„Wir haben uns riesig gefreut, hier mitmachen zu können“, sagt Anja Neumaier, Leiterin der Franz-Sales-Wocheler-Schule, über das Angebot, die Schüler bei der Kleingarten-Initiative bei St. Leonhard mitgärtnern zu lassen. Derselben Meinung ist Laura Panciera von der Kindertagesstätte am Burgberg. „Wir sind ja ein zertifzierter Kneipp-Kindergarten“, sagt die neue Leiterin: „Und in dem Konzept spielen Ernährung und insbesondere Kräuter eine wichtige Rolle.“ Mittlerweile gießen und pflegen die Jungen und Mädchen ihre Gärtchen regelmäßig. „Wir konnten auch einige Familien als Paten gewinnen“, erklärt Panciera.

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Gutes Ende eines zehn Jahre alten Konflikts zwischen Kleingärtnern und Stadt

Was war geschehen? Die Initiative hat eine längere Vorgeschichte. Seit zehn Jahren schwelt ein Konflikt zwischen Kleingärtnern und Stadtverwaltung, der in einem Rechtsstreit zwischen Kommune und Viktor Schlak kulminierte. Schlak hatte brach liegende Flächen einfach mit Gemüse bebaut – ohne eigene Interessen dahinter. Doch die Stadt duldete dies nicht. Dies rief die Liste für Bürgerbeteiligung und Umweltschutz auf den Plan, die versprach, Brachflächen in Zusammenarbeit mit verschiedenen interessierten Gruppen zu pflegen und nutzen. Die organisatorische Verantwortung übernahmen Alice Förster und Sonja Gröner, die auf verschiedene Einrichtungen zugingen. So kam unter anderem die Zusammenarbeit mit Schule und Kindergarten zustande.

Die Blühstreifen mit der Mössinger Mischung werden langsam, aber sicher immer bunter.
Die Blühstreifen mit der Mössinger Mischung werden langsam, aber sicher immer bunter. | Bild: Hanspeter Walter
Üppige Iris-Blüten setzen markante Akzente.
Üppige Iris-Blüten setzen markante Akzente. | Bild: Hanspeter Walter

„Wir haben hier offene Türen eingerannt. Auch die Nachfrage von interessierten Familien ist riesig“, sagt Alice Förster. „Wir bekommen fast täglich Anrufe.“ Teilweise sei dies möglicherweise auch der Corona-Pandemie geschuldet. Doch rein private Nutzungen der Flächen will die LBU vermeiden.

Einige Tafel-Kunden nutzen die Möglichkeit zur Selbstversorgung

Ein besonderer Fall seien registrierte Tafelkunden. „Wir haben dort die Möglichkeit angeboten, selbst Gemüse anzubauen“, erklärt Sonja Gröner. Einige der Kunden nutzen diese Gelegenheit mit großer Leidenschaft. „Sie sind sehr dankbar, dass sie das machen können. Statt in die Tafel zu gehen, versorgen sie sich jetzt teilweise selbst.“

Mössinger Blühmischung sorgt für Farbtupfer

Auch die Randstreifen der ganzen Kleingartenanlage sind wieder neu angelegt. Die Aktiven der LBU selbst erhielten von der Stadtgärtnerei einige Restbestände der Mössinger Blühmischung, die in den vergangenen Wochen nach und nach für zunehmende Farbtupfer rund um die Parzellen sorgt. Doch nicht nur Blühstreifen und Kräuter- und Gemüsebeete sind entstanden.

Dorfplatz soll am 19. Juni mit kleiner Feier eingeweiht werden

Johann Beller und Ulf Janicke zimmerten aus Baumstämmen und privaten Holzrestbestände eine improvisierte rustikale Sitzbank für den so genannten Dorfplatz, der auf einer kleinen Freifläche zwischen den Parzellen entstehen soll. Das Ergebnis soll am Samstag, 19. Juni mit einer kleinen, coronagerechten Feier der Bestimmung übergeben werden.

Johannes Beller (links) und Ulf Janicke zimmerten eine Sitzbank für den künftigen „Dorfplatz“ zwischen den Parzellen.
Johannes Beller (links) und Ulf Janicke zimmerten eine Sitzbank für den künftigen „Dorfplatz“ zwischen den Parzellen. | Bild: Hanspeter Walter

Sehen lassen kann sich auch der Garten der Franz-Sales-Wocheler-Schule. „Unsere Kleinen haben dazu in der Schule einige Pflanzen aus Samen vorgezogen“, erinnert sich Anja Neumaier: „Das hat sie regelrecht begeistert.“ Gerade diese praktischen Tätigkeiten seien in der schwierigen Corona-Zeit eine gute Abwechslung gewesen. „Ältere Schüler haben dann Holzschilder mit den Namen der Kräuter hergestellt, um die Beete zu beschriften.“ Künstlerisch gestaltet sind einige Trittsteine zwischen den Beeten. Noch im Bau war beim Besichtigungstermin das Holzgehäuse für den eigenen Kompost auf der Parzelle.

Schüler der Franz-Sales-Wocheler-Schule fertigten die Schilder für die Kräuter selbst...
Schüler der Franz-Sales-Wocheler-Schule fertigten die Schilder für die Kräuter selbst... | Bild: Hanspeter Walter
...und auch die künstlerisch gestalteten Trittsteine zwischen den Beeten.
...und auch die künstlerisch gestalteten Trittsteine zwischen den Beeten. | Bild: Hanspeter Walter

„Auch unseren kleinen Kindern tun diese kleinen Ausflüge in die nahe Gartenanlage richtig gut“, sagt Laura Panciera von der Kindertagesstätte am Burgberg. Gerade während der Einschränkungen durch die Pandemie seien die Erfahrungen in dem kleinen Gärtchen zu einem wichtigen „Resilienzfaktor“ geworden.