Seit Anfang Juni haben Fitnessstudios in Deutschland wieder geöffnet. Mittlerweile ist also alles längst wieder beim Alten? Nicht wirklich, denn nach wie vor gibt es coronabedingt strikte Auflagen. Fünf Liter Desinfektionsmittel braucht der Überlinger Wellnesspark derzeit jeden Tag. Im Gesundheitszentrum ProSana wurde trotz Corona Personal auf- statt abgebaut. Eine Kündigungswelle seitens der Kunden gab es, wie die Inhaber erzählen, in beiden Studios nicht.

Desinfektionsmittel in jeder freien Ecke

Sowohl für Betreiber als auch Trainierende hat sich daher „ein neuer Alltag entwickelt“, wie es Harald Künstler, Inhaber des Wellnessparks in Überlingen, beschreibt. Begrenzte Teilnehmerzahlen in Kursräumen oder Desinfektionsmittel in jeder freien Ecke sind nur zwei von vielen Beispielen.

Harald Künstler, Inhaber des Wellnessparks Überlingen, hat 15 der rund 80 Geräte gesperrt. Damit stellt er sicher, dass die Trainierenden den Mindestabstand jederzeit einhalten können.
Harald Künstler, Inhaber des Wellnessparks Überlingen, hat 15 der rund 80 Geräte gesperrt. Damit stellt er sicher, dass die Trainierenden den Mindestabstand jederzeit einhalten können. | Bild: Julian Widmann

Rund 80 Fitnessgeräte gibt es im Wellnesspark in Altbirnau – 15 davon sind aktuell allerdings gesperrt, um das Risiko zu vermeiden, dass die Abstände nicht eingehalten werden. Dennoch können alle Muskelgruppen trainiert werden, wie Inhaber Künstler erklärt: „Es sind ausschließlich Geräte außer Betrieb, von denen wir Duplikate haben.“

Das Mittlere von drei Laufbändern hat Harald Künstler bleibt weiter gesppert.
Das Mittlere von drei Laufbändern hat Harald Künstler bleibt weiter gesppert. | Bild: Julian Widmann

Bei Harald Künstler gilt: Jeder Trainierende hat durchschnittlich mindestens zehn Quadratmeter Platz. Es dürfen also aufgrund der Raumgrößen in Summe maximal 40 Personen gleichzeitig im Wellnesspark trainieren. Seit der Wiederöffnung seien aber nie mehr als 20 Personen gleichzeitig da gewesen, wie Künstler erklärt. Die Auslastung für das Fitnesstraining liege bei 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ältere Mitglieder bleiben teils zuhause, aber keine Kündigungswelle

Der Grund ist laut Künstler, dass es einigen Kunden zu riskant ist, ins Fitnessstudio zu gehen. Der Altersdurchschnitt der Wellnesspark-Kunden liege etwa bei 50 Jahren. „Wir haben rund 40 Mitglieder, die älter als 80 sind.“ Von diesen komme derzeit knapp die Hälfte. Außerdem gebe es junge Mitglieder, die zuhause bleiben, weil sie ihre Oma oder ihren Opa nicht anstecken wollen.

„Herr Künstler, ich möchte noch abwarten“ – ein Satz, den der Inhaber derzeit immer mal wieder hört. Umso erfreulicher sei für ihn, dass es keine Kündigungswelle gegeben hat: „Die Mitglieder haben mir mehrfach zurückgemeldet, dem Studio treu zu bleiben. Sie zeigen alle Verständnis für die Situation.“ Daher sei er optimistisch, diese Zeit gut zu überstehen.

Am Eingang werden Kunden über die wichtigsten Regeln aufgeklärt und haben die Möglichkeit, sich zu desinfizieren.
Am Eingang werden Kunden über die wichtigsten Regeln aufgeklärt und haben die Möglichkeit, sich zu desinfizieren. | Bild: Julian Widmann

Auffällig ist im Wellnesspark bereits am Eingang, dass die Räumlichkeiten geprägt sind von Hinweisschildern und Desinfektionsmitteln: „Wir haben 75 Desinfektionsflaschen und brauchen pro Tage fünf Liter Desinfektionsmittel„, sagt Künstler. Für jeweils zwei Geräte habe man eine Flasche, damit die Wege für die Trainierenden möglichst kurz sind.

Michael Lienhard ist Fitnesstrainer im Wellnesspark Überlingen und vertritt Harald Künstler hinter der Rezeption.
Michael Lienhard ist Fitnesstrainer im Wellnesspark Überlingen und vertritt Harald Künstler hinter der Rezeption. | Bild: Julian Widmann

„Michael Lienhard als verantwortlicher Trainer achtet darauf, dass die Griffe der Geräte nach jeder Nutzung gereinigt werden“, erzählt der Inhaber. Zudem sei ein großes Badehandtuch Pflicht. Vor Corona hätten manche Kunden immer nur ein kleines dabei gehabt, das reiche nun nicht mehr.

Abgesperrte Geräte, Desinfektionsmittel und Tücher: Ein in Corona-Zeiten übliches Bild in Fitnessstudios – hier im Wellnesspark Überlingen.
Abgesperrte Geräte, Desinfektionsmittel und Tücher: Ein in Corona-Zeiten übliches Bild in Fitnessstudios – hier im Wellnesspark Überlingen. | Bild: Julian Widmann

Für Harald Künstler ist es neben genügend Möglichkeiten zur Desinfektion entscheidend, dass die Räume gut durchlüftet werden können. Gerade in Kursen, bei denen die Teilnehmerzahl im Wellnesspark derzeit auf zehn begrenzt ist, sei dies essenziell.

