maske den ganzen Tag im Fahrschulauto

Eine Ausnahme bilde selbstverständlich der Fahrprüfer ebenso wie Fahrlehrer in der Ausbildung. Jedes mal, wenn ein Schüler jetzt aussteige, müsse das Fahrzeug gründlich gelüftet und desinfiziert werden. Matutis nutzt die Pausen, die ihn am Tag eine Stunde kosten, dafür seiner Lunge wieder Frischluft ohne Maske zuzuführen. Die Maske den ganzen Tag, zum Teil über acht Stunden, zu tragen, sei sehr anstrengend und unangenehm. Da ist er über die erzwungenen Pausen gar nicht so unglücklich, sagt er. So oft es geht, fahren der Fahrlehrer und sein Schüler mit geöffneten Fenstern.

Auch das ist neu: Eine Plexiglasscheibe trennt Sekretärin Verena Matutis von den Fahrschülern.
Auch das ist neu: Eine Plexiglasscheibe trennt Sekretärin Verena Matutis von den Fahrschülern. | Bild: Timm Lechler

Ähnliche Regeln wie in der normalen Schule

In der Fahrschule selbst gelten ähnliche Regeln wie in den normalen Schulen. Auch hier herrscht überall Maskenpflicht, außer die Schüler sitzen an ihren Plätzen. Im Unterrichtsraum kann nur durch eine Reduzierung auf zehn Schüler der Mindestabstand eingehalten werden, dann dürfen die Schüler die Masken abnehmen. Die verbindliche Anmeldung zum Unterricht erfolgt online im Voraus. Trotz all dieser Regeln war Siegfried Matutis froh, als er nach acht Wochen, in denen die Fahrschule geschlossen war, wieder öffnen dürfte. Er sagt: „Der Fahrlehrerverband wollte die Regierung schon früh dazu bewegen, die Fahrschulen wieder zu öffnen. Ein Vorschlag war sogar eine Plexiglasscheibe im Auto zwischen Fahrlehrer und Schüler zu installieren.“ Matutis ist froh, dass es nicht so kam. Das wäre ihm viel zu unpersönlich gewesen.

Seit der Wiedereröffnung der Fahrschule dürfen nur noch zehn Fahrschüler gleichzeitig in den Unterrichtsraum. Mehr ist wegen der Einhaltung der Mindestabstände nicht mehr möglich.
Seit der Wiedereröffnung der Fahrschule dürfen nur noch zehn Fahrschüler gleichzeitig in den Unterrichtsraum. Mehr ist wegen der Einhaltung der Mindestabstände nicht mehr möglich. | Bild: Timm Lechler

Soforthilfe hat „dann auch schnell funktioniert“

Aus wirtschaftlicher Sicht sei er glücklicherweise nicht so schwer getroffen. Er sagt: „Ich war eigentlich relativ gelassen. Ich habe die Soforthilfe von knapp 9000 Euro beantragt. Das hat dann auch schnell funktioniert. Außerdem habe ich eines unserer drei Fahrzeuge stilllegen lassen. Dann bekommt man von der Fahrlehrerversicherung die Versicherung zurückerstattet.“ Die achtwöchige Pause habe er mit intensiven Arbeiten an seinem Haus verbracht. Das hätte er normalerweise, wegen der vielen Arbeit, gar nicht geschafft.

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Auch die Fahrschule wurde in diesen Wochen renoviert. Er sagt: „Wir sind voll ausgelastet. Die Schüler kommen in großen Mengen. Bei fast jeder Fahrschule in Baden-Württemberg und Bayern ist das so. Deshalb habe ich große Hoffnung, dass nicht zu viele der Kollegen oder ich Pleite gehen werden, da das Preisniveau hoch und stabil ist und eine große Nachfrage nach dem Führerschein herrscht.“ In anderen Bundesländern sehe das anders aus. Deutschlandweit rechnete man laut dem Moving e.V. Ende April aufgrund einer Umfrage mit der Schließung von einem Drittel aller Fahrschulen, wenn der Lockdown weiter anhalten würde.

Moderner Fahrsimulator als digitales Unterrichtsmittel

Bei Siegfried Matutis benötigen die Fahrschüler zur Zeit ein wenig Geduld. Es gab zwar keine Anlaufschwierigkeiten, allerdings sei es im Moment schwierig, alle Schüler gut zu betreuen. Da schätzt er im Moment die „Bummler“, die länger für ihren Führerschein brauchen würden, als andere. Was er außerdem schätzt, sind seine digitalen Helferlein. So besitzt Matutis in seiner Fahrschule einen hochmodernen Fahrsimulator. Er sagt: „Die ersten Stunden fährt mittlerweile jeder Schüler in diesem Simulator. Dann funktioniert das Fahren in der ersten richtigen Stunde schon viel besser. Der Simulator ist mit der Lern-App verknüpft und merkt sich, was der Schüler gemacht hat, beziehungsweise, wie dessen jeweiliger Stand ist. Er kontrolliert mit der Kamera sogar die Einhaltung des Schulterblicks, der Lenkradhaltung und vieles mehr.“ Das Ziel war weniger Zeit im Auto zu verbringen, dazu sind die Stunden für den Schüler sogar günstiger. Den Simulator hatte Matutis zwar schon vor Corona, doch jetzt lohnt er sich um so mehr, und reduziert die Ansteckungsgefahr. Er muss nach jeder Fahrstunde aber deshalb gründlich desinfiziert werden.

 

Siegfried Matutis ganzer Stolz ist dieser Fahrsimulator. Hier nimmt der Fahrschüler seine ersten Stunden, so funktioniert alles bei der ersten richtigen Fahrstunde im Auto viel besser, sagt Matutis.
Siegfried Matutis ganzer Stolz ist dieser Fahrsimulator. Hier nimmt der Fahrschüler seine ersten Stunden, so funktioniert alles bei der ersten richtigen Fahrstunde im Auto viel besser, sagt Matutis. | Bild: Timm Lechler

Glücklich ist Matutis auch über sein neues EC-Lesegerät im Auto, welches er sich durch die Corona-Pandemie angeschafft hat. So kann der Schüler kontaktlos und ohne Bargeld direkt im Auto bezahlen. Zwar benutze man seit über einem Jahr keine Bargeldzahlung mehr direkt in der Fahrschule, doch dass die Schüler nun gleich nach der Stunde im Auto bezahlen können, sei sehr komfortabel, und würde erneut das Risiko einer Infektion minimieren.