Funktioniert Kunst wirklich auch virtuell? Mancher Kunstliebhaber soll in realer, analoger Gegenwart eines Originalgemäldes von Marc Rothko vor Rührung in Tränen ausgebrochen sein, Blockbusterausstellungen von Picasso, Van Gogh oder Monet sind Besuchermagnete und selbst eine ranzige Fettecke von Joseph Beuys provoziert live nachhaltiger. Die Mona Lisa als handgemalte Kopie oder großformatige Beamerprojektion würde wohl kaum Besuchermassen in den Louvre locken und die Dalí Show 2018/19 in der städtischen Galerie Überlingen hätte mit nur einem einzigen, handgemalten Original des Meisters ihre Besucherzahlen wohl mehr als verdoppelt.

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Irgendwie funktioniert Bildende Kunst virtuell nicht, auch nicht als Kopie oder Kunstdruck. Das alles sind nur Platzhalter, Stellvertreter, Illusionen, durchaus schön anzusehen, aber doch austauschbar und ohne Substanz, ohne diese einmalige, unmittelbare Nähe zum Künstler, manifestiert durch die Magie der Signatur. Dafür werden Millionen bezahlt. Die aktuell erzwungene Abstinenz durch den Virus wird unsere Sehnsucht nach leibhaftigen Begegnungen aber nur steigern, die Lust auf Ausstellungen, Konzerte, Bühnen und Fußballarenen und nach all den analogen Menschen da draußen.