Längst hat sich Goldbach – das geschichtsträchtige Dörflein mit der ältesten Kirche am Nordufer des Bodensees – zu einer Hochburg für Künstler entwickelt. Quasi eine Quadratur der Goldbacher Kreativität ist ab Sonntag bei einer Ausstellung mit Werken von Stefanie Bourgeois-Forster, Bernhard Huber, Nica Haug und Klaus Schultze in der Städtischen Galerie Fähnle in der Goldbacher Straße hoch über dem Bodensee zu sehen. Die Kunstschau in dem außergewöhnlichen, unter Denkmalschutz stehenden Atelierbau öffnet um 15 Uhr erstmals ihre Pforten, allerdings – um den Corona-Anforderungen zu genügen – weitgehend unspektakulär und ohne große Einladung zu einer offiziellen Vernissage. Ungeachtet dessen sind Gäste in Maßen willkommen. Bis 25. Oktober werden die ganz unterschiedlichen Arbeiten zu sehen sein und lassen somit ausreichend Zeit, sich die Kunst zu Gemüte zu führen. Einen kleinen Vorgeschmack gab vor den Ferien schon eine kleine Ausstellung von Elena Zipser im ehemaligen Bahnwärterhäuschen, schließlich hat die Galerie in der Goldbacher Straße mit ihren vier Wänden nur Platz für ein Quartett.

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Das ehemalige Hotel mit Gasthof „Zu den Heidenhöhlen“ in Überlingen-Goldbach in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Sylvesterkapelle war schon seit mehr als 100 Jahren Ort der Begegnung und der Geselligkeit. Nur noch der Namenszug an der seeseitigen Fassade erinnert heute noch an die Gastgeberschaft der früheren Eigentümer, der Familien Lensing. Doch ein besonderer Treffpunkt für Künstlerinnen und Künstler ist das längst patinierte Ensemble, das zwischenzeitlich von der Schule Schloss Salem als Dependance genutzt worden war, bis heute geblieben. Seit vielen Jahren lebt und arbeitet hier der Maler und ehemalige Kunstpädagoge Bernhard Huber, dessen „majestätische Frauenbildnisse weit über die Region bekannt sind“, wie Hansjörg Straub, der Vorsitzende des Fördervereins der Galerie Fähnle, in seiner Vorabinformation schreibt. Als „monströs und anmutig“ zugleich beschreibt Heike Frommer vom Kulturamt des Bodenseekreises die oft mit ironischem Pinselstrich und einem Augenzwinkern verewigten „weitgehend figürlichen“ Damenporträts, wie der Künstler sie selbst charakterisiert.

Sie malte schon früher hoch über Goldbach mit Blick auf den See: Vor drei Jahren ist Stefanie Bourgeois-Forster wieder nach Überlingen zurück gekommen.
Sie malte schon früher hoch über Goldbach mit Blick auf den See: Vor drei Jahren ist Stefanie Bourgeois-Forster wieder nach Überlingen zurück gekommen. | Bild: Hanspeter Walter

Weniger figürlich sind die Arbeiten der ehemaligen Grafikerin und und Malerin Stefanie Bourgeois-Forster, die gleich nebenan lebt und arbeitet. Aufgewachsen war sie einst in der Villa Lattner hoch oben in der Goldbacher Straße, nur einen Katzensprung von der Galerie Fähnle entfernt. Schon dort machte die Künstlerin ihre ersten kreativen Gehversuche. Über Stationen in Paris und Lindau kam sie vor drei Jahren nach Goldbach zurück und hat hier nahezu den gleichen Blick auf den See, nur aus etwas anderer Perspektive. Ihre hellen, farbigen Bilder gehen eher „ins Abstrakte“, wie es in der Ankündigung der Galerie heißt. Bei der bevorstehenden Ausstellung werden die Werke der beiden Nachbarn erstmals gemeinsam zu sehen sein.

Auf Glas und Ton hat sich Nica Haug seit vielen Jahren spezialisiert und organisierte gemeinsam mit ihrem Mann Klaus Schulze schon in den 1980er und 1990er viele Ausstellungen in Goldbach.
Auf Glas und Ton hat sich Nica Haug seit vielen Jahren spezialisiert und organisierte gemeinsam mit ihrem Mann Klaus Schulze schon in den 1980er und 1990er viele Ausstellungen in Goldbach. | Bild: Hanspeter Walter

Nicht ganz neu dürfte für viele die Begegnung mit dem Goldbacher Künstlerpaar Klaus Schultze und Nica Haug sein, die vor allem mit Keramik, Ton oder Glas dreidimensional arbeiten. Zum einen von Ausstellungen, aber auch ständigen Plastiken, mit denen sie weit über die Region hinaus Anerkennung gefunden haben. Ihre letzte große Ausstellung in der Radolfzeller Villa Bosch sollte Mitte März starten, kollidierte mit Corona und musste etwas verschoben werden. Bekannt sein dürften Haug und Schultze insbesondere Passanten mit Auto oder Fahrrad – eher unbewusst – vor allem aber durch den markanten Skulpturengarten unmittelbar an der Straße. Dort lassen sich seit vielen Jahren immer wieder neue kreative Kunstwerke entdecken, ohne die Goldbach kaum mehr vorstellbar ist. „Ihre Formensprache ist unverwechselbar und eigenständig“, heißt es in der Ankündigung. „Sie zeugt von erstaunlichem Inspirationsreichtum.“

Er kann wuchtig und filigran: Seit sechs Jahrzehnten arbeitet Klaus Schultze mit Keramik und Ton und ist auch mit über 90 Jahren noch täglich im Atelier.
Er kann wuchtig und filigran: Seit sechs Jahrzehnten arbeitet Klaus Schultze mit Keramik und Ton und ist auch mit über 90 Jahren noch täglich im Atelier. | Bild: Hanspeter Walter

Dass diese kreative künstlerische Vielfalt – wenn auch notgedrungen in begrenztem Umfang – nun erstmals an einem Ort unweit der Wirkungsstätte ihrer Schöpfer zu sehen sein wird, scheint geradezu überfällig. Unter dem Titel „Sichtweisen – vier Goldbacher Künstler“ wird die Ausstellung bis zum 22. Oktober zu sehen sein.

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