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Drei wichtige Punkte: Abstand, Desinfektion, Belüftung

Als Trainierender sollte man in seinen Augen auf drei Dinge achten: Wie sieht es im Fitnessstudio mit den Abständen, der Desinfektion und der Belüftung aus? Wenn die Auflagen der Behörden gut umgesetzt würden, kann man laut Künstler in fast unverändertem Rhythmus und sorgenfrei zum Training kommen.

Jens Veitinger, Inhaber des Gesundheitszentrums ProSana und Sebastian Zschockelt, Bereichsleitung Fitness.
Jens Veitinger, Inhaber des Gesundheitszentrums ProSana und Sebastian Zschockelt, Bereichsleitung Fitness. | Bild: Julian Widmann

ProSana-Gesundheitszentrum: Plexiglasscheiben als Trennwände und 3700 Desinfektionstücher pro Tag

Intensiv mit den Corona-Vorschriften haben sich in den vergangenen Monaten auch Jens Veitinger, Inhaber des ProSana-Gesundheitszentrums, und Sebastian Zschockelt, Leiter der Abteilung Fitness, auseinandergesetzt. Geräte sind bei ProSana derzeit keine gesperrt, allerdings haben Veitinger und Zschockelt eine andere Lösung gefunden: Die Geräte, 40 im Kraft- und 16 im Kardiobereich, sind mittlerweile durch Plexiglasscheiben voneinander abgetrennt.

Die Geräte sind bei ProSana durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt.
Die Geräte sind bei ProSana durch Plexiglasscheiben voneinander getrennt. | Bild: Julian Widmann

Bei der Desinfektion setzt das Fitnessstudio auf Einmal-Desinfektionstücher. „Das geht schnell und bietet doppelten Schutz“, sagt Veitinger. Die Kunden hätten kein Problem damit, vor und nach der Nutzung die Geräte jeweils mit den Tüchern zu desinfizieren. 3700 Tücher brauche das Gesundheitszentrum alleine im Bereich Fitness täglich.

Spezialmittel aus Österreich soll zwei Stunden Schutz bieten

Zudem habe man extra aus Österreich ein Spezialmittel importiert, womit die Mitglieder sich zu Trainingsbeginn die Hände desinfizieren. „Dieses Mittel bietet zwei Stunden Schutz“, sagt Veitinger. Dabei sei egal, ob man dazwischen auf die Toilette müsse oder wie viele Gerätegriffe man trainiert habe: „Die Kunden wissen, dass dies bei uns verpflichtend ist“, fügt der Inhaber an.

Zurückziehen auf dem Sofa – in Corona-Zeiten bei ProSana nur bedingt möglich.
Zurückziehen auf dem Sofa – in Corona-Zeiten bei ProSana nur bedingt möglich. | Bild: Julian Widmann

Die Mitgliederzahl sei „phänomenal gleich geblieben“, erzählt Veitinger. Zu Beginn der Corona-Zeit habe er sogar neue Mitarbeiter eingestellt, um „die Hygiene sicher zu stellen und eine bestmögliche Betreuung gewährleisten“ zu können. „Unsere Mitglieder haben uns ganz bewusst unterstützt, darüber sind wir sehr froh.“

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Dass den Mitgliedern das Training zu riskant sei, ist bei ProSana kaum der Fall: „Es sind ganz wenige Kunden, die aktuell nicht trainieren“, sagt Sven Zschockelt. Das durchschnittliche Alter der Kunden liege etwa bei 48 Jahren, wobei alle Altersklassen vertreten seien.

Gerät, Plexiglassscheibe, Gerät, Plexiglassscheibe, Gerät, Plexiglassscheibe...
Gerät, Plexiglassscheibe, Gerät, Plexiglassscheibe, Gerät, Plexiglassscheibe... | Bild: Julian Widmann

In den Gängen bei ProSana gilt teils Maskenpflicht, was überhaupt kein Problem für die Kunden sei. Veitinger: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich im Fitnessstudio infiziert, wenn man sich an die Regeln hält.“ Der Inhaber geht sogar noch einen Schritt weiter: „Gerade jetzt ist es wichtig, das Immunsystem zu stärken. Und dafür ist das Training im Fitnessstudio ideal.“ Ähnlich drückt es Zschockelt aus: „Jetzt nicht zu kommen, ist eher kontraproduktiv für die Gesundheit.“

Auf 20 Personen ist die Teilnehmerzahl in diesem Kursraum begrenzt – in einem weiteren, kleineren Raum, sogar auf zwölf.
Auf 20 Personen ist die Teilnehmerzahl in diesem Kursraum begrenzt – in einem weiteren, kleineren Raum, sogar auf zwölf. | Bild: Julian Widmann

Kurse laufen ähnlich ab

Die Inhalte der Kurse hätten sich in den vergangenen Monaten „nur leicht, aber nicht maßgeblich verändert“, sagt Zschockelt. Man würde ausschließlich gut desinfizierbare Geräte verwenden. Die Zahl der Teilnehmer sei je nach Raumgröße allerdings begrenzt, die Pause zwischen Kursen wurde zudem von zehn auf 15 Minuten verlängert: „Das ist wichtig für die Durchlüftung“, so der Leiter der Abteilung Fitness.

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