Der 1976 geborene Saarländer ist Hauptorganist der Bamberger Symphoniker und ein gefragter Solist in den großen Konzertsälen der Welt. Ein sympathischer Star, wie sich das Publikum im Münster überzeugen konnte. Christian Schmitts Virtuosität, gepaart mit der typisch saarländischen Weltoffenheit, begeisterte das Überlinger Publikum. Der Musiker setzte den Auftakt zum Überlinger Orgelsommer, der damit Lust auf mehr macht.

Auftakt an der kleinen Orgel

An der barocken Marienorgel wirkte Schmitt zugleich entspannt und doch hoch konzentriert. Pachelbels Toccata in g-Moll registrierte er anfangs weich und gedämpft wie die laue Sommerluft des Abends, um dann immer strahlendere Töne ins Klangbild zu mischen. Dunkel gefärbt begann auch Johann Jakob Frobergers Capriccio in a-Moll. Souverän arbeitete Schmitt die daraus erwachsenden raschen Läufe des Capriccios heraus. Mit zwei Vorspielen zum Choral „Jesus Christus unser Heiland“ von Johann Sebastian Bach stellte der Organist anschließend meisterlich unter Beweis, dass auch an der „kleinen“ Marienorgel eine der Komposition angemessene Komplexität und imposante Klangfülle erreicht werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Bevor Schmitt dann den Weg auf die Empore der Nikolausorgel antrat, wandte er sich gut gelaunt ans Publikum, um auf einen der folgenden Programmpunkte besonders hinzuweisen: Das Stück „Canto di forza“ des lettischen Komponisten Peteris Vasks sei ursprünglich für die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker geschrieben worden, erklärte er und bat: „Denken Sie nach dem fulminanten Fortissimo nicht, es sei vorbei, es geht noch weiter!“ Dieses eingängige, den meisten Zuhörern jedoch wohl noch unbekannte zeitgenössische Werk platzierte Schmitt zwischen César Francks Choral Nr.2 in h-Moll und dem Finale der Sinfonie Nr. 7 in a-moll von Charles-Marie Widor.

Alle 3791 Pfeifen der großen Nikolausorgel schienen in diesen monumentalen Werken der Orgelliteratur des 19. Jahrhunderts im Einsatz zu sein. Besonders beeindruckend gestaltete Christian Schmitt Francks Choral. Mit seinem höchst virtuosen Spiel und der sorgfältig durchdachten Registrierung machte er die vielschichtige Struktur des Stücks transparent, schuf Spannung und setzte kunstvoll Kontraste. Ebenso einfühlsam wie professionell webte er dabei die verschiedenen Passagen mit ihren Klangfarben und Linien zu einem grandiosen Gesamtbild ineinander.

Als Zugabe schenkte Schmitt dem Überlinger Publikum eine Fuge über das Thema B-A-C-H von Robert Schumann, mit der er auch zweiten Konzertteil perfekt abschloss.