Ein 44-jähriger Mann aus Göppingen ist vom Amtsgericht Überlingen wegen mehrheitlichen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz mit versuchter Nötigung und Beleidigung zu einem Bußgeld in Höhe von 2000 Euro verurteilt worden. Die Ehe des Angeklagten war im Sommer in die Brüche gegangen. Der Mann, ein Wasserinstallateur mit einem Behinderungsgrad von 60 Prozent, hatte nach der Trennung mit Suizid gedroht und sich anschließend in psychiatrische Behandlung begeben. Nach Bedrohungen und Beleidigungen gegen seine Frau und ihr Kind wurde gegen den Angeklagten ein Kontakt- und Näherungsverbot angeordnet.

Trotz Kontaktverbot: Angeklagter folgt Ehefrau 150 Kilometer

Doch bereits Wochen nach Verhängung der Maßnahme verstieß der Angeklagte dagegen: Bei einem Telefonanruf Anfang September beleidigte er seine Frau, in einem Whatsapp-Chat kamen weitere beleidigende Äußerungen hinzu. Am nächsten Tag folgte der Angeklagte seiner Ehefrau und ihrem Sohn mit dem Auto auf einen Tagesausflug nach Salem. Vor Ort suchte er beide auf dem Tierpark-Gelände auf und drohte ihnen mit einem Taschenmesser. Dabei forderte er von seiner Frau, die Ehe fortzuführen, sie willigte aber nicht ein. Die Polizei wurde anschließend gerufen und der Mann wurde in Gewahrsam genommen.

Der Platz des Angeklagten (links) und des Verteidigers (rechts) im Saal 108 des Überlinger Amtsgerichts: Beide Plätze sind zum Schutz einer Corona-Ansteckung durch eine Plexiglaswand voneinander getrennt.
Der Platz des Angeklagten (links) und des Verteidigers (rechts) im Saal 108 des Überlinger Amtsgerichts: Beide Plätze sind zum Schutz einer Corona-Ansteckung durch eine Plexiglaswand voneinander getrennt. | Bild: Cian Hartung

Verteidigung argumentiert mit psychischer Überforderung des Angeklagten

Vor dem Amtsgericht sagte der Angeklagte, dass er den Telefonanruf getätigt und die Whatsapp-Nachrichten geschickt hatte. Auch gab er zu, seine Frau und ihr Kind am Salemer Affenberg bedroht zu haben. Er bestritt jedoch, seiner Frau und ihrem Kind bewusst nach Salem hinterhergefahren zu sein, sondern sprach von einer „zufälligen Begegnung“.

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Wie sich bei der Anhörung herausstellte, kommunizierten Angeklagter und Ehefrau nach der Tat wieder im Whatsapp-Chat. Die Verteidigung des Angeklagten versuchte damit die psychische Überforderung des Angeklagten zu erklären. Sie verurteilte, dass seine Ehefrau ihm weiterhin Hoffnung auf eine Zukunft der Ehe mache und ihn gleichzeitig ermutige, gegen das Kontaktverbot zu verstoßen.

Einspruch nach rund einer Stunde Prozess zurückgezogen

Eine klare Aussage der Ehefrau über die Zukunft der Ehe konnten aber auch Staatsanwaltschaft und Amtsrichter auf Nachdruck nicht erwirken. Daher zog die Verteidigung des Angeklagten den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück und akzeptierte die Strafe für den Angeklagten in Form eines Bußgelds.