Man muss schon Jeff Bezos heißen, um einen Flug in den Weltraum bezahlen zu können. Mit Bodenhaftung, dafür aber kostenlos, können SÜDKURIER-Leser jetzt einen Flug in die Stratosphäre erleben. Bis in 36.000 Meter Höhe reichte der Flug, in jene Sphäre, in der der blaue Planet unter einem liegt, und wo sich über einem nur noch das schwarze Firmament erstreckt.

Spektakuläre Filmaufnahmen zeigen, wie ein Heliumballon auf dem Landesgartenschaugelände in Überlingen startete, er zwei Wolkendecken durchbrach, unterm schwarzen Firmament zerplatzte – und wie schließlich, an einem roten Fallschirm hängend, die Kameras zurück auf die Erde glitten, wo sie sanft in einem Maisacker landeten.

Raketenstufe 1: Publikum beim Start in Überlingen mit dabei

Die Gemeinschaftsaktion des Fotografen Achim Mende und des Veranstaltungstechnikers Heiko Grebing lässt sich gewissermaßen in drei Raketenstufen mit jeweils großem Publikum einteilen. Phase eins zündete beim Start am 3. Oktober auf dem LGS-Gelände in Überlingen. Hunderte Besucher beobachteten damals, wie Mende und Grebing ihren weißen Heliumballon entfesselten. An ihm hing eine Gondel aus Styropor samt 360-Grad-Kamera. Jetzt, im Film, ist das Spektakel zu sehen; der Start, der von hunderten bunter Luftballons begleitet wurde.

Vor großem Publikum startete der mit Helium gefüllte Ballon auf dem Landesgartenschaugelände. Bis zum Platzen in der Stratosphäre würde er auf einen Durchmesser von 20 Metern anwachsen.
Vor großem Publikum startete der mit Helium gefüllte Ballon auf dem Landesgartenschaugelände. Bis zum Platzen in der Stratosphäre würde er auf einen Durchmesser von 20 Metern anwachsen. | Bild: Hilser, Stefan

Während die gasbefüllten Luftballons gemächlich abhoben, schoss der Heliumballon mit sieben Metern pro Sekunde in die Höhe. Fohrtwährend zeichnete die Kamera Bilder von der Bodenseelandschaft auf. Der ganze See lag ihr zu Füßen, bevor Ballon und Kamera über Owingen die erste Wolkendecke durchbrachen.

Raketenstufe 2: SÜDKURIER-Leser erhalten erste Fotos vom platzenden Ballon

Phase zwei zündete 110 Minuten nach dem Start, als der Ballon platzte. Die dabei entstandenen ersten Fotos begeisterten bereits ein großes Publikum via SÜDKURIER. Zum Zeitpunkt des Platzens hatte sich das Helium im Kautschukballon immer weiter ausgedehnt. Der Ballon erreichte einen Durchmesser von 20 Metern, so die Berechnungen Mendes. Starke Höhenwinde hatten den Ballon bis nach Schwendi im Allgäu getrieben. Die drei Kameras waren einer Außentemperatur von Minus 60 Grad ausgesetzt. Unter ihnen: Der blaue Planet. Über ihnen: Das Schwarz des Weltalls. Und plötzlich ein lautloses Zerbersten des Ballons.

Zwischen zwei Wolkenschichten auf dem Weg in Richtung Atmosphäre.
Zwischen zwei Wolkenschichten auf dem Weg in Richtung Atmosphäre. | Bild: Achim Mende

Dank des Rundumblicks, den die 360-Grad-Kamera ermöglicht, entstand der Eindruck, als ob ein Fotograf mitgeflogen wäre. Rund um die Linse ist auf den Fotos die Styroporbox selbst erkennbar, außerdem die Fetzen des platzenden Ballons, sowie der rote Fallschirm, der nun frei im Raum schwebte.

Raketenstufe 3: Publikum wird virtuell mit ins Weltall genommen

40 Minuten lang dauerte die Rückkehr. Der Fallschirm schwebte nahe der Autobahn A 8 auf die Erde zu, nur einen Steinwurf vom Atomkraftwerk Gundremmingen entfernt, in der Abendsonne glitzerte die Donau. Insgesamt 120 Kilometer Luftlinie flogen Ballon und Fallschirm von Überlingen aus in nordöstliche Richtung.

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Nach der Stille, die in der Stratosphäre herrschte, nach dem Rauschen des Windes, nach der raschelnden Landung im Maisacker, hört man jetzt nur noch das Brummen eines Flugzeugs. Es handelte sich um die Maschine des Piloten Gerhard Plessing, der parallel von Überlingen aus gestartet war, um das mit einem GPS-Tracker ausgestattete Flugobjekt schnell aus der Luft zu orten. Aus der Kanzel heraus lotste er per Handy Mendes Sohn Jacques Mailänder durch das Maisfeld zum Landeplatz. Der barg die Sonde gemeinsam mit Heiko Grebing.

Beim Landeanflug über Burgau in Bayern. Bis dahin legten Ballon und Fallschirm 120 Kilometer ab Überlingen zurück.
Beim Landeanflug über Burgau in Bayern. Bis dahin legten Ballon und Fallschirm 120 Kilometer ab Überlingen zurück. | Bild: Achim Mende

Phase drei zündete jetzt: Die wertvolle Fracht war unbeschadet gelandet, Mende sichtete 150 Minuten extraterrestrisches Filmmaterial und komponierte daraus ein fünf Minuten langes Video. Und wieder darf das Publikum daran teilhaben, es sind die Leserinnen und Leser des SÜDKURIER, die den Streifen hier auf SÜDKURIER Online anschauen können.

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