Noch ist die ehemalige Kapuzinerkirche ganz in der Hand der Floristen der Landesgartenschau. Doch die Weichen sind gestellt für eine künftige Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem 17. Jahrhundert als ganzjährige Veranstaltungsstätte und Kulturraum. Mit einem einstimmigen Beschluss brachte der Gemeinderat jetzt noch vor der Sommerpause ein Nutzungskonzept auf den Weg, das gemeinsam mit der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT) erarbeitet worden war.

Feste Zeitfenster für Sommertheater und Kleinkunstfestival

Die ÜMT soll die Nutzung künftig auch verantwortlich verwalten, wobei über weite Strecken ein so genannter „Masterbetreiber“ dazwischengeschaltet werden soll. Feste Zeitfenster im Jahreslauf sollen insbesondere dem Überlinger Sommertheater und dem Kleinkunstfestival „Kultur im Kapuziner“ vorbehalten bleiben. Ansonsten sollen die Räume auch für private Veranstaltungen und Feiern genutzt werden können. Voraussetzung ist allerdings die zweite Etappe der Sanierung, für die der Förderzeitraum bis 2024 verlängert wurde.

Das Nutzungskonzept nimmt Formen an, der Umbau der Kapuzinerkirche soll nach der Landesgartenschau beginnen. Hier ein Blick in den Zuschauerbereich hinunter von der Bühne während der Sommertheater-Saison 2016.
Das Nutzungskonzept nimmt Formen an, der Umbau der Kapuzinerkirche soll nach der Landesgartenschau beginnen. Hier ein Blick in den Zuschauerbereich hinunter von der Bühne während der Sommertheater-Saison 2016. | Bild: Stefan Hilser

Idee einer Kulturstätte war bereits 1988 ins Gespräch gebracht worden

Damit findet eine Idee ihre Umsetzung, die bereits 1988 von der Bürgerinitiative gegen den den Neubau eines Kurhauses in den Grünanlagen am See als „Ensemblelösung“ mit dem bestehenden Kursaal und dem Badhotel ins Gespräch gebracht worden war. 2003 war die Kapuzinerkirche zumindest soweit ertüchtigt worden, dass sie für rund 15 Jahre als Bühne für das Sommertheater genutzt werden konnte.

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Nach der Eigenproduktion „Wenn es Nacht wird in Überlingen“ im Jahr 2017 wurde es auch dunkel in der Spielstätte und die Zeit der Improvisation begann. Zu massiv waren die Schäden im Dachstuhl, die die Sicherheit gefährdet hätten. Sie waren schon mit Blick auf die ursprünglich für 2020 geplante Landesgartenschau (LGS) repariert worden, um das Gebäude während der LGS nutzen zu können.

Die Produktion „Wenn es Nacht wird in Überlingen“ markierte 2017 das vorläufige Ende der Kapuzinerkirche als Theaterraum. Eine Lichtinstallation verwandelte sie damals beim Sommertheater zurück in einen erlebbaren Kirchenbau.
Die Produktion „Wenn es Nacht wird in Überlingen“ markierte 2017 das vorläufige Ende der Kapuzinerkirche als Theaterraum. Eine Lichtinstallation verwandelte sie damals beim Sommertheater zurück in einen erlebbaren Kirchenbau. | Bild: Archiv

Arbeiten beginnen nach dem Auszug der Floristen

Wenn die Floristen mit dem Ende der LGS wieder ausgezogen sind, soll die Kapuzinerkirche wintertauglich gemacht werden. „Über die Vorzüge des Ortes und der Lage brauche ich nicht viel zu sagen“, erklärte ÜMT-Geschäftsführer Jürgen Jankowiak vor dem Gemeinderat und erläuterte die wichtigsten Punkte des Nutzungskonzepts.

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Auch private Feiern wie Hochzeiten sollen stattfinden können

Als „ganzjährige Event-Veranstaltungsort“ solle das Gebäude zum einen öffentliche Kulturstätte werden, zum anderen für private Feiern wie Hochzeiten attraktiv sein. Beides habe bislang nur im Sommerhalbjahr stattfinden können und eines hohen Improvisationsaufwands bedurft. Die gemischte Nutzung sei dringend erforderlich, um das Konzept ganzjährig wirtschaftlich gestalten zu können. Die ÜMT solle „Rahmenbetreiber“ bleiben, doch wolle man einen „Masterbetreiber“ suchen und vertraglich binden, der eigenständig einen großen Teil der Veranstaltungslogistik übernehme.

Das Gesamtgebäude von der Christophstraße aus gesehen.
Das Gesamtgebäude von der Christophstraße aus gesehen. | Bild: Christopher Rieck

Der Zeitraum von Ende August bis Ende September stehen ganz dem Sommertheater und dem Kleinkunstfestival zur Verfügung, weitere zehn Termine seien der ÜMT und der Stadt zur Vergabe vorbehalten. So seien künftig auch Fastnachtsveranstaltungen, Märkte und Messen möglich. Auch Vereine und Non-Profit-Organisationen sollen die Räume nutzen können.

Um die Kapuzinerkirche 2003 zur Spielstätte für das Sommertheater zu machen, wurden auf der Seite zum Bodensee hin Sanitäranlagen angebaut. Sie müssen nun vergrößert werden.
Um die Kapuzinerkirche 2003 zur Spielstätte für das Sommertheater zu machen, wurden auf der Seite zum Bodensee hin Sanitäranlagen angebaut. Sie müssen nun vergrößert werden. | Bild: Deck, Martin

Vergrößerung des Foyers kontrovers diskutiert

Für die ganzjährige Nutzung ist auch ein Ausbau des bestehenden Sanitärbereichs erforderlich, im hinteren Bereich des Chors soll eine Theke mit einigen Küchenelementen installiert werden. Über die Vergrößerung der Foyerfläche habe es im Vorfeld kontroverse Diskussionen gegeben. Die Überdachung des Vorbereichs war eine Idee. Um die Kubatur des Gebäudes beizubehalten, gibt es den Vorschlag, im hinteren Chorbereich eine zweite Ebene einzubauen, oder vorhanden Mauerbögen mit Belichtungselementen aufzubrechen.

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Im Januar 2019 hatte der Gemeinderat den Projektbeschluss gefasst und im April 2019 die erforderlichen Baumaßnahmen beraten. Nach aktueller Darstellung belaufen sich die Kosten auf knapp 3,5 Millionen Euro. Davon können 51 Prozent über die bewilligten Fördermittel des Landes aus dem Programm „Zukunft Stadtgrün“ oder einem vergleichbaren Programm abgedeckt werden.

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Struktur mit „Masterbetreiber“ soll von Person abhängen

Der einstimmigen Beschluss war um zwei Vorbehalte der CDU-Fraktion ergänzt worden, der das Konzept schon zu detailliert war. Danach solle das positive Votum nur „im Grundsatz“ gelten, zum anderen solle die Struktur mit einem Masterbetreiber nur „eventuell“ und unter der Maßgabe umgesetzt werden, dass eine geeignete Person gefunden werde. Darüber hinaus wurde die Verwaltung beauftragt, ein Verfahren zur Auswahl eines Architekturbüros für die Umsetzung der Maßnahme in die Wege zu leiten.