„Es ging direkt los“, beschreibt David Jung die Zeit, seit er zum Vorsitzenden des Landesschülerbeirats (LSBR) gewählt wurde. Nach der konstituierenden Sitzung des Gremiums in Stuttgart, die Corona-bedingt von April auf Ende Juni verschoben wurde, bekam er Laptop und Diensthandy überreicht. Damit ist er fast immer erreichbar und beantwortet die täglich eintreffenden Mails, gibt Interviews, organisiert die nächsten Treffen oder arbeitet sich in Themen ein.

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Viel zu tun – da braucht der Tag Struktur

Der Landesschülerbeirat vertritt die 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler im Land, nimmt Stellung zu bildungspolitischen Themen und kann dem Kultusministerium Vorschläge unterbreiten. Da gibt es für den Vorsitzenden viel zu tun. Zumal David Jung noch im Überlinger Jugendgemeinderat sitzt und im kommenden Jahr sein Abitur an der Constantin-Vannotti-Schule macht. Doch der 18-Jährige ist mit Freude bei der Sache: „Der Druck, den dieser Job ausübt, definiert Spaß neu!“, sagt er. Dank einer guten Tagesstruktur bekomme er alles erledigt. Seine Lehrer hat er vorsichtshalber informiert, dass ein möglicher Leistungsabfall nichts mit mangelnder Motivation zu tun habe. Doch bis jetzt sehe es gut aus im Notenbereich.

Treffen mit Kultusministerin Susanne Eisenmann in Stuttgart

Noch kurz vor den Ferien traf sich der neue Vorstand, zu dem neben David Jung ein Stellvertreter, die Schriftführerin und die Pressesprecherin gehören, mit Kultusministerin Susanne Eisenmann in Stuttgart. Die Fragen und Vorschläge auf ihrer Liste haben fast alle einen Corona-Bezug. „Wir wollen wissen, wie es nach den Ferien in den Schulen weitergehen wird“, beginnt David Jung. Sie sähen einen Regelbetrieb in normalen Klassenstärken wegen der Hygieneregeln als einen Kraftakt. „Wir sind dafür, lieber Abstand zu halten, statt einer Maskenpflicht im Klassenzimmer. Dazu könnten Klassen aufgeteilt und Sporthallen oder andere Räume mitgenutzt werden.“

Mit Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin in Baden-Württemberg, hat der Landesschülerbeirat regelmäßig zu tun.
Mit Susanne Eisenmann (CDU), Kultusministerin in Baden-Württemberg, hat der Landesschülerbeirat regelmäßig zu tun. | Bild: Marijan Murat

Fast alle Fragen drehen sich um Corona: Wie soll das alles gehen nach den Ferien?

Das geplante Sofortausstattungsprogramm begrüßen die Schülervertreter. Für die Schulträger im Land werden 130 Millionen Euro bereitgestellt, um mobile Endgeräte, also Laptops oder Tablets, anzuschaffen und Schülern ohne Ausstattung leihweise zu überlassen. „Wir finden das Paket sehr sinnvoll, erachten es aber für wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass damit nicht alle Ungleichheiten ausgeräumt sind“, betont David Jung. Zudem bemängele der Landesschülerbeirat, dass es bisher kaum Infos gebe, wie das genau funktionieren soll. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und eine deutliche Verbesserung, aber die Probleme der Infrastruktur lösen sie nicht.“ Die Versorgung mit leistungsfähigem Internet sei ein Problem, für dessen Lösung die Politik gefordert sei.

Abiturienten des Überlinger Gymnasiums – Corona ist derzeit das beherrschende Thema auch im Bereich Schule
Abiturienten des Überlinger Gymnasiums – Corona ist derzeit das beherrschende Thema auch im Bereich Schule. | Bild: Gymnasium Überlingen

Damit Online-Unterricht auch inhaltlich gut funktioniert, spricht sich das Gremium für verpflichtende Fortbildungen für Lehrer zur adäquaten Nutzung der Endgeräte aus. „Wir brauchen eine Fortbildungsoffensive!“

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Nächstes Thema sind die Lernbrücken. So heißt das Angebot, mit dem Schüler in den letzten beiden Wochen der Sommerferien Stoff nachholen und Wissenslücken füllen können. Hierzu erarbeitet das Gremium gerade eine Stellungnahme. „Wir finden nicht ausreichend kommuniziert, dass auch Lehrbeauftragte dort zum Einsatz kommen können. Die Schulen können zum Beispiel Abiturienten oder Lehramtsstudenten dafür einsetzen“, erläutert David Jung. So müsse dies nicht nur durch Zusatzleistung der Lehrer gestemmt werden. Ein weiteres Anliegen in diesem Zusammenhang sind ihm die Nachhilfeprogramme an Schulen. Dazu könnten Schulen zum Beispiel Abiturienten zu Mentoren ausbilden, die dann in einem hauseigenen Nachhilfeprogramm jüngere Schüler unterstützen. „Das Coole ist, die Schulen bekommen ein Budget für solche Nachhilfeprogramme, um Schüler, die sich engagieren, zu bezahlen“, sagt David Jung.

Wie soll das alles gehen nach den Ferien? Diese Frage stellt sich auch der Landesschülerbeirat. Abstand wäre den Schülern lieber als Maskenpflicht.
Wie soll das alles gehen nach den Ferien? Diese Frage stellt sich auch der Landesschülerbeirat. Abstand wäre den Schülern lieber als Maskenpflicht. | Bild: Paul Zinken

Als Oberstufenschüler spricht Jung zum Schluss ein Thema an, das ihn selbst betrifft. Laut Ankündigung würde der Stoff wegen des Unterrichtsausfalls um ein Viertel gekürzt. „Das nützt uns Schülern nur etwas, wenn wir wissen, was wegfällt und was prüfungsrelevant ist.“

Als Klassensprecher in der sechsten Klasse ging es los

David Jung lebt in Salem-Mittelstenweiler und besucht in Überlingen das Wirtschaftsgymnasium der Constantin-Vanotti-Schule. Der 18-Jährige engagiert sich seit der 6. Klasse als Klassen- und später als Schulsprecher. Er gehört dem ersten Überlinger Jugendgemeinderat an und konnte bei der Wahl im November 2018 die meisten Stimmen verbuchen. Im Frühjahr wurde er in den Landesschülerbeirat und im Juni zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Im März rief er spontan einen Salemer Ableger der „Nachbarschaftshilfe“ ins Leben und erledigte mit einigen Mitstreitern Einkäufe für Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Der erklärte Autofan treibt in seiner Freizeit gerne Sport, war als Wettkampfschwimmer aktiv und möchte nach dem Abitur Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzwesen studieren.

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