Nicht nur die Erwartungshaltung bei den vielen Zuhörern vor der Seebühne bei der Landesgartenschau war groß, als die Stadtkapelle Überlingen ihr erstes Konzert nach fast zwei Jahren coronabedingter Zwangspause gab. Auch bei den Musikern war eine große Energie und Bereitschaft zu spüren, endlich wieder loslegen zu können. Um es vorwegzunehmen: Ihr Auftritt wurde mit lang anhaltendem Beifall und Jubelrufen belohnt, das Publikum entließ die Kapelle unter dem Dirigat eines glänzend aufgelegten Ralf Ochs erst nach drei Zugaben.

Stadtmusikdirektor Ralf Ochs
Stadtmusikdirektor Ralf Ochs | Bild: Kleinstück, Holger

Bereits das erste Stück „Musik liegt in der Luft“, welches das ehemalige Wunschkonzert im Fernsehsender ZDF unter Moderator-Legende Dieter Thomas Heck zum Inhalt hatte, kam bestens bei der Zuhörerschaft an. Das war auch bei der folgenden „Golden Swing Time“, bei einem James-Last-Medley oder bei „Mambo Jambo“ nicht anders. Hits der 1970er Jahre wie „Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“ von Rudi Carrell, „Mendocino“ von Michael Holm oder „Anita“ von Costa Cordalis beendeten den ersten Teil.

Romantische Stimmung während des Konzerts beim Sonnenuntergang.
Romantische Stimmung während des Konzerts beim Sonnenuntergang. | Bild: Kleinstück, Holger

Nach kurzer Pause erfüllte das Orchester mit „Adventures of a lifetime“ unter anderem einen Wunsch des Oberbürgermeisters Jan Zeitler, bot mit „A Rock Selection“ ein Medley mit den Titeln wie „Smoke On The Water“ und spielte „Flashdance“, ehe es vier der erfolgreichsten Lieder der schwedischen Popgruppe Abba zum Besten gab. Dann, leise und laut, gefühlvoll und dramatisch, zog die Hymne „Music“ von John Miles als erste Zugabe die Zuhörer in ihren Bann. Viel Applaus gab es für „Die Fischerin vom Bodensee“, wo das Publikum auch kräftig mitsang, bevor es die Mitarbeiter der Landesgartenschau beim abschließenden Überlinger Landesgartenschau-Song „Auf zu neuen Ufern“ nicht mehr hielt und sie nach vorn in Richtung Bühne liefen.

Bei den Musikern war eine „unglaubliche Energie und Bereitschaft zu spüren, welche sich gleich beim ersten Musikstück entlud und bis zum letzten Ton des Konzertes durchweg anhielt“, wie Dirigent Ralf Ochs erzählte.
Bei den Musikern war eine „unglaubliche Energie und Bereitschaft zu spüren, welche sich gleich beim ersten Musikstück entlud und bis zum letzten Ton des Konzertes durchweg anhielt“, wie Dirigent Ralf Ochs erzählte. | Bild: Kleinstück, Holger

Auch der Oberbürgermeister zeigte sich froh, „endlich wieder unsere Stadtkapelle auf der Bühne erleben zu dürfen“. Viel Applaus erntete der OB, als er Ralf Ochs auf der Bühne um die Kontonummer der Stadtkapelle bat: „Zwei Jahre kein Gassenfest. Das ist schon ein bisschen hart“, sagte Zeitler. „Insofern müssen wir da mal gucken, was wir hinkriegen“, spielte er auf eine mögliche Spende der Stadt an.

Viele Zuhörer hatten auch außerhalb der Sitztribüne Platz genommen.
Viele Zuhörer hatten auch außerhalb der Sitztribüne Platz genommen. | Bild: Kleinstück, Holger

Wie die Stimmung vor, während und nach dem Konzert in der Kapelle war, erzählte Ralf Ochs im Gespräch mit dem SÜDKURIER: Alle seien vor dem Konzert bester Stimmung gewesen, wieder auf die Bühne zu dürfen. „Es war bei allen eine unglaubliche Energie und Bereitschaft zu spüren, welche sich gleich beim ersten Musikstück entlud und bis zum letzten Ton des Konzertes durchweg anhielt“, sagte er. Und: „Ich glaube, jeder, der auf der Bühne war, spürte nach dem Konzert die Glückshormone in seinem Körper tanzen. Es war ein extrem positives Ereignis.“

„Eine Genugtuung für uns alle“

Ralf Ochs, Stadtmusikdirektor und Leiter der Städtischen Musikschule seit 2004, über das Konzert und weitere Vorhaben.

Was hat dieses Konzert für Sie und die Stadtkapelle Überlingen bedeutet?

Es war ein unglaubliches Glücksgefühl für uns alle! Nach der langen Konzertabstinenz endlich wieder auf der Bühne zu sein und für großes Publikum zu musizieren, war einfach unbeschreiblich. Endlich wieder das tun, was wir so sehr lieben und so schmerzlich vermisst haben. Eine Genugtuung für uns alle.

Wie liefen die Vorbereitungen?

Die erste Probe war Mitte Juni und alle waren sehr enthusiastisch, endlich wieder gemeinsam musizieren zu dürfen. Bis dahin hatten wir jeder zuhause nur unsere Online-Proben. Nachdem klar war, dass Konzerte und Auftritte wieder möglich sind, haben wir umgehend an unserem Programm für die Schwedenprozession und das große Sommerkonzert auf der Seebühne gearbeitet. Das Orchester hat sich dann deutlich hörbar von Woche zu Woche gesteigert. Man darf nicht vergessen, dass die letzten Konzertvorbereitungen im Herbst 2019 liefen.

Und wie lauten die nächsten Vorhaben: Wann können die Überlinger die Kapelle das nächste Mal erleben?

Wir gehen jetzt in die Sommerpause. Sollte es uns mit der dann geltenden Corona-Verordnung möglich sein, werden wir am Samstag, 25. September auf dem Landungsplatz zu hören sein. Im Rahmen der LGS sind wir nochmals am Sonntag, 3. Oktober auf der Seebühne zu hören. Und natürlich sind wir beim großen Finale der LGS am 16. und 17. Oktober mit dabei.