Als Walter Schneider bei seinen ersten Karate-Wettkämpfen mitmachte, war er gerade einmal 20 Jahre alt. Es folgten zahlreiche Turniere, der schwarze Gürtel und die mehrfache Teilnahme an Landes- und Deutschen Meisterschaften. Auch eine Kampfrichterausbildung durfte nicht fehlen und 2016 erlangte der 69-Jährige seinen sechsten Meistergrad (auch Rokkudan genannt) im Karatesport.

Doch dem Rentner ist es damit nicht genug. Noch immer leitet er die Ü-50-Gruppe im Karate Dojo Überlingen, trainiert selbst drei Mal in der Woche und nimmt regelmäßig an Lehrgängen teil. „Karate ist ein Bestandteil, eine wichtige Einrichtung in meinem Leben. Es gehört fest dazu“, erzählt Schneider.

Walter Schneider: „Karate ist ein Bestandteil, eine wichtige Einrichtung in meinem Leben. Es gehört fest dazu.“
Walter Schneider: „Karate ist ein Bestandteil, eine wichtige Einrichtung in meinem Leben. Es gehört fest dazu.“ | Bild: Mona Lippisch

Was den 69-Jährigen antreibt? Freude am Karatesport und die Verpflichtung gegenüber seinen Schülern. „Ich möchte mein Wissen, das ich in den vielen Jahren angesammelt habe, gerne weitergeben“, sagt er. „Und für mich gibt es auch immer wieder Neues zu entdecken.“

Mit einer Reise nach Asien erfüllt sich der Rentner einen Traum

Letzteres war auch ein Grund dafür, dass sich Walter Schneider 2017 einen langersehnten Traum erfüllte: Gemeinsam mit seiner Frau und einem befreundeten japanischen Karatelehrer reiste der Rentner nach Japan, in das Land des Kampfsportes. „Es war einer meiner Höhepunkte im Leben“, sagt Schneider rückblickend über diese zweiwöchige Erfahrung.

Walter Schneider mit seiner Frau Heidrun bei ihrer gemeinsamen Reise durch Japan.
Walter Schneider mit seiner Frau Heidrun bei ihrer gemeinsamen Reise durch Japan. | Bild: Privat

Denn in Japan durfte er mit „hochrangigen Meistern“ trainieren, lernte die Stadt Tokio kennen und viele Traditionen der asiatischen Kultur. „Ich habe viele Menschen kennengelernt. Ob das jetzt in Japan war, in Europa oder in Deutschland – ohne Karate hätte ich viele tolle Persönlichkeiten nie getroffen“, erzählt der Rentner. Auch das sei ein Grund, weshalb er den Sport schätze.

Bei Meisterschaften in der Schweiz und in Deutschland dabei

Begonnen hat Walter Schneiders Leidenschaft für Karate im Jahr 1968. Über einige Umwege habe er damals zu dem Sport gefunden. „Richtig angefangen habe ich dann, als in Stockach ein Karateclub entstand“, erzählt der Senior. Und dann sei alles ganz schnell gegangen. „Anfang der 70er war ich bei vielen Wettkämpfen dabei und habe auch aktiv an Deutschen und Schweizerischen Meisterschaften teilgenommen“, berichtet Schneider und lächelt als er an diese Zeiten zurückdenkt. Seinen ersten schwarzen Gürtel (1. Dan) erwarb er 1976 in Wien.

Walter Schneider (rechts) mit Meister Watanabe-Sensei in Südjapan. Diese Bekanntschaft war nur eine von vielen, die Schneider auf seiner Reise durch das Land des Kampfsportes machte.
Walter Schneider (rechts) mit Meister Watanabe-Sensei in Südjapan. Diese Bekanntschaft war nur eine von vielen, die Schneider auf seiner Reise durch das Land des Kampfsportes machte. | Bild: Privat

Bei den Wettkämpfen und Meisterschaften habe Walter Schneider auch die ersten asiatischen Großmeister des Kartesports kennengelernt. Und während seiner Studienzeit reiste er von Lehrgang zu Lehrgang. So habe der Karatesportler immer mehr „besondere Menschen“ getroffen, die ihn prägten. „So bin ich in die Sache hereingewachsen und dabei geblieben“, sagt er. Mehr als 20 Jahre lang war Schneider selbst Kampfrichter bei Turnieren in Deutschland – und auch bei deutschen Meisterschaften.

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Nach und nach sammelte er neun Schülergrade und absolvierte danach seine ersten Meistergrade. „2016 wurde ich mit dem sechsten Meistergrad (6. Dan) ausgezeichnet. Das ist eine der höchsten Graduierungen, die es im ganzen Bodenseekreis gibt“, sagt Schneider und ein wenig Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Der Senior betont, dass hinter den Auszeichnungen viel Arbeit steckt. Etwa 400 bis 500 Lehrgänge habe er in den vergangenen 50 Jahren absolviert.

Und auch mit seinen fast 70 Jahren denkt Walter Schneider nicht daran, seinen Sport wegen des Alters aufzugeben. Zwar sei die Jagd nach Preisen und Graduierungen mittlerweile nicht mehr wichtig, aber der Rentner möchte auch in Zukunft „außergewöhnliche“ Trainingslehrgänge besuchen und Kontakte zu Karate-Bekanntschaften pflegen.

Walter Schneider mit dem mehrfachen Karate-Weltmeister Osaka-Sensei und dem befreundeten Akita-Sensei (von links).
Walter Schneider mit dem mehrfachen Karate-Weltmeister Osaka-Sensei und dem befreundeten Akita-Sensei (von links). | Bild: Privat

„Ich wünsche mir einfach, dass ich so lange wie möglich Sport, also Karate, machen kann. Denn es gibt kein Ende. Man entdeckt immer neue Facetten. Auch, wenn man durch das Alter körperlich eingeschränkt wird: etwas geht immer“, sagt Schneider, der im Überlinger Karateverein auch liebevoll „Urgestein“ genannt wird.

